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Ungeimpfte Ärzte können Krankenhausbetrieb behindern

Donnerstag, 27. April 2017

/Alexander Raths, stock.adobe.com

Berlin/Wetzlar – Die meisten Ärzte predigen Patienten, wie wichtig es ist, sich impfen zu lassen. Doch wie zuletzt Umfragen des Robert-Koch-Instituts (RKI) ergaben, vernach­lässi­gen viele Ärzte und auch Pflegekräfte ihren eigenen Impfschutz. Dass das ein er­hebli­ches Problem werden kann, zeigte zuletzt ein Masern­ausbruch am Klinikum Wetz­lar in diesem Frühjahr.

„Wir können inzwischen davon ausgehen, dass innerhalb des Klinikums Wetzlar die Wahr­­scheinlichkeit einer Ansteckung mit Masern geringer ist als in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. Daher sind wir sehr zuversichtlich, dass hier keine weiteren Ma­sernerkrankungen auftreten werden“, erklärte Norbert Köneke, Medizinischer Direktor der Lahn-Dill-Kliniken, zu denen das Klinikum Wetzlar gehört.

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Dennoch seien zu diesem Zeitpunkt bereits neun Mitarbeiter erkrankt gewesen, was er­hebliche Auswirkungen auf das Krankenhaus gehabt habe. „Der gesamte Betrieb wurde auf den Kopf ge­stellt“, sagt Köneke. Auch alle Patienten hätten die Auswirkungen zu spü­ren bekommen. Es durften keine Besucher ins Klinikum. Rund 2.300 Mitarbeiter mus­s­ten auf ihren Impf­status untersucht werden. Hinzu gekommen sei der personelle Eng­pas­s, der durch eine gleichzeitig auftretende Influenzawelle noch massiv verschärft wor­den sei.

Fast die Hälfte der Ärzte nicht geimpft

Eine Umfrage des Robert-Koch-Instituts unter Ärzten und Pflegepersonal hatte zuletzt Ende des vergangenen Jahres auf das Problem ungeimpfter Ärzte und Pflegekräfte auf­merksamk gemacht. Von 1.827 Klinikmitarbeitern, die den Fragebogen ausgefüllt hatten, waren nur 40 Prozent aktuellen gegen Grippe geimpft. Am höchsten war die Impfquote bei Ärzten mit 56 Prozent. Das Pflegepersonal hatte sich zu 34 Prozent und die thera­peu­tischen Berufe zu 35 Prozent impfen lassen. Das berufliche Umfeld mit der höchsten Impfquote war der ambulante Bereich mit 48 Prozent.

Die Beschäftigten wurden auch nach ihren Motiven für die Teilnahme oder die Nicht­teil­nahme an der Impfung gefragt, die an beiden Kliniken vom betriebsärztlichen Dienst an­geboten wird. Das wichtigste Motiv für die Impfung war in allen Berufsgruppen der Schutz des persönlichen Umfelds. An zweiter Stelle folgte der Schutz der Patienten. Für die Ärz­te waren beide Gründe gleichwertig. Pflegepersonal und therapeutische Berufe nannten den Schutz der Patienten etwas seltener.

Auch bei den Gründen für die Nichtteilnahme gab es Unterschiede. Bei Ärzten standen organisatorische Gründe und Zeitmangel an erster Stelle. Das Pflegepersonal hatte eher Angst vor den Nebenwirkungen, während die therapeutischen Berufe die Grippe für sich als ungefährlich einstuften und deshalb keinen Grund für eine Impfung sahen. Die Er­geb­nsse untermauern eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklä­rung aus dem Jahr 2012. Damals sagten nur 43 Prozent des medizinischen Personals, die jähr­liche Grippeimpfung sei „besonders wichtig“. Zum Vergleich: In der Gesamtbe­völke­rung waren 47 Prozent dieser Auffassung.

Mit dem Thema „Ungeimpfte Ärzte“ befasst sich am Montag (12.30 Uhr bis 14 Uhr, Saal 9, Congress Center Rosengarten, Manngheim) auch die Jahrestagung der Deutschen Ge­sellschaft für Innere Medizin. Neben Köneke wird auch RKI-Präsident Lothar Wieler zugegen sein. Debattiert wird unter anderem die Frage, was Ärzte davon abhält, sich impfen zu lassen. Im Zentrum steht aber auch der Aspekt, wie mögliche Lösungen aus­sehen können. © EB/aerzteblatt.de

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