Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Antibiotika könnten Fehlgeburt auslösen

Mittwoch, 3. Mai 2017

/nj_musik/stock.adobe.com

Montreal – Eine Antibiotika-Behandlung in der Frühschwangerschaft erhöht möglicher­weise das Risiko auf eine Fehlgeburt. Betroffen waren in einer Fall-Kontroll-Studie im Canadian Medical Association Journal (2017; doi: 10.1503/cmaj.161020) viele meisten häufig eingesetzte Wirkstoffe mit der Ausnahme von Penicillinen, Cephalosporinen und Nitrofurantoin.

Infektionen in der Schwangerschaft sind nicht ungewöhnlich. Beim Nachweis eines bakteriellen Erregers kann eine Antibiotikatherapie notwendig werden – auch um eine Schädigung der Frucht durch die Infektion zu verhindern. Fehlgeburten zählen zu den möglichen Folgen. Einige Antibiotika können jedoch ebenfalls die Frucht schädigen und eine Fehlgeburt auslösen.

Ein Team um Anick Bérard von der Universität Montreal hat hierzu die Daten der „Quebec Pregnancy Cohort“ ausgewertet. Die Kohorte umfasst alle Schwangerschaften im Einzugsgebiet der staatlichen Gesundheitsversorgung in der kanadischen Provinz Quebec. In den Jahren 1998 bis 2009 wurden 8.702 Fehlgeburten erfasst. Darunter waren 1.428 Fälle (16,4 Prozent), in denen die Frauen während der Schwangerschaft Antibiotika verordnet bekommen hatten. Die Rate war damit höher als bei 87.020 Schwangerschaften, die nicht in einer Fehlgeburt endeten. Dort hatten 1.068 Schwan­gere (12,3 Prozent) Antibiotika erhalten. 

Die Forscher verglichen jede Fehlgeburt mit zehn Kontrollen, die aus der gleichen Kohorte gezogen wurden. Aufgrund der hohen Fallzahl waren Analysen zu einzelnen Substanzgruppen möglich. Die Verordnung von Penicillinen und Cephalosporinen war nicht mit einer erhöhten Rate von Fehlbildungen assoziiert. Dies bestätigt die hohe Sicherheit dieser beiden Antibiotika-Gruppen, die bei Infektionen in der Schwangerschaft Mittel der Wahl sind. 

Als bedenklich gelten dagegen Chinolone, Tetrazykline und Metronidazol, aber auch Sulfonamide, während Makrolid-Antibiotika häufig als sicher eingestuft werden. Bérard ermittelt jedoch auch für die Makrolid-Antibiotika ein erhöhtes Fehlgeburt-Risiko. Für Azithromycin betrug die adjustierte Odds Ratio 1,65. Sie war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,34 bis 2,02 auf der Basis von 110 exponierten Fällen signifikant. Für Clarithromycin lag die adjustierte Odds Ratio sogar bei 2,35 (1,90-2,91, 111 exponierte Fälle). Auch Metronidazol (adjustierte Odds Ratio 1,70; 1,27-2,26; 53 exponierte Fälle) und Sulfonamide (adjustierte Odds Ratio 2,01; 1,36-2,97; 30 exponierte Fälle) gelten als bedenklich. Das bekannte Risiko für Tetrazykline (adjustierte Odds Ratio 2,59; 1,97-3,41; 67 exponierte Fälle) und Chinolone (adjustierte Odds Ratio 2,72; 2,27-3,27; 160 exponierte Fälle) wurde bestätigt. 

Dagegen war Nitrofurantoin nicht mit einem erhöhten Fehlgeburt-Risiko assoziiert. Bérard hält das Antibiotikum deshalb in der Behandlung von Harnwegsinfektionen für eine sichere Alternative zu Trimethoprim-Sulfamethoxazol – wobei allerdings zu bedenken ist, dass Nitrofurantoin die Plazentaschranke passiert und tierexperimentelle Studien laut Fachinformation eine Reproduktionstoxizität ergeben haben.

Fall-Kontroll-Studien sind nur so gut, wie sie mögliche Störfaktoren (Confounder) ausschließen. Die „Quebec Pregnancy Cohort“ erfasst eine Reihe von Patienten­eigenschaften und Risikofaktoren. Es fehlen allerdings Informationen zum Rauchen und zum Alkoholkonsum, zu Körpergewicht, Ernährung und zur Einnahme von Folsäure, die das Risiko auf eine Fehlgeburt ebenfalls beeinflussen können. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

24.05.17
Umweltstandards müssen Teil der Zulassung von Arzneimitteln werden
Freiburg – Umweltstandards müssen weltweit Teil der Zulassung pharmazeutischer Produkte werden. Dies muss insbesondere für Antibiotika und Chemotherapeutika gelten, wie aus einem Antrag des Deutschen......
21.05.17
Antibi­otika-Resistenzen: EMA will Indikationen für Vancomycin einschränken
London - Die europäische Arzneimittel-Agentur EMA möchte den Einsatz des Reserveantibiotikums Vancomycin einschränken. Um die Gefahr einer Resistenzentwicklung zu vermindern, soll die orale Behandlung......
18.05.17
Greenpeace findet multiresistente Keime und Antibiotika in Gülle
Hamburg – Gülle aus Schweineställen trägt nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace großflächig multiresistente Keime und Antibiotika in die Umwelt. Wie die Organisation heute unter......
18.05.17
Bad Bentheim – Beratungsstellen und Gynäkologen sollten ausführlicher über die schwerwiegenden Folgen von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft informieren. Das forderten Experten bei einer Fachtagung......
17.05.17
Unerwünschte Arzneimittel­wirkungen auch von Erwartungen abhängig
London – Patienten, die nicht wissen, dass sie ein Statin einnehmen, zeigen weniger Nebenwirkungen als diejenigen, die sich der Wirkungen und Nebenwirkungen des Medikaments, das sie einnehmen, bewusst......
16.05.17
Kälte schützt vor Schwangerschafts­diabetes
Toronto – Frauen, die während der Schwangerschaft kälteren Außentemperaturen ausgesetzt waren, erkrankten in einer kanadischen Großstadt deutlich seltener an einem Schwangerschaftsdiabetes als in......
15.05.17
Ärzte in Mecklenburg-Vor­pommern verschreiben Kindern weniger Antibiotika
Potsdam/Schwerin – Die Ärzte im Nordosten verschreiben Kindern weniger häufig Antibiotika zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Eine aktuelle Analyse der AOK Nordost ergab einen Rückgang um 31......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige