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Ärzteschaft

„Medizinische Ethik“ stand im Dritten Reich auf dem Lehrplan

Donnerstag, 4. Mai 2017

Berlin – Auch im Nationalsozialismus haben sich faschistisch geprägte Ärzte mit dem Fach „Medizinische Ethik“ befasst und entsprechende Lehrveranstaltungen gehalten. Das zeigt eine Studie von Florian Bruns vom Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité und Tessa Chelouche von der israelischen Universität Haifa, die jetzt in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine erschienen ist (2017; doi: 10.7326/M16-2758). 

Laut Studie wurden im Jahr 1939 an allen medizinischen Fakultäten im Deutschen Reich Pflichtvorlesungen über ärztliche Ethik eingeführt. Als Dozenten wurden Ärzte ausge­wählt, die früh der NSDAP beigetreten waren und daher als ideologisch zuver­lässig gal­ten. Ziel der Vorlesungen war, den angehenden Ärzten die moralischen Grund­sätze na­ti­o­nalsozialistischer Medizin nahezubringen. Dazu gehörte die Annahme, dass Menschen einen ungleichen Wert besäßen und die Gesundheit des Volkskörpers stets wichtiger sei als die des einzelnen Patienten. Auch die Anerkennung der autoritären Rolle des Arztes, die Exklusion fremder Rassen sowie die persönliche Pflicht zur Gesunderhaltung zählten zu den moralischen Imperativen, die in den Vorlesungen vermittelt wurden.

„Unsere Forschungen zeigen, dass auch die ärztliche Ethik letztlich nur den gesell­schaft­lichen Zeitgeist widerspiegelt und ihre humane Ausrichtung nicht selbstver­ständlich ist, sondern stets neu verhandelt und verteidigt werden muss“, sagte Bruns.

Die Charité weist in diesem Zusammenhang auf ihr Projekt „GeDenkOrt.Charité – Wissen­schaft in Verantwortung“ hin. Es umfasst die Gestaltung eines konkreten Ortes des Gedenkens über wissenschaftliche Projekte, die Einrichtung einer Gastprofessur und die thematische Einbindung des Themas in das Curriculum des Modellstudiengangs Medizin bis zu öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten.

„Zur Zeit des Dritten Reiches folgten große Teile der Ärzteschaft und des pflegenden Personals bereitwillig den Paradigmen des herrschenden Regimes. ‚Nicht-arische‘ und politisch missliebige Kollegen wurden geächtet, entlassen und vertrieben. Das Empfin­den für kollektive oder individuelle moralische Verantwortung kollabierte, was zu einer weitgehenden Auflösung ethischer Grundlagen verantwortungsvoller medizinischer Betreuung und Wissenschaft führte“, heißt es auf der Internetseite der Charité zu dem Projekt „GeDenkOrt“. © hil/aerzteblatt.de

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