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Medizin

Medikamente heilen Hepatitis C nach Nieren­transplantation

Dienstag, 2. Mai 2017

fotoliaxrender stock.adobe.com

Philadelphia – Die neuen direkt antiviralen Agentien (DAA) zur Behandlung der Hepatitis C könnten den Pool von Spenderorganen für die Nierentransplantation erweitern. Dies zeigen erste Ergebnisse einer offenen Studie im New England Journal of Medicine (2017; doi: 10.1056/NEJMc1705221), in der Patienten nach der Transplantation von infizierten Nieren erfolgreich vor einer chronischen Hepatitis C geschützt wurden. 

In den USA werden jedes Jahr mehr als 500 Nieren nicht transplantiert, weil die Spender aktiv mit dem Hepatitis C-Virus infiziert waren. Diese Vorsichtsmaßnahme, die die Empfänger vor einer unter Umständen lebensverkürzenden Infektion schützen soll, könnte durch die Entwicklung der DAA entbehrlich sein, da die neuen Wirkstoffe eine Hepatitis C meistens zur Ausheilung bringen können.

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An der Perelman School of Medicine in Philadelphia wurde deshalb eine Studie begonnen, in der Patienten auf der Warteliste für eine Nierentransplantation eine bevorzugte Zuteilung angeboten wird, wenn sie das Organ eines Hepatitis C-positiven Patienten akzeptieren. Das Team um Peter Reese, Vorsitzender der Ethikkommission des United Network for Organ Sharing (UNOS), das in den USA die Verteilung von Spenderorganen organisiert, informierte die Patienten ausführlich über die Risiken. Den Patienten wurde jedoch gleichzeitig eine Behandlung angeboten, die sie vor einer Infektion schützten sollte.

Die THINKER-Studie sah vor, dass am dritten Tag nach der Nierentransplantation im Blut der Patienten nach Hepatitis C-Viren gesucht wurde. Im Fall einer Infektion sollten sie über 12 Wochen mit einer Kombination der beiden DAA Elbasvir und Grazoprevir behandelt werden. Die beiden Wirkstoffe – ein NS5A-Hemmer und ein NS3/A4-Hemmer – sind auch in Deutschland als fixe Kombination zugelassen. Sie haben in einer Zulassungsstudie bei Infektionen mit dem Genotyp 1 eine Heilungsrate von 94 Prozent, sprich eine Virusfreiheit nach Therapieende, erreicht. Die Teilnahme an der Studie war deshalb für die Organempfänger fast ohne Risiko.

In einer ersten Phase wurden zehn Patienten behandelt. Vorsichtshalber wurden nur Nieren von Spendern verwendet, die mit dem Genotyp 1 der Hepatitis C infiziert waren. Wie Reese berichtet, fielen die Nachweistests auf Hepatitis C-Gene bei allen Patienten nach der Transplantation positiv aus. Die Viruslast reichte von weniger als 15 bis mehr als 193.000 IE pro Milliliter. Neun Empfänger waren mit dem HCV-Genotyp 1a infiziert. Bei keinem der Patienten wurde eine Resistenz der Viren gegen NS5A-Inhibitoren gefunden. 

Bei allen zehn Organempfängern waren zwölf Wochen nach dem Ende der Therapie keine Viren mehr im Blut nachweisbar. Nach den heutigen Kriterien sind sie von der Hepatitis C geheilt. Auch die Nieren scheinen die Infektion unbeschadet überstanden zu haben. Bei zwei Patienten kam es vorübergehend zu einem Anstieg der Transaminasen, was auf eine Infektion der Leber hinweist, die sie jedoch unbeschadet überstanden. 

Die Forscher wollen das Projekt langsam fortsetzen. In einem nächsten Schritt sollen zehn weitere Patienten behandelt werden. Sollten sich die exzellenten Ergebnisse bestätigen, könnte das Programm auf größere Patientengruppen ausgeweitet werden. Reese hofft, dass die Behandlung langfristig einen Beitrag zur Verkürzung der Wartelisten für Nierentransplantationen leisten wird. © rme/aerzteblatt.de

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