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Medizin

Multiple Sklerose: Akupunktur lindert Fatigue Syndrom

Freitag, 5. Mai 2017

Akkupunkturpunkte auf Puppe /AdobeStock.com euthymia
In Deutschland führen laut Benno Brinkhaus bereits 30.000 bis 40.000 Ärzte Akupunktur durch. / euthymia, stock.adobe.com

Berlin – Rund 97 Prozent der Menschen mit Multipler Sklerose (MS) leiden unter chro­nischer Erschöpfung. Akupunktur, die zusätzlich zur Normalversorgung durchgeführt wird, soll die Fatigue lindern. Zu diesem Ergebnis kommt eine randomisierte nicht verblindete Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Exzellenzclusters Neurocure, die heute erstmals auf dem World Congress Integrative Medicine in Berlin vorgestellt wurde.

Zwei Forschergruppen der Charité haben mit Unterstützung von Wissenschaftlern aus Tianjin, China 83 MS-Patienten mit Fatigue in zwei Gruppen unterteilt und über zwölf Wochen behandelt. Zusätzlich zur herkömmlichen Behandlung erhielten 42 Betroffene 24 Akupunktursitzungen und 41 keine weitere Behandlung. Da es kaum Optionen gegen die Fatigue gibt, hatten die meisten Patienten der Kontrollgruppe keine fatiguespezifi­sche Behandlung erhalten. Nur wenige Patienten nahmen jedoch Medikamente wie Amantadin ein.

Zu Beginn der Behandlung lag der durchschnittliche Wert auf der Fatigue Severity Skala (FSS) bei 5,7 ± 0,8. Bei gesunden Probanden liegen die Werte hingegen niedriger, bei etwa 3,00 ± 1,08. Nach zwölf Wochen Akupunktur wurde ein FSS-Wert von 4,7 (95-Prozent-Konfidenzintervall: 4,4 bis 5,1) gemessen, in der Kontrollgruppe mit der her­kömmlichen Behandlung lag der Wert bei 5,3 (5,0 bis 5,7; p = 0.009). Der Vorher-Nach­her-Vergleich könne in der Akupunkturgruppe auch als klinisch relevanter Unterschied von 0,9 FSS-Punkten interpretiert werden, teilt Claudia Witt, eine der beteiligten For­sche­rinnen, dem Deutschen Ärzteblatt mit.

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In der Interventionsgruppe führten Ärzte eine semi-standardisierte Akupunktur (XNKQ-Akupunktur) aus China durch und verwendeten eine manuelle Stimulation der Nadeln. Dabei werde üblicherweise ein Behandlungskonzept angewendet, das unterschiedliche Konstellationen von Akupunkturpunkten beeinhaltet, erklärt Witt. Von den Kranken­kassen erstattet wird die Akkupunktur bei MS-Patienten mit Fatigue jedoch noch nicht.

„Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung fremdeln noch mit der integrativen Medi­zin und unterstützen die Forschung in diesem Bereich bisher nur punktuell.“ Stefan Willich, Kongresspräsident, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité Berlin

Forschung zu integrativer Medizin nur punktuell finanziell unterstützt

„Die Krankenkassen sind prinzpiell offen für ausgewählte integrative Verfahren, die komplemetäre Methoden mit Schulmedizin kombinieren“, ergänzt Stefan Willich, einer der vier Kongresspräsidenten, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité. Die Akupunktur bei chronischen Schmerzen im Lendenbereich und bei Kniegelenksarthrose sind zwei evidenzbasierte Beispiele, bei denen die Krankenkassen nicht nur erstatten dürfen, sondern müssen, sagt Willich. „Hingegen fremdeln die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung noch mit der integrativen Medizin und unterstützen die Forschung in diesem Bereich bisher nur punktuell.“

