NewsMedizinDritter Männergesundheits­bericht stellt Sexualität in den Fokus
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Dritter Männergesundheits­bericht stellt Sexualität in den Fokus

Donnerstag, 4. Mai 2017

Nur einer von zehn Männern mit erektiler Dysfunktion glaubt, dass er deswegen einen Arzt aufsuchen sollte. / AdobeStock.com dmitrimaruta

Berlin – Sexuelle Probleme führen oft zu einer geringeren Lebenserwartung und Partnerschaftsqualität, erhöhter Depressivität und allgemeiner Unzufriedenheit. Der gestern von der Stiftung Männergesundheit veröffentlichte dritte Männergesundheits­bericht „Sexualität von Männern“ zeigt, dass bei Jungen und Männern in vielen Berei­chen Unsicherheiten und Unwissenheit über mögliche Lösungen bestehen.

Männer leben kürzer, was nicht nur genetisch bedingt ist. Das Streben nach Macht, Führung und Verantwortung habe auch einen negativen Einfluss auf die Gesundheit, schreibt Stefan Timmermanns von der University of Applied Sciences Frankfurt im zweiten Kapitel des Berichts. Bei schwulen Jungen und Männern komme ein weiterer Faktor hinzu, ist sich der Sexualpädagoge sicher. Ihre Gesundheit leidet unter der erhöhten Vulnerabilität durch Minoritätenstress. Ebenfalls Einfluss auf die sexuelle Gesundheit von Männern haben sexuelle Funktionsstörungen, sexuell übertragbare Krankheiten und sexuelle Gewalt, heißt es im Bericht.

Anzeige

Unter sexuellen Problemen leiden in der Allgemein­bevölkerung 30 Prozent der Männer, zwölf Prozent davon leiden zusätzlich unter einer psychischen Erkrankung.

Medizinisch unterversorgt

Die häufigsten männlichen Sexual­störungen sind trotz guter Erforschung und Therapiemöglichkeiten die primäre erektile Dysfunktion (ED) und die Ejaculatio praecox (vorzeitiger Samen­erguss). Rund 20 Prozent der 30- bis 70-jährigen Männer sind von der ED betroffen, weitere 20 Prozent von der Ejaculatio praecox. Als behandlungsbedürftig schätzen sich jedoch nur neun Prozent der Männer mit ED ein, berichtet Theodor Klotz, Chefarzt der Klinik für Urologie, Andrologie und Kinderurologie am Klinikum Weiden der Kliniken Nordoberpfalz.

Für die Erektionsstörungen liege zudem eine medizinische Unterversor­gung vor, die bereits bei der Anamnese des Hausarztes beginne. Er gibt zu bedenken, dass das Zustandekommen einer Erektion primär ein vaskulärer „Hochleistungs­vor­gang“ sei, der in Abhängigkeit von einer intakten nervalen und zellulären Kommunikation entstehe. So kommt es, dass nach einer Operation eines Prostatakarzinoms 30 bis 40 Prozent der Männer eine ED aufweisen. Auch bei psychischen Erkrankungen sind sexuelle Störungen aufgrund ihrer hohen Prävalenz von 50 bis 90 Prozent nicht zu vernachlässigen.

Die Empfehlung an die Politik lautet deshalb, die ED im Rahmen von Vorsorgeprogram­men als Symptom aufzunehmen, sodass in einem zweiten Schritt die Ursache dafür gesucht werden könne, fordert der Vorsitzende der Stiftung Männergesundheit Klotz in seiner Stellungnahme. Männliche Sexualstörungen würden immer noch tabuisiert.

Zunehmend selbstbestimmte Sexualität

Der Männergesundheitsbericht schließt die gesamte Lebensspanne, Männer aller Sexualitäten und auch Randbereiche, Wohlbefinden und Krankheit sowie historische Gesichtspunkte ein. Die Analyse der geschichtlichen Entwicklung betrachtet die Zeit von 1933 bis zur männlichen Sexualität im gegenwärtigen Digitalzeitalter. Alle Phasen sind charakterisiert durch die zunehmende selbstbestimmte Sexualität. Diverse Varianten von Beziehungs- und Sexualitätsmodellen sind heute rechtlich möglich, sozial prinzipiell anerkannt und medial sichtbar.

Der Bericht entstand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Sexualwissen­schaft der Hochschule Merseburg. Der Erste Deutsche Männergesundheitsbericht der Stiftung Männergesundheit wurde im Jahr 2010 als Pilotbericht mit einer allgemeinen Übersicht über die gesundheitliche Lage von Männern publiziert. Den Zweiten Deutschen Männergesundheitsbericht mit Fokus auf die „Psychische Gesundheit“ veröffentlichte die Stiftung im Jahr 2013. © gie/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. November 2018
Berlin – Für Menschen, die nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden können, soll künftig für Eintragungen im Personenstandsregister der Eintrag „divers“ möglich
Kritik an Attestpflicht für drittes Geschlecht
21. November 2018
Berlin – Ärzte und Psychologen registrieren mehr Fälle von Kindern und Jugendlichen, die sich fremd in ihrem Körper fühlen und ihr Geburtsgeschlecht ändern wollen. Die Behandlungszahlen hätten sich
Zahl transsexueller Kinder gestiegen
9. November 2018
Birmingham/Alabama – Die Einmalgabe von Zoliflodacin, einem neuen oral verfügbaren Antibiotikum mit einem von Fluorchinolonen abweichenden Wirkungsmechanismus, hat in einer Phase-2-Studie im New
Neues Antibiotikum kuriert unkomplizierte Gonorrhö mit einer Tablette
5. November 2018
Köln – Es geht um Erfahrungen in der Liebe, Sexpraktiken und sexuell übertragbare Krankheiten: Mit einer großangelegten wissenschaftlichen Studie wollen Hamburger Forscher das Thema Gesundheit und
Erste bundesweite Studie zu Sexualität und Gesundheit
18. Oktober 2018
Bremerhaven – Bei hypogonadalen Männern mit Erektionsstörungen kann eine Behandlung mit Testosteron die erektile Funktion verbessern. Das zeigen die 10-Jahresdaten einer Registerstudie, die beim
Hypogonadismus: Testosteron-Injektionen helfen bei Erektionsstörungen
12. Oktober 2018
Berlin – Der Bundestag hat gestern kontrovers über die Reform der Geschlechtseintragung in das Personenstandsregister debattiert. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung will für Menschen ohne
Bundestag debattiert kontrovers über neuen Geschlechtseintrag
19. September 2018
Köln – Im Juli stellte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ihre Kampagne zu sexuell übertragbaren Infektionen (STI) auf der 22. Internationalen Aidskonferenz in Amsterdam vor: Die
LNS
NEWSLETTER