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Ärzteschaft

Kurzsichtigkeit durch Smartphones: Bewusstseinsänderung notwendig

Mittwoch, 3. Mai 2017

/ldprod, stock.adobe.com

Rostock – Die Zahl der Kurzsichtigen in Deutschland ist hoch: Einer Studie der Univer­si­tät Mainz zufolge leidet mehr als die Hälfte der Abiturienten und Hochschulabsolventen unter Kurzsichtigkeit (Myopie). „Das wird noch weiter zunehmen“, warnte der Direktor der Augenklinik der Unimedizin Rostock, Anselm Jünemann. Einer der Hauptgründe ist für den Experten die überlange Nutzung von Smartphones bei Kindern und Jugend­lichen und damit einhergehend die viel zu geringe Zeit im Freien und im Tageslicht. Kurzsichtige nehmen entfernte Objekte unscharf wahr.

Die permanente Naharbeit sei für die Myopie verantwortlich, betont Jünemann. Mit den Smartphones als stunden-, ja tage- und nächtelanger Begleiter von Jugendlichen wür­den die Effekte noch deutlich schlimmer. „Wir Augenärzte sollten deutlicher als bisher Po­sition beziehen“, sagt er. Wenn so viele Menschen fehlsichtig sind, habe das Folgen für die Gesellschaft und die Krankheitskosten. In Deutschland hätten aktuell sogar rund fünf Prozent der Bevölkerung einen Wert von mehr als minus sechs Dioptrien, ein bis zwei Prozent wären normal.

Beim permanenten Betrachten von Nahobjekten bekomme das Auge das Signal zu wach­sen.„Das Wachstum ist unumkehrbar“, erklärt der Mediziner. Je höher die Diop­trien­zahl, desto länger ist der Augapfel. „Das ist wie bei einem Luftballon. Je stärker der aufge­bla­sen wird, desto dünner wird er.“ Das führe zu einer schlechteren Durchblutung und zur Degeneration der Netzhaut. Eine neue Volkskrankheit drohe.

Kinder früh aufklären

Die Einschätzung Jüne­manns wird vom Berufsverband der Augenärzte mitgetragen. Aber letztlich seien die Ein­flussmöglichkeiten der Mediziner gering, sagt Verbands­sprecher und nieder­gelassener Augenarzt Georg Eckert. „Eine allmähliche Bewusst­seins­ände­rung muss stattfinden.“

Jünemann ist angesichts der Verbreitung von Smartphones skeptisch und verweist auf die Fettsucht. Auch da seien alle Zusammenhänge bekannt, trotzdem steige die Zahl der Betroffenen unaufhörlich – mit teils schlimmen Folgen. Bei stark Fehlsichtigen komme hin­zu, dass sie von einigen Berufen ausgeschlossen seien. „Möchten Sie gerne mit einem halbblinden Piloten fliegen?“, stellt er die provozierende Frage.

„Die Lufthansa be­obachtet die Entwicklung genau“, sagte Airline-Sprecher Jörg Waber. Potenzielle Sze­na­rien würden geprüft. Erstbewerber müssten eine Sehkraft von 100 Prozent vorweisen. Da­bei sei eine Sehschwäche von plus oder minus drei Dioptrien möglich, die mit Brille oder Kontaktlinse korrigiert werden könne. Die Einschränkung der Berufswahl ist für Jünemann der Hebel, um den Trend zu verän­dern. „Kinder verstehen viel, wenn man es erklärt.“ Es sei völlig ungeklärt, wie sich die Sehfähigkeit bei den heutigen jungen Fehlsichtigen bei anhaltender Fehlbelastung entwickele, hieß es. © dpa/aerzteblatt.de

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