In den USA wird diese Forschung mit weit mehr öffentlichen Geldern unterstützt, berich­tet Avis Haramati, Kongresspräsident vom Georgetown University Medical Center in Washington. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es hier eine festgelegte Förderung von mehreren 100 MIllionen Dollar pro Jahr. „In Deutschland geben wir nur einen Bruchteil von etwa fünf bis zehn Prozent für diesen Forschungsbereich aus“, schätzt Benno Brinkhaus, ebenfalls Kongresspräsident und Leiter der Hochschulambulanz für Naturheilkunde am Standort Berlin-Mitte sowie dem Bereich Komplementärmedizin der Charité Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin. © gie/aerzteblatt.de

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EEBO
am Samstag, 6. Mai 2017, 14:09

Das ist derselbe Prof. Brinkhaus,

der hier ernsthaft folgende Aussage trifft: "Ich bin dafür, dass die Homöopathie weiterhin intensiv beforscht wird – mit guten wissenschaftlichen Methoden. In zehn Jahren können wir dann vielleicht klarere Aussagen machen. Auf der Basis der derzeitigen Studienlage sind die nach meiner Meinung nicht möglich und somit unseriös." (Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/26837774 ©2017.)
Kein weiterer Kommentar nötig...
Wiebrecht
am Samstag, 6. Mai 2017, 02:36

Forschungsförderung nötig

Diese Ergebnisse sind sehr ermutigend. Was anhand einer eher kleinen Probandenzahl statistisch signifikant gezeigt werden konnte, sollte in einer größeren Studie überprüft werden. Es ist ein Skandal, dass für derartige nicht-medikamentöse und nebenwirkungsarme Verfahren in Deutschland kaum Forschungsgelder zur Verfügung gestellt werden und sich der Erkenntnisstand auf No-Budget-Studien beschränken muss. Gleichzeitig wird kritisiert, dass Verfahren der Komplementärmedizin nicht ausreichend validiert seien. Da es wohl kaum therapeutische Alternativen gibt, wäre es im Sinne des Patientenwohls geboten, diese Ansätze ohne ideologische Hemmschwellen weiter zu verfolgen.
Ziegenbalg
am Freitag, 5. Mai 2017, 21:56

Zahlen sind kein Kaffeesatz

Diese Studie und die obige Zusammenfassung sind ein Paradebeispiel für schlechte Wissenschaft.

Nicht nur ist die Grundlage der Datenerhebung mit dem ungeeigneten Studiendesign massiv kritikwürdig, auch werden die Ergebnisse offenkundig fehlerhaft und mit einem aus dem Haaren herbeigezogenen P-Wert völlig falsch und überzogen dargestellt.

Fatique ist ein multifaktorielles, auch durch psychische Verstumpfung geprägtes Phänomen, welches alleine durch die intensive Alltagsstrukturierung, den Menschenkontakt und auch die positive Erwartungshaltung im Behandlungsarm erwartungsgemäß gebessert werden kann. Besser hätte man hier ggü. einer Pseudoakupunktur randomisiert.

Der mit diesem Hintergrund unerhebliche gemessene Score-Unterschied zwischen den Gruppen (sh. überschneidende Konfidenzintervalle) ist bei der geringen Fallzahl inkl. großen Konfidenzbreiten unwesentlich. Selbstverständlich sollte keine Krankenkasse auf Grundlage dieser mutmaßlichen Ergebnis-Fälschung irgendwelche derartigen Behandlungen übernehmen.

Ein erstaunter Leser.
mmetzger
am Freitag, 5. Mai 2017, 19:21

Unverständlich

Eine mini-Studie ohne Verblindung und vernünftige Kontrolle-Gruppe... wer sich etwas mit den Grundsätzen der Evidenz- und Wissenschaftsbasierten Medizin auskennt weiß, dass da keine belastbaren Aussagen herauskommen. Traurig wie unkritisch das ÄB wieder mal berichtet. Zurecht sind Geldgeber zurückhaltend solche unseriöse "Forschung" zu fördern. Hoffentlich werden Zukunft noch weniger Forschungsgelder für solche "Projekte" verschwendet!

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