NewsMedizinFramingham-Studie sieht Süßstoff als Schlaganfall- und Demenzrisiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Framingham-Studie sieht Süßstoff als Schlaganfall- und Demenzrisiko

Montag, 24. April 2017

/travis manley stock.adobe.com

Boston – Zwei neue Analysen der Framingham Heart Studie stellen die Sicherheit von Süßgetränken infrage, vor allem wenn sie mit künstlichen Süßstoffen versetzt sind. Laut einer Publikation in Stroke (2017; doi: 10.1161/STROKEAHA.116.016027) erkranken Menschen, die häufig zu künstlich gesüßten Diätgetränken greifen, später dreimal häufiger an Schlaganfall und Demenzen. Laut der Untersuchung in Alzheimer's and Dementia (2017; doi: 10.1016/j.jalz.2017.01.024) haben ältere Menschen, die viele zuckerhaltige Süßgetränke trinken, kleinere Gehirne und ein schlechteres Gedächtnis.

Die Bedenken gegen Diätgetränke sind nicht neu. Frühere Analysen der Atherosclerosis Risk in Communities Study, der Framingham Heart Study und der Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis hatten den Konsum der Süßstoffgetränke mit einer erhöhten Rate von Metabolischem Syndrom und Typ 2-Diabetes in Verbindung gebracht.

Anzeige

Die Vermutung geht dahin, dass die Aufnahme der Süßstoffe den Appetit fördert und damit letztlich die Gewichtszunahme beschleunigt. Für diese Annahme sprechen auch die Ergebnisse von Tierstudien, in denen Ratten, die mit künstlichen Süßstoffen gefüttert wurden, schneller an Gewicht zunehmen als Ratten, deren Futter nicht künstlich gesüßt war. Die künstlichen Süßstoffe wurden in neueren Untersuchungen auch mit einer Veränderung der Darmflora und der Entwicklung einer Glukoseintoleranz in Verbindung gebracht.

Die Assoziation ließe sich aber auch daraus erklären, dass Menschen mit Metabo­lischem Syndrom und Typ 2-Diabetes aus einem Gesundheitsbewußtsein heraus vermehrt zu Diät-Getränken greifen (obwohl sie nach Ansicht vieler Ernährungs­wissenschaftler besser Wasser trinken sollten). Die Frage Kausalität kann auch durch die neuesten Analysen, die das Team um Matthew Pase von der Boston University School of Medicine durchgeführt hat, nicht geklärt werden.

Die erste Studie hat einmal 2.888 Teilnehmer begleitet, die zu Beginn der Studie älter als 45 Jahre (Durchschnittsalter 62 Jahre) waren. Insgesamt 97 erlitten in den folgenden sieben Jahren einen Schlaganfall, davon 81 einen ischämischen Schlaganfall. Die Teilnehmer, die zu Beginn der Studie angegeben hatten, mehr als ein Diät-Getränk pro Woche zu konsumieren, erkrankten fast dreimal häufiger an einem ischämischen Schlaganfall als die Personen, die keine Diät-Getränke konsumierten. Pase ermittelt eine Hazard Ratio von 2,96, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,26 bis 6,97 für ischämischen Schlaganfall signifikant war. Für zuckerhaltige Süßgetränke wurde keine Assoziation gefunden. Pase gibt aber zu bedenken, dass zuckerhaltige Süßgetränke seltener als Diätgetränke konsumiert wurden.

Die Studie begleitete auch 1.484 Teilnehmer, die zu Beginn der Studie älter als 60 Jahre (Durchschnittsalter 69 Jahre) waren. Von diesen erkrankten 81 in den folgenden sieben Jahren an einer Demenz (davon 63 an einem Morbus Alzheimer). Auch hier war das Risiko der regelmäßigen Konsumenten von Diätgetränken erhöht: Pase ermittelt eine Hazard Ratio von 2,89 (1,18-7,07). Für zuckerhaltige Süßgetränke wurde erneut keine Assoziation gefunden.

In der zweiten Untersuchung haben Pase und Mitarbeiter die neurophysiologischen Untersuchungsergebnisse von 4.276 Teilnehmern und die Magnetresonanz­tomographien von 3.846 Teilnehmern der Framingham Heart Study mit dem Konsum von Süßgetränken in Verbindung gesetzt.

Die Studie ergab, dass ein höherer Konsum von zuckerhaltigen Getränken (2 oder mehr Getränke am Tag) mit einem geringeren Gesamtvolumen des Gehirns und schlechteren Ergebnissen in den Gedächtnistests einherging. Beim Gehirnvolumen entsprach der Unterschied einer vorzeitigen Alterung um 1,6 bis 2,0 Jahren. Bei den Gedächtnistests wären die Konsumenten von Süßgetränken um 5,8 bis 11,0 Jahre vorzeitig gealtert. Als Querschnittstudie hat die zweite Studie eine relativ geringe Beweiskraft. Es fehlt der Zeitfaktor, der belegt, dass ein gewisses Verhalten über die Jahre eine bestimmte Folge hat. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. September 2018
Berlin – Mehr als jedes zweite „Erfrischungsgetränk“ ist überzuckert – obwohl viele Hersteller und Händler angekündigt haben, den Zuckergehalt in ihren Produkten zu senken. Das ist das Ergebnis einer
Marktstudie: Anteil überzuckerter Getränke trotz Herstellerankündigungen unverändert hoch
21. September 2018
Berlin – Die Versorgungssituation von Menschen mit psychischen Erkrankungen hat sich in Deutschland in den letzten Jahren verbessert, ist aber längst noch nicht zufriedenstellend. Noch kommen die
Psychiater fordern mehr Aufklärung zu Demenz und frühzeitige Diagnostik und Behandlung
21. September 2018
Paris – Für die Lebensmittelkennzeichnung auf der Vorderseite der Packung gibt es verschiedene Modelle. Forscher aus Frankreich haben vier davon verglichen. Am besten konnten Verbraucher die
Nutriscore sorgt für gesündere Kaufentscheidung als Ampelkennzeichnung
20. September 2018
Berlin – Den Startschuss für eine nationale Demenzstrategie haben Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) und Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) gegeben. „Menschen mit Demenz und ihre
Bundesregierung plant eine nationale Demenzstrategie
20. September 2018
Kopenhagen – Ein hoher Glutengehalt der Nahrung von Frauen während der Schwangerschaft war in einer prospektiven Kohortenstudie mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko des Kindes an einem Typ-1-Diabetes
Glutenhaltige Kost in der Schwangerschaft könnte Typ-1-Diabetes beim Kind fördern
19. September 2018
Athen – Griechische Senioren, die sich an die klassische mediterrane Kost hielten, waren in einer Querschnittstudie in Geriatrics and Gerontology International (2018; doi: 10.1111/ggi.13521)
Mediterrane Diät kann den Schlaf verbessern
18. September 2018
Berlin – Gleich drei Verbände verkündeten heute in Berlin ihren Ausstieg aus der Plattform Ernährung und Bewegung (PEB). Zu groß war die Differenz der Interessen, die Verbände und Industrie im
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER