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Politik

Rahmenbedingungen für die Händehygiene verbessern

Donnerstag, 4. Mai 2017

/contrastwerkstatt, stock.adobe.com

Berlin/Frankfurt/Köln – Anlässlich des Internationalen Tages der Händehygiene haben Gesundheitsexperten die hohe Bedeutung von Hygienemaßnahmen für das Gesund­heitssystem unterstrichen. Das Bundesministerium für Gesundheit geht davon aus, dass in Deutschland jährlich etwa 400.000 bis 600.000 Patienten an Infektionen erkranken, die im Zusammenhang mit einer medizinischen Maßnahme stehen. Bis zu 15.000 Men­schen würden sogar daran sterben, obwohl 20 bis 30 Prozent der Infektionen durch die Einhaltung von adäquaten Hygienemaßnahmen zu verhindern wären.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) forderte in diesem Zusammen­hang einen besseren Personalschlüssel in der Pflege. „Der wichtigste und kritischste Übertra­gungsweg von Erregern sind im Gesundheitswesen die Hände der Beschäftig­ten. Eine gute Händehygiene schützt und muss daher hohen Stellenwert erhalten“, forderte DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel.

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Um Patientensicherheit und Versorgungs­qualität zu verbessern, müsse die Pflegepersonalbemessung endlich dem tatsächlichen Pflegebe­darf der Patienten angepasst werden. Die Anwendung von Desinfektionsmitteln allein reiche für eine zuverlässige Händehygiene nicht aus, das Mittel muss laut Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes (RKI) 30 Sekunden einziehen. Diese Zeit würde den Pflegen­den allerdings kaum zur Verfügung gestellt, kritisierte der DBfK.

Thema noch nicht überall angekommen

Eine Umfrage der Techniker-Krankenkasse Hessen bestätigt diese Befürchtung. Dem­nach sind zwar 93 der landesweit 167 Kliniken bei der „Aktion Saubere Hän­de“ des Aktionsbündnisses Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) angemeldet. Doch nur 34 Kliniken haben einen Nachweis erbracht, dass das Projekt tatsächlich in ihrem Haus umgesetzt und gelebt wird. „Obwohl die Effektivität der konsequenten Händedesin­fek­tion eindeutig erwiesen ist, ist die Maßnahme leider noch nicht umfäng­lich in der Pra­xis angekommen", kritisierte Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertre­tung Hessen. Sie appelliert dafür, die Prüfung auf multiresistente Keime bei Risikopatienten gesetzlich zu verankern. „So können Erreger frühzeitig eliminiert oder die Patienten sachgerecht iso­liert werden", erklärt Voß.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) setzt noch früher an und plä­diert generell für mehr Händehygiene im Alltag: „Regelmäßiges und gründliches Hände­waschen mit Wasser und Seife kann die Verbreitung krankmachender Keime verringern“, unterstreicht BzgA-Leiterin Heidrun Thaiss. So könne jeder einen wertvollen Beitrag zum Schutz vor ansteckenden Krankheiten leisten.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat zum Handhygienetag das Angebot für Arzt­praxen erweitert. Neben vorhandenen Offerten wie „Mein PraxisCheck Hygiene“ so­wie Musterdokumenten zum Infektionsschutz gibt es nun ein Video, das Maßnahmen der Händehygiene erläutert. Der vierminütige Film von KV-on zeigt, worauf Ärzte und das Pra­xispersonal bei der Händehygiene achten sollten und wie sie Fehler vermeiden könn­en. Das Spektrum der Maßnahmen reicht vom richtigen Umgang mit Handschuhen über das sorgsame Waschen bis hin zur gewissenhaften Hautpflege.

Maßnahmen der Händehygiene /KV-on

Erst im Februar hatte KBV auf einer Themenseite im Internet Musterdokumente, unter anderem für einen Reinigungs- und Desinfektionsplan, zusammengefasstt. Dort steht auch der „Mein PraxisCheck Hygiene“ bereit. Mit dem kostenfreien Onlinetest können Ärzte und die Praxismitarbeiter in wenigen Minuten überprüfen, wie gut ihr Hygiene­ma­nagement ist.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) ruft jährlich am 5. Mai zu dem Aktionstag auf. Dieses Jahr liegt der Fokus auf dem Kampf gegen Antibiotikaresistenzen. In Deutsch­land wird der Tag zur Händehygiene von der „Aktion Sau­bere Hände“ organisiert. Sie wurde 2008, mit Unterstützung des Bundesgesund­heitsmi­nis­teriums, vom Nationalen Re­ferenzzentrum für Surveillance nosokomialer Infektionen, dem Aktionsbündnis Patienten­sicherheit sowie von der Gesellschaft für Qualitätsma­nage­ment im Gesund­heitswesen ins Leben gerufen. © hil/sb/aerzteblatt.de

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