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Medizin

Einzelpunkt-EEG misst Schmerzen bei Säuglingen

Freitag, 5. Mai 2017

/Brebca stock.adobe.com

Oxford – Die Ableitung einer einzelnen EEG-Elektrode kann offenbar anzeigen, ob ein Säugling unter Schmerzen leidet. Britische Forscher stellen den Test in Science Translational Medicine (2017; 9: eaah6122) vor. Er soll demnächst in einer klinischen Studie zur schmerzlindernden Wirkung von Morphin eingesetzt werden.

Säuglinge können ihre Schmerzen noch nicht sprachlich mitteilen. Schreien und eine Änderung der Mimik sind zwar mögliche Reaktionen, die allerdings sehr unspezifisch sind. Bis in die 1980er Jahre wurde sogar angenommen, dass Säuglinge gar keine Schmerzen empfinden. Diese Ansicht wurde spätestens 2015 in einer Studie der Pädiaterin Rebeccah Slater von der Universität Oxford widerlegt. Die Forscherin konnte damals anhand einer veränderten Aktivität in der Magnetresonanztomographie (MRT) zeigen, dass das Gehirn von Säuglingen auf ähnliche Weise wie das von Erwachsenen auf Schmerzen reagiert. Die Schmerzschwelle war sogar viermal niedriger als bei Erwachsenen.

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Jetzt stellt Slater einen verblüffend einfachen Test vor, mit dem die Schmerzreaktion in der Klinik gemessen werden könnte. Er besteht aus der Ableitung der Elektro­enzephalografie (EEG) vom Schädel, wobei laut Slater nur die Platzierung einer einzelnen Elektrode am Punkt „Cz“ (auf der Scheitellinie genau auf halber Strecke von Nasion und Inion, wie die am meisten nach vorn und hinten hinausragenden Punkte des Schädels auch genannt werden) notwendig ist.

Ein Schmerzreiz führt hier nach 446 bis 611 Millisekunden zu einer Veränderung des EEG-Musters, wie die Forscher in einer Studie an 18 Säuglingen anhand einer Hauptkomponentenanalyse herausgefunden haben. Der EEG-Nachweis bestand einen Validierungstest an 14 weiteren Säuglingen. In einer dritten Studie zeigten auch 12 Frühgeborene im EEG eine spezifische Reaktion auf die Entnahme einer Blutprobe aus der Ferse. 

In einer vierten Studie verglichen die Forscher die EEG-Muster mit den körperlichen Reaktionen der Frühgeborenen. Dabei stellte sich heraus, dass elf von zwölf Säuglingen im EEG eine Schmerzreaktion zeigten, während nur neun Säuglinge bei der Blutentnahme das Gesicht verzogen hatten.

Der Test soll zunächst für klinische Studien eingesetzt werden. In einem ersten Experiment an zwölf weiteren Säuglingen wurde vor einer Venenpunktion ein Lokalanästhetikum (Tetracain 4 Prozent) auf die Haut aufgetragen. Bei elf Säuglingen kam es zu einer Abschwächung des EEG-Musters gegenüber einer Venenpunktion ohne Lokalanästhetikum.

Die Forscherin hat eine weitere klinische Studie begonnen. Sie soll die Wirkung von Morphin zur Schmerzlinderung vor einer geplanten Augenuntersuchung zum Beurteilung einer Retinopathie von Frühgeborenen untersuchen. © rme/aerzteblatt.de

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