Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Antibiotika­resistenzen durch mit Medikamenten verseuchte Gewässer in Indien

Donnerstag, 4. Mai 2017

Berlin – Gewässer rund um Pharmafabriken in Indien weisen nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung eine extrem hohe Konzentration an Arzneimittel­rückständen auf – insbesondere an Antibiotika und Antimykotika. In den Proben ließ sich zudem eine Vielzahl multiresistenter Keime analysieren, unter anderen ESBL und Carbapenemasen. Dies teilte der Rechercheverbund heute in Berlin mit. Die Dokumen­tation „Der unsichtbare Feind – Tödliche Supererreger aus Pharmafabriken“ ist am 8. Mai in der ARD zu sehen.

Für die Recherche reiste unter anderem der Infektionsmediziner vom Universitäts­klini­kum Leipzig, Christoph Lübbert, im November 2016 nach Hyderabad, einem bekannten Pharmastandort in Indien. Zurück in Leipzig analysierte er die Wasserproben aus den Gewässern um Hyderabad. „Sie ergaben Konzentrationen an Rückständen von Antibiotika und Pilzmitteln, die teils hundert- oder tausendfach über dem angedachten Grenzwert lagen“, erklärte er. Auch nach Einschätzung von Fritz Sörgel, Direktor des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP), sind die Konzen­trationen an Arzneimittelrückständen in den aus Indien mitgebrachten Proben „im Spitzenbereich“.

Zudem ließen sich in den Gewässern rund um die Pharmafirmen viele multiresistente Keime nachweisen. Diese seien quasi „Bioreaktoren unter freiem Himmel“, da dort Abwässer und Antibiotika zusammentreffen würden, sagte Lübbert. Zusätzlich würde mit diesem Wasser die Nahrungskette bedient – ein fataler Kreislauf. „Viele der Menschen in diesem Vielvölkerstaat tragen die resistenten Keime bereits in sich", so der Arzt. Vor allem Reisende schleppten dann die Erreger in andere Länder ein. Studien zufolge bringen deutlich mehr als 70 Prozent aller Indien-Touristen multiresistente Keime von der Reise mit. „Wenn wir die globale Problematik der Antibiotikaresistenz in den Griff bekommen wollen, müssen wir nach Indien gucken“, meint der Infektiologe.

Auch deutsche Generika-Hersteller beziehen Antibiotika und Pilzmittel beziehungsweise deren Vorstufen aus Indien. Verantwortlich für die Produktionsweise in Indien sehen sie sich jedoch nicht. „Pharmaunternehmen kontrollieren die Qualität ihrer Zulieferer im Ausland mindestens nach den gesetzlichen pharmazeutischen Standards, die für Deutschland gelten. Die Industrie hat jedoch keinen Einfluss auf die von den jeweiligen Ländern gesetzten Umweltstandards, stellte heute Norbert Gerbsch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), klar.

Er appellierte jedoch an Pharmaunternehmen, die Arzneimittelbestandteile aus Asien einkaufen oder dort herstellen lassen, den Bericht zum Anlass zu nehmen, um auf die Einhaltung vereinbarter Umweltrichtlinien stärker einzuwirken. © ER/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

09.11.17
Neu Delhi beschließt Notmaßnahmen gegen akute Luftverschmutzung
Neu Delhi – Im Kampf gegen den Dauer-Smog hat Indiens Hauptstadt Neu Delhi heute drastische Beschränkungen für Privatfahrzeuge angekündigt und Verbote für Lastwagen verhängt. Nachdem große Teile......
25.10.17
Arsen kann nach vier Jahrzehnten Krebs auslösen
Berkeley - In der Stadt Antofagasta im Norden Chiles sterben auch vier Jahrzehnte nach einer vorübergehenden Exposition der Bevölkerung mit Arsen über das Trinkwasser überdurchschnittlich viele......
25.10.17
Umweltverschmutzung verursachte 2015 mindestens neun Millionen Tote
New York – Weltweit kamen 2015 schätzungsweise neun Millionen Menschen durch Umweltverschmutzung zu Tode. Insbesondere Menschen aus Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen waren gefährdet.......
24.10.17
London führt Zusatzgebühr für Autos mit schlechten Abgaswerten ein
London – Fahrer von Autos mit besonders schlechten Abgaswerten müssen in London seit gestern eine Strafabgabe bezahlen. Von der Maßnahme erhofft sich Bürgermeister Sadiq Khan eine Verbesserung der......
17.10.17
Dieselabgase: Ausmaß der Gesundheits­gefährdung laut Bundesregierung unklar
Berlin – Die Bundesregierung kann keine genaueren Angaben dazu machen, wieviele Menschen in Deutschland durch Bestandteile aus Dieselabgaben gesundheitliche Schäden erlitten haben. Auch die......
12.10.17
Mehr als 80.000 Todesfälle durch Luftverschmutzung in Deutschland
Kopenhagen – Die Luftverschmutzung in Europa hat nach Berechnungen der Europäischen Umweltagentur (EEA) im Jahr 2014 zum vorzeitigen Tod von mehr als 520.000 Menschen geführt – mehr als 80.000 davon......
08.09.17
Debatte über blaue Plakette
Stuttgart – Muss es in Deutschland eine blaue Plakette geben, die die Fahrt in Umweltzonen vor allem für ältere Dieselautos untersagt, die als Hauptverursacher für Stickoxide gelten? Darüber ist nun......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige