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Psychosoziale Versorgung: Laien mit Fluchterfahrung helfen Asylbewerbern

Freitag, 28. April 2017

Berlin – Mithilfe von Laienhelfern unter Anleitung einer klinischen Psychologin werden Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung Schweinfurt in Bayern unterstützt, mit den Belastungen ihrer Flucht zurechtzukommen. Betrieben wird das Modellprojekt „Nieder­schwellige psychosoziale Hilfen für Geflüchtete“ von Ärzte ohne Grenzen und der Am­bulanz für seelische Gesundheit am Krankenhaus St. Josef in Schweinfurt.

„Wir glauben, dass dem Bereich der niederschwelligen psychosozialen Hilfe für Asyl­be­werber zu wenig Aufmerksamkeit zukommt und wollen durch das Projekt zeigen, dass den Menschen damit effizient geholfen werden kann“, betonte Stefan Dold, Presse­re­ferent von Ärzte ohne Grenzen, heute in Berlin vor der Presse.

Die drei Laienhelfer, die in Schweinfurt seit März im Einsatz sind, stammen aus Somalia, dem Iran und Syrien. „Die Laienhelfer kommen aus demselben Kulturkreis wie die Flücht­linge und haben selbst Fluchterfahrung“, berichtete Henrike Zellmann, die als klinische Psy­chologin zuvor unter anderem im Flüchtlingslager Domiz im Irak ein psychosoziales Programm für syrische Flüchtlinge geleitet hat. „Wir bilden sie aus im aktiven Zuhören, in psychologischer erster Hilfe und in der Anwendung von Stressbewältigungsprogramm­en.“

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Betroffene Flüchtlinge erhalten ein individuelles Eingangsgespräch von etwa einer Stun­de. Anschließend können sie bei Bedarf an einem Gruppenprogramm teilnehmen, das dreimal jeweils 90 Minuten über einen Zeitraum von drei Wochen stattfindet. „Wenn mehr als Prävention nötig ist, vermitteln wir die Betroffenen in professionelle Strukturen“, sagte Zellmann. Zurzeit sei das vor allem das Krankenhaus St. Josef. „Wir wollen aber dem­nächst Kontakt auch zu niedergelassenen Psychotherapeuten und Psychiatern aufneh­men“, betonte die Psychologin. Die Laienhelfer könnten die Patienten bei Bedarf zum Dolmetschen begleiten.

„Den meisten Flüchtlingen hilft es sehr mit jemandem über ihre Belastungen zu spre­chen“, erklärte Zellmann. Jemand, der ihnen deutlich macht, dass er „völlig normal auf unnormale Umstände reagiert“. Das Ziel des Modellprojekts sei auch, den betroffenen Flüchtlingen Bewältigungsstrategien an die Hand zu geben. Die Psychologin und Ärzte ohne Grenzen wünschen sich, dass das Projekt Schule macht. © PB/aerzteblatt.de

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