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Medizin

Psoriasis: IL-23 Antikörper Risankizumab mit überlegener Wirkung

Montag, 24. April 2017

/hriana stock.adobe.com

Waterloo – Kleine Unterschiede können bei monoklonalen Antikörpern große Aus­wirkungen auf den Therapieerfolg haben. Der spezifische Inhibitor von Interleukin 23, Risankizumab, hat in einer Phase 2-Studie die Hautläsionen von Patienten mit Psoriasis doppelt so häufig zur Abheilung gebracht wie Ustekinumab, das zu den derzeit am besten wirksamen Antipsoriatika gehört und einen vergleichbaren Wirkungs­mechanismus hat. Die bereits 2015 auf einer Tagung der European Academy of Dermatology and Venereology vorgestellten Ergebnisse wurden jetzt im New England Journal of Medicine (2017; 376: 1551-1560) publiziert.

Die Psoriasis wird als Dermatose zunächst topisch oder durch eine Phototherapie behandelt. Den Hautärzten steht eine Reihe von Externa von Teer über Dithranol, Tazaroten und natürlich auch Steroiden bis hin zu den Calcineurin-Inhibitoren Pimecrolimus und Tacrolimus zur Verfügung, die jedoch nicht immer erfolgreich sind. Spätestens bei einer Gelenkbeteiligung, die bei der Autoimmunerkrankung Psoriasis nicht selten ist, erfolgt der Wechsel zu einer systemischen Therapie. Dort gehören neben Fumarsäureester, Methotrexat, Ciclopsorin und Retinoiden die TNF-Inhibitoren Adalimumab, Etanercept und Infliximab zu den effektivsten Medikamenten. 

Seit 2009 ist als weiteres Biologikum Ustekinumab hinzugekommen. Der Antikörper blockiert Interleukin 23 (IL-23), das für die Pathogenese der Psoriasis von zentraler Bedeutung ist. Ustekinumab bindet an der p40 Untereinheit von IL-23. Diese Unter­einheit gibt es auch beim Interkeukin 12, was anfangs wegen des breiteren Angriffspunktes als Vorteil gedeutet wurde. Inzwischen gilt allerdings als erwiesen, dass die Wirkung nur über die Blockade von IL-23 zustande kommt. Der erste monoklonale Antikörper, der ausschließlich an IL-23 (genauer an der Untereinheit p19), bindet ist Risankizumab.

Schon die Ergebnisse der Phase 1-Studie deuteten auf eine außerordentlich gute Wirkung hin (J Allergy Clin Immunol 2015; 136: 116-124.e). Dies sollte sich in der folgenden Phase 2-Studie bestätigen, deren Ergebnisse jetzt vom Hersteller veröffentlicht wurden.  

An der Studie hatten in 23 Zentren in den USA und Europa (mit deutscher Beteiligung) 166 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis mit oder ohne Begleitarthritis teilgenommen. Sie wurden auf eine Behandlung mit Ustekinumab oder drei unter­schiedlichen Dosierungen Risankizumab randomisiert. Der primäre Endpunkt war eine Reduktion des PASI-Scores (er bewertet Ausdehnung und Schweregrad der Dermatose) um mindestens 90 Prozent. 

Wie Kim Papp von Clinical Research and Probity Medical Research in  Waterloo/Ontario und Mitarbeiter jetzt berichten, erreichten unter den Dosierungen von 90 mg oder 180 mg Risankizumab 77 Prozent der Patienten den primären Endpunkt gegenüber 40 Prozent der Patienten nach der Behandlung mit Ustekinumab. Bei 45 Prozent der Patienten kam es unter der Behandlung mit Risankizumab sogar zu einer vollständigen Abheilung der Dermatose gegenüber 18 Prozent unter Ustekinumab.

Die Unterschiede zwischen den beiden Wirkstoffen waren statistisch signifikant, und wie die besseren Ergebnisse in einem Fragebogen zur Lebensqualität zeigten, auch klinisch relevant. Auch die Läsionen auf der Kopfhaut, die palmoplantare Psoriasis und die Nagelveränderungen, die auf eine topische Therapie häufig nicht ansprechen, besserten sich deutlich. 

Beide Medikamente sind allerdings mit systemischen Nebenwirkungen behaftet. Nasopharyngitis und Kopfschmerzen traten unter einigen Dosierungen von Risankizumab häufiger aus als unter Ustekinumab. Ein Patient erlitt während der Behandlung einen Herzinfarkt, ein weiterer einen Schlaganfall. Ob sie auf die Behandlung zurückzuführen sind, lässt sich aufgrund der kleinen Fallzahl nicht sicher beurteilen. Die Sicherheit des vielleicht stärksten Antipsoriatikums dürfte Schwerpunkt der laufenden Phase 3-Studie sein. © rme/aerzteblatt.de

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