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Medizin

Salzarme Ernährung: Zu wenig Natrium könnte Risiko für Bluthochdruck erhöhen

Mittwoch, 26. April 2017

Zu wenig Salz erhöht laut einer aktuellen Studie den Bluthochdruck. /orcea david, stock.adobe.com

Chicago/Boston – Zu viel Salz schadet der Gesundheit, lautet die gängige Empfehlung von Ärzten. Dabei haben Forscher der Boston University School of Medicine jetzt ge­zeigt, dass zu wenig Natrium den Blutdruck sogar erhöht. Die Ergebnisse der Langzeit­studie würden aktuelle Empfehlungen der Dietary Guidelines for Americans infrage stellen, teilen die Forscher diese Woche beim Experimental Biology 2017 Meeting in Chicago mit. 

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Die Daten von mehr als 2.600 Männer und Frauen im Alter zwischen 30 und 64 Jahren aus der Framingham Studie hatten Lynn Moore, Martha Singer und M. Loring Bradlee über einen Zeitraum von 16 Jahren beobach­tet. Die zu untersuchenden Nahrungselemen­te Natrium, Kalium, Magnesium und Calcium wurden anschließend in Quintil-Abständen des täglichen Konsums zusammen mit dem systolischen und diastolischen Blutdruck dargestellt (siehe Diagramm).

Jene, die weniger als 2,5 Gramm Natrium pro Tag zu sich nahmen, hatten einen höheren Blut­druck als jene, die mehr Salz konsu­mierten. Es zeigte sich darüber hinaus, dass Teilnehmer mit den niedrigsten systoli­schen/diasto­lischen Blutdruckwerten von 129,5/75,6 mmHg gleichzeitig auch viel Natrium (etwa 3,717 g) und Kalium (etwa 3,211 g) in Kombination zu sich nahmen. Ähnliche Beobach­tungen konnten Moore und ihre Kollegen für die Kombination mit Magnesium um Calcium machen.

„Die Ergebnisse zeigen uns, dass sich eine salzarme Ernährung langfristig nicht wie erwartet positiv auf den Bluthochdruck auswirkt“, fasst Moore zusammen. Ein Salz­konsum unter 2,3 Gramm pro Tag könne man daher nicht empfehlen.

„Es bleibt dabei, dass bei Patienten mit Bluthochdruck eine Reduktion der Kochsalzzufuhr auf weniger als sechs Gramm pro Tag zu einer Senkung des Blutdrucks führt.“ Martin Hausberg, Internist am Städtischen Klinikum Karlsruhe

Deutsche Ernährungs- und Bluthochdruck-Experten bleiben zurückhaltend

Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) überzeugt das Abstract der Beobachtungsstudie nicht, unter anderem aufgrund der geringen Teilnehmerzahl und da nur jene ohne anfäng­lichen Bluthochdruck beobachtet wurden. „Es bleibt nach meiner Kenntnis dabei, dass bei Patienten mit Bluthochdruck, eine Reduktion der Kochsalzzufuhr auf weniger als sechs Gramm pro Tag, was weniger als 2,3 Gramm Natrium pro Tag entspricht, zu einer Senkung des Blutdrucks führt und daher empfohlen ist“, sagt Martin Hausberg, Internist am Städtischen Klinikum Karlsruhe. 

Diese Empfehlungen leiten sich aus Inter­ventionsstudien eindeutig ab und teilweise auch aus Beobachtungsstudien, erklärt Hausberg weiter. Offen in der hier vorgestellten Beobachtungsstudie sei die Beziehung zwischen Kochsalzzufuhr und kardiovaskulärem Risiko beziehungsweise Sterblichkeit. „Hier scheint möglicherweise eine U-förmige Beziehung zu existieren, aber alle diese Beobachtungsstudien sind nicht frei von Störeinflüssen“, erklärt der DHL-Experte. Ein Bespiel dafür sei eine besonders niedrige Kochsalzzufuhr als möglicher Marker von mangelndem Appetit bei schwerer Grunderkrankung. Die DHL kündigt an, das Thema erneut zu diskutieren, wenn die Studienergebnisse von Moore et al peer-reviewed publiziert sind.

Die amerikanischen Leitlinien empfehlen einen maximale Tagesdosis Natrium von 2,3 Gramm für gesunde Menschen und 1,5 Gramm für Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes oder Nierenerkrankungen. 

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) äußert sich zurück­haltend. Die Fachgesellschaft hat den Referenzwert für Natrium erst kürzlich aktualisiert. Selbst für gesunde Men­schen empfiehlt die DGE demnach einen Schätzwert von 1,5 Gramm Natrium pro Tag. Ein entscheidender Unterschied zu diesem Referenzwert für Natrium sei, dass in der Untersuchung von Moore et al. lediglich die Natriumaufnahme beurteilt wurde und nicht die in der Ableitung der Natrium-Referenzwerte verwendete Natriumbilanz, teilte die DGE dem Deutschen Ärzteblatt mit. Diese seien zur Beurteilung des physiologischen Natriumbedarfs entscheidend.

© gie/aerzteblatt.de

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