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Lärm ist schleichendes Gesundheitsrisiko

Mittwoch, 26. April 2017

/photophonie, stock.adobe.com

Berlin/Dresden – Aufklärungskampagnen zu Hörschäden hat die stellvertretende Vorsit­zende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, anlässlich des heutigen Ta­ges gegen den Lärm gefordert. „Schon in den Schulen muss die Aufklärungsarbeit be­ginnen. Denn Aufklärung wirkt. Gute Vorbilder dafür sind die erfolgreichen Kampagnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Thema Alkohol und Rauchen“, sagte Connemann.

Die Zahl der Menschen, die Hörprobleme haben, wächst jährlich. „Der aktuelle Barmer-Arzt­report hat ermittelt, das allein im Jahr 2015 fast 9,8 Prozent aller Arztbesucher die Di­agnose ‚Krankheiten des Ohres, H90–H95’ erhielten“, berichtete Heike Sander, Leite­rin der Landesvertretung der Barmer in Niedersachsen und Bremen. Dabei betreffe Schwer­­hörigkeit nicht nur alte Menschen – immer öfter sei es auch für Kinder und Jugendliche ein Thema.

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Aber auch in Krankenhäusern kann Lärm ein Problem sein – für Patienten, Ärzte und Pfle­gekräfte. Das zeigt eine Untersuchung am Klinikum Links der Weser in Bremen. Der Fachkrankenpfleger Andreas Schneider befragte dort 2015 über zwei Monate Patienten nach ihrem Lärmempfinden auf der Intensivstation. Außerdem prüfte er mit einem Dezi­bel-Messgerät den tatsächlichen Lärmpegel. „Wir haben uns absolut nicht lärmscho­nend verhalten“, lautet Schneiders Fazit, der das Thema für seine Abschlussarbeit der Fach­wei­terbildung aufgegriffen hatte.

Die Klinik reagierte auf die Ergebnisse seiner Erhebung: Patienten können sich nun Kopf­hörer aufsetzen, die Nebengeräusche ausblenden. Positiver Nebeneffekt: „Patien­ten werden auf diese Weise nach der OP auch ruhiger und können häufig früher verlegt wer­den“, sagt Schneider. Außerdem wurden Lärmampeln auf allen Fluren installiert. Sie leuchten rot, wenn es zu laut ist. Zwei Patientenzimmer wurden zu Lagerräumen umfunk­­tioniert, weil sie neben der Spüle und dem Aufzug lagen. Zudem ist eine Arbeits­gruppe um Andreas Schneider entstanden, die bereits zwei Testreihen zum Einsatz der Kopf­hö­rer initiiert hat. Die Gruppe klärt das Team auf der Intensivstation auch über Möglich­kei­ten auf, Lärm zu vermeiden.

Dass Lärm Stressreaktionen auslösen kann, die sich auf das Herz-Kreislauf-System aus­­wirken können, berichtete 2016 eine Arbeitsgruppe der Uniklinik Dresden im Deut­schen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int 2016; 113(24): 407–14). Die Arbeitsmediziner verglichen im Rhein-Main-Gebiet 19.632 Patien­ten mit der Diagnose Herzinfarkt zwischen 2006 und 2010 mit 834.734 Kontroll­personen. In die­ser Studie war ein großer Teil der Bevölkerung Verkehrslärmpegeln ausgesetzt, die mit einer – wenngleich geringen – Risikoerhöhung für einen Herzinfarkt verbunden waren. „Dies unterstreicht die Bedeutung einer wirksamen Prävention von Verkehrslärm“, be­richteten die Autoren. © hil/aerzteblatt.de

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