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Medizin

Wie Feinstaub Herz und Blutgefäße schädigt

Freitag, 28. April 2017

beawolf stock.adobe.com

Edinburgh – Feinstaub dringt nach dem Einatmen innerhalb weniger Stunden ins Blut, wo er noch drei Monate später nachweisbar ist. Die Partikel werden von der Leber aufgenommen und sie haben offenbar die Neigung, sich in atherosklerotischen Läsionen anzureichern, wie eine Studie in ACS Nano (2017; doi: : 10.1021/acsnano.6b08551) zeigt.

Feinstaub, der bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen entsteht, kann nicht nur die Lungen schädigen. Epidemiologische Studien haben ergeben, dass eine Fein­staubexposition auch mit einem erhöhen Risiko auf kardiovaskuläre Erkrankungen einher geht. Forscher schätzen sogar, dass 80 Prozent der durch die Luftver­schmutzung verursachten Erkrankungen auf Herz und Gefäße entfallen.

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Mark Miller von der Universität Edinburgh hat jetzt mit Forschern aus den Niederlanden den Weg der Partikel im Körper nachgezeichnet. Da es derzeit nicht möglich ist, Nanopartikel aus der Umwelt im Blut zu messen, verwendeten die Forscher für ihre Experimente feine Nanopartikel aus Gold. Das Edelmetall kommt im menschlichen Körper nicht vor und die Gabe kleiner Mengen ist unschädlich. (Ältere Mediziner werden sich daran erinnern, dass Gold einmal zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt wurde).

In einem Experiment atmeten gesunde Probanden die Nanopartikel mit der Luft ein. Sie waren innerhalb von 15 Minuten bis 24 Stunden im Blut nachweisbar und wurden mit dem Urin wieder ausgeschieden. Die Konzentration war von der Größe abhängig. Kleine Partikel gelangen in größerer Menge ins Blut als größere Partikel. Nach einer ein­maligen Exposition waren die Partikel noch nach drei Monaten im Körper nachweisbar. 

Weitere Untersuchungen an Mäusen zeigten, dass die Nanopartikel sich vor allem im Blut und in der Leber anreichern. Bei „Knockout“-Mäusen, die wegen eines fehlenden ApolipoproteinE-Gens zu einer Atherosklerose neigen, lagerten sich die Partikel bevorzugt in den entzündlichen Gefäßläsionen ab. Dies könnte laut Miller erklären, warum Feinstaub die Entwicklung von koronarer Herzkrankheit und anderen Gefäßerkrankungen fördert.

Abschließend ließen die Forscher Nanopartikel von Patienten einatmen, bei denen wegen einer Karotisstenose eine Endarteriektomie geplant war. Nach der Operation war ein Teil der Partikel in den entfernten atherosklerotischen Läsionen nachweisbar.

Für die British Heart Foundation, ein Sponsor der Studie, belegen die Studienergebnisse erneut, dass Feinstaub eine wichtige Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Die Prävention könnte nicht den einzelnen Bürgern überlassen werden. Es sei Aufgabe der Regierung, in den besonders belasteten Städten für eine bessere Luft zu sorgen, meinte ein Sprecher der Organisation. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #727359
svenne
am Dienstag, 2. Mai 2017, 10:27

Falsches Fenster

Der Kommentar gehört zu diesem Artikel: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Smog%2FFeinstaub?nid=74440
Avatar #727359
svenne
am Dienstag, 2. Mai 2017, 10:24

Heuchlerei

Im Grunde ist die Technik, Dieselmotoren, mit der Zugabe durch Harnstoff "sauber" werden zu lassen bald 45 Jahr alt.
Mal wieder hätte die Politik schon mindestens seit 2001 bzw. 2007, wo Mercedes den ersten Serien-PKW mit Urea angeboten hatte, intervenieren können und es gesetzlich vorschreiben lassen müssen. Aber dem Bürger wird diese "moderne" Technik als was neues verkauft, damit die Industrie jedes Jahr wieder ein Modell rausbringen kann mit vermeintlichen Erneuerungen.
Die Redakteure von ZDF zoom haben in diesem Zusammenhang sehr gut bzgl. der LKWs recherchiert: https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-die-luege-vom-sauberen-lkw-100.html
Es wird Zeit, dass Politiker mal die Regierung besetzen, denen die Gesundheit der Mitmenschen, unserer Kinder sowie unsere Umwelt wirklich am Herzen liegt, und nicht die nächste gesponserte Dienstreise oder die jährliche Angleichung ihrer Diäten an die Inflationsrate.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 30. April 2017, 02:17

Gold ist Gold und Feinstaub ist Feinstaub!

Die Publikation "Inhaled Nanoparticles Accumulate at Sites of Vascular Disease" von Mark R. Miller et al. http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acsnano.6b08551
ist wissenschaftliche Irreführung.

Denn nicht mal im Titel taucht das Wort "Gold-Nanopartikel" auf. Erst im laufenden Text findet sich verschämt versteckt Gold anstatt Feinstaub: "In complementary clinical and experimental studies, we used gold nanoparticles to evaluate particle translocation, permitting detection by high-resolution inductively coupled mass spectrometry and Raman microscopy".

Auch die äußerst vage formulierten "Schlussfolgerungen" sind nicht stringent genug, um von experimentellen Gold- auf exogene Umwelt-Feinstaub-Belastungen schließen zu können: "Translocation of inhaled nanoparticles into the systemic circulation and accumulation at sites of vascular inflammation provides a direct mechanism that can explain the link between environmental nanoparticles and cardiovascular disease and has major implications for risk management in the use of engineered nanomaterials".

Besonders ärgerlich unwissenschaftlich ist die völlig unsystematische Aufarbeitung von Daten: "Gold nanoparticles preferentially accumulated in inflammation-rich vascular lesions of fat-fed apolipoproteinE-deficient mice." Ausgerechnet Fett-betont gefütterte Mäuse, auch noch mit Apolipoprotein-E-Defizienz und Gold-Nanopartikel-Akkumulationen an entzündungsreichen vaskulären Läsionen sollen zum Beweis für die spezifische Umwelt-Feinstaub-Problematik herhalten? Ich glaub, mein ....... pfeift!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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