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Uniklinikum Frankfurt: Teile der Intensivstation weiter gesperrt

Donnerstag, 4. Mai 2017

Frankfurt am Main – Das Frankfurter Universitätsklinikum hat nach Ansicht eines exter­nen Gutachters im Umgang mit einem besonders gefährlichen Krankheitserreger keine Feh­ler gemacht. Dennoch bleiben Teile der Intensivstation von Hessens größtem Kran­kenhaus weiter gesperrt, wie die Klinik heute berichtete.

„Soweit ich das sehen kann, ist hier sehr umfassend und zeitnah agiert worden“, sagte der Direktor der Deutschen Ge­sellschaft für Krankenhaushygiene, Martin Exner. Er war als externer Gutachter hinzuge­zogen worden. Weder habe es Verzögerungen gegeben, noch seien Personalmangel oder Raumnot die Ursache für die Ausbreitung des Keimes. „Die Rahmenbedingungen sind hier sehr gut.“ Hessen gelte ohnehin als „beispielhaft“ im Umgang mit solchen Keimen.

17 der insgesamt 34 Intensivbetten sind derzeit gesperrt. Am Dienstag hieß es noch, sie könnten am Mittwoch wieder genutzt werden. Nun sollen die Räume und die Umgebung aber noch einmal mit einem anderen Desinfektionsmittel gereinigt werden – „um ein ganz hohes Maß an Sicherheit zu haben“, wie Exner sagte.

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Das Bakterium Klebsiella pneumoniae gehört zu den normalen Bewohnern des mensch­li­chen Magen-Darm-Trakts. In anderen Körperregionen kann es jedoch Krankheiten ver­ur­sachen, besonders bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder akuten Infektionen. Der am Frankfurter Uniklinikum bei fünf Patienten nachgewiesene Klebsiella pneumoniae 4-MRGN ist gegen alle vier verfügbaren Medikamente resistent. Drei Patienten sind tot, starben laut Klinikum aber nicht an dem Keim, sondern an ihren schweren Krankheiten. Bei zwei weiteren wurde der Erreger zwar nachgewiesen, sie sind nach Klinikangaben aber nicht erkrankt.

Keine weiteren gefährlichen Keimfälle am Universitätsklinikum Frankfurt

Frankfurt/Main – Am Frankfurter Universitätsklinikum haben sich keine weiteren Patienten mit dem multiresistenten Erreger Klebsiella pneumoniae angesteckt. Das teilte die Pressestelle der Uni-Klinik am Dienstag mit. Am Nachmittag will Hessens größtes Krankenhaus über Maßnahmen im Umgang mit dem Erreger informieren. Der lebensgefährliche Keim war vergangene Woche bei insgesamt fünf Patienten nachgewiesen worden.

Vierfach-resistente Keime sind nach Angaben von Ursel Heudorf vom Gesundheitsamt, der zuständigen Aufsichtsbehörde, in Krankenhäusern gar nicht selten. Allein in Frank­furt seien 2016 rund 260 Fälle gemeldet worden. Dieser Fall sei deswegen besonders, weil der Keim im Haus weitergegeben wurde. „Die Übertragung hat uns schon Sorgen ge­macht.“ Wie das geschehen konnte, ist eine der vielen offenen Fragen. Nach Anga­ben des Direktors der Intensivmedizin, Kai Zacharowski, war der zuerst erkrankte Patient von Anfang an durchgehend in einem Einzelzimmer isoliert worden.

Der Ärztliche Direktor des Uniklinikums, Jürgen Graf, wies Vorwürfe zurück, man sei nicht vorsichtig genug gewesen. Der schwer kranke Patient war Ende März aus einem anderen Krankenhaus verlegt worden. „Weder das zuweisende noch das aufnehmende Krankenhaus konnten zu diesem Zeitpunkt wissen, dass der Patient einen 4-MRGN-Keim hat“, sagte Graf. „Es bleibt die eine oder andere Frage offen“, sagte Exner. Etwa, woher der Mann den Keim hatte. Klären wollen die Experten auch, ob es sich möglicher­weise um eine neue Form des Keims handelt, die auch gegen Desinfektionsmittel unempfind­lich ist. © dpa/aerzteblatt.de

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