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Medizin

Glutenfreie Kost für gesunde Menschen eher schädlich

Donnerstag, 4. Mai 2017

imaginando - stock.adobe.com

New York – Immer häufiger entscheiden sich Menschen, die nicht an einer Zöliakie leiden, für eine glutenfreie Kost. Die Hoffnung, dass die Vermeidung von Getreidepro­dukten sie vor einer koronaren Herzkrankheit (KHK) schützt, könnte jedoch ein Irrtum sein, wie die Auswertung von zwei prospektiven Beobachtungsstudien im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2017; 357: j1892) zeigt.

Für Menschen mit Zöliakie ist der Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel die einzige Möglichkeit, eine schmerzhafte Entzündung des Darms zu vermeiden, die langfristig zu einer Mangelernährung führt. Die Erkrankung, die durch eine Autoimmunreaktion auf Bestandteile des Klebereiweißes verursacht wird, ist jedoch selten. Betroffen sind weniger als 0,7 Prozent der Bevölkerung.

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Seit einigen Jahren entscheiden sich jedoch immer mehr Menschen für eine glutenfreie Kost, obwohl sie nicht an einer Zöliakie leiden. Einige therapieren eine selbst-diagnos­tizierte „Gluten-Unverträglichkeit“, andere schenken Diät-Ratgebern Glauben, die auch für gesunde Menschen einen gesundheitlichen Vorteil für eine glutenfreie Kost versprechen. Eine beliebte Behauptung ist, dass eine glutenfreie Kost vor einer KHK und einem Herzinfarkt schützt.

Der Gastroenterologe Benjamin Lebwohl, Leiter eines Celiac Disease Center an der Columbia Universität in New York, hat hierzu die Nurses’ Health Study und die Health Professionals Follow-up Study befragt. Die beiden prospektiven Beobachtungsstudien begleiten seit einem Vierteljahrhundert 65.000 Krankenschwestern und 45.000 Männer aus Gesundheitsberufen, die seit 1986 alle vier Jahre ausführliche Ernährungs­fragebögen ausfüllen.

In den 26 Jahren und 2.273.931 Personenjahren der Nachbeobachtung wurde bei 2.431 Frauen und bei 4.098 Männern eine KHK diagnostiziert. Lebwohl unterteilte die Teilnehmer nach ihrem Glutenverzehr in fünf Gruppen und untersuchte dann, ob die Teilnehmer mit dem höchsten Glutenverzehr häufiger erkrankten. Dies war nicht der Fall. Die Inzidenzrate war im unteren Quintil des Gluten-Verzehrs mit 352 pro 100.000 Personenjahre sogar etwas höher als im obersten Quintil, wo es zu 277 KHK-Ereignissen gekommen war. Die Differenz von 75 Erkrankungen war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 51 bis 98 Erkrankungen sogar signifikant. Nach der Berücksichtigung von bekannten KHK-Risikofaktoren ermittelte Lebwohl jedoch eine nicht signifikante Hazard Ratio von 0,95 (0,88-1,02).

Für die Behauptung, dass eine glutenfreie Kost vor einem Herzinfarkt schützt, liefern die Daten der beiden Beobachtungsstudien deshalb keine Evidenz. Im Gegenteil: Der Verzicht auf Vollkornprodukte, der mit einer glutenfreien Kost verbunden ist, könnte sogar schädlich sein. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass Menschen, die häufig Vollkornprodukte verzehren, seltener eine KHK entwickeln. Dies kam auch in einer Analyse von Lebwohl heraus: Eine multivariate Hazard Ratio von 0,85 (0,77-0,93) bedeutet ein um 15 Prozent erhöhtes Risiko auf ein KHK-Ereignis für Menschen, die aus Angst vor Gluten auf Vollkornprodukte in der Ernährung verzichten.

Der Gastroenterologe Lebwohl rät aufgrund der Ergebnisse zu einer vollwertigen Ernährung. Für die Behauptung, dass eine Low-Gluten-Diät die Gesundheit von Menschen fördere, die nicht an einer Zöliakie leiden, hat er in der Analyse der beiden Studien keine Beweise gefunden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #104813
Alternativmed
am Dienstag, 9. Mai 2017, 18:16

Gluten ist nicht gleich Gluten

Unterschiedliche Getreide enthalten unterschiedliche Glutenmoleküle, das des Weizens ist besonders für Glutenunverträglichkeiten bzw. für die Auslösung autoimmuner Reaktionen verantwortlich, zumal der heutige Weizen, wie mein Vordiskutant richtig feststellte, besonders viel Gluten enthält. Auch die epedemieartige Zunahme von Diabetes eischließlich des immer häufiger werdenden späten autoimmunen Diabetes (LADA) könnte durchaus mit dem unmäßigen Konsum moderner hochglutenhaltiger Weizensorten zusammenhängen. Da beim enzymatischen Abbau von Gluten morphine Verbindungen (Gluteomorphine) mit einem nicht zu unterschätzenden Suchtpotential entstehen, die zudem Krankheiten wie Schizophrenie und Autismus triggern können, kann ein Verzicht auf Weizenprodukte durchaus positive gesundheitliche Effekte bewirken. Ein Zusammenwürfeln aller Getreidearten ist Nonsens.
Avatar #106048
Splettstösser
am Montag, 8. Mai 2017, 13:44

So ein Quatsch!

Immer diese einseitigen Betrachtungen von Mega-Beobachtungsstudien, deren Wert hier regelmäßig kontrovers diskutiert wurde.
Der zunehmende Trend, Gluten zu meiden ist eine positive Entwicklung! In den reichen Industrienationen besteht immer noch ein erheblicher Überkonsum an klassischen Weizenprodukten.
Der heutige Weizen hat einen sehr hohen Gluten-Gehalt, anders als der Ur-Weizen unser ursprünglichen Nahrung. Gerade Pat. mit Magen-Darm-Beschwerden (und das sind sehr viele, z.T. sehr junge Menschen), chronischen Schmerzen, Autoimmunerkrankungen profitieren erheblich u.a. von Gluten-freier Kost.
Es gibt wesentlich gesündere Alternativen: Mais, Reis, Wildreis (ist ein Blumensamen), Buchweizen, Hirse, Braunhirse, Amaranth, Johannisbrotkernmehl, Tapioka, Maniok und Quinoa, sodass die Angst vor Mangelerscheinungen hier unbegründet ist.
Avatar #727534
Bollundus
am Sonntag, 7. Mai 2017, 10:59

Zusammensetzung der Studienpopulation

"65.000 Krankenschwestern und 45.000 Männer aus Gesundheitsberufen"

Waren darunter auch Krankenpfleger?

Vielleicht lieber erst nach Geschlecht und dann nach Berufsgruppen differenzieren?
LNS

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