NewsPolitikSchilddrüsen-Test: IGeL-Monitor bewertet Selbstzahlerleistung als „tendenziell negativ“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Schilddrüsen-Test: IGeL-Monitor bewertet Selbstzahlerleistung als „tendenziell negativ“

Montag, 8. Mai 2017

Essen – Die Wissenschaftler des IGeL-Monitors raten Menschen ohne Beschwerden da­von ab, einen TSH-Test auf eigene Rechnung durchführen zu lassen. Sie fanden keine Studien, die einen Nutzen untersucht haben, sehen es aber als wahrscheinlich an, dass es in der Folge einer TSH-Bestimmung zu indirekten Schäden kommen kann. Diese Be­wertung gilt für nicht schwangere Erwachsene ohne Beschwerden, die auf eine Schild­drü­senerkrankung zurückgehen könnten. Welchen Nutzen und Schaden die IGeL für Schwangere hat, wurde also nicht untersucht.

„TSH“ steht für „Thyreoidea-stimulierendes Hormon“. Das Hormon wird in der Hypo­physe gebildet und kann im Blut gemessen werden. Hohe TSH-Werte weisen auf eine Schild­drü­senunterfunktion hin, niedrige Werte sind ein Hinweis auf auf eine mögliche Über­funk­tion. Bei Menschen ohne konkrete Beschwerden ist die TSH-Bestimmung eine indivi­duelle Ge­sundheitsleistung und muss aus eigener Tasche bezahlt werden. Sie wird oft zusammen mit einem Ultraschall als „Schilddrüsen-Check“ angeboten. Eine TSH-Mess­ung mit Blut­entnahme kostet laut IGel-Monitor 20 bis 30 Euro.

Für ihre Bewertung suchten die Wissenschaftler des IGeL-Monitors in Datenbanken nach entsprechenden Studien. Die Suche ergab eine aktuelle Übersichtsarbeit: Sie stammt aus dem Jahr 2015 und ist in der Zeitschrift Annals of Internal Medicine erschie­nen (2015; 162: 35–45). Die Autoren der Arbeit fanden jedoch keine Studien, die der Frage nach Nutzen und Schaden des Schilddrüsen-Checks nachgegangen sind. Sein Nutzen bleibt also unklar.

Auf mögliche Schäden des Checks schließen die Autoren des IGeL-Monitors indirekt: Jede Früherkennungsuntersuchung berge die Gefahr, dass Menschen unnötig verunsi­chert und behandelt würden. „Diese Gefahr ist bei der TSH-Bestimmung besonders groß: Da nur ein Bruchteil der Menschen mit auffälligen TSH-Werten später Beschwer­den bekommt, müssten die meisten Menschen die Nebenwirkungen einer Behandlung unnötigerweise in Kauf nehmen“, heißt es in ihrer Einschätzung. Der IGel-Monitor ist ein Angebot des medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS).

Fachgesellschaft stützt Bewertung

Rückendeckung erhält der IGeL-Monitor von der Deutschen Gesellschaft für Endokrino­logie (DGE). Das Angebot einer TSH-Messung als IGeL-Leistung sei aus Sicht der DGE negativ zu bewerten, betonten Dagmar Führer von der Klinik für Endokrinologie am Uni­ver­si­tätsklinikum Essen und Joachim Feldkamp von der Klinik für Allgemeine Innere Me­dizin, Endokrino­logie, Diabetologie, Pneumologie, Infektiologie am Klinikum Bielefeld Mitte auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes.

„Eine TSH-Bestimmung im Rahmen einer IGeL-Leistung halten wir nicht für sinnvoll, da über die Auswirkungen eines TSH-Screening nicht genügend Daten vorlie­gen“, sagte Feldkamp. Lediglich für ältere Patienten über 65 Jahre scheine klar, dass ein vollständig erniedrigter TSH-Wert mit einem höheren Risiko für Herzrhythmus­stö­rungen und Osteo­porose einhergehe. „Interventionsstudien gibt es allerdings auch hier nicht. Leichte TSH-Erhöhungen sind bei Älteren nicht mit einem relevanten Gesund­heitsrisiko verbun­den“, erklärte Feldkamp.

Führer mahnte, eine TSH-Messung sollte grundsätzlich nur erfolgen, wenn dies kli­nisch indiziert sei. Da­zu zählten Patienten mit klinischem Verdacht auf Hyper- oder Hy­po­thyre­ose, Patienten mit Struma oder Schilddrüsenknoten, Frauen mit unerfülltem Kinder­wunsch und Patien­ten mit bekannter Schilddrüsenerkrankung, welche Levothyroxin oder Thyreostatika ein­nehmen.

Darüber hinaus sei eine TSH-Bestimmung vor und im Verlaufe einer Behandlung mit Me­dikamenten, die zu einer potenzieller Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion führen könnten und vor der Gabe jodhaltiger Kontrastmittel indiziert. Führer machte deutlich, dass eine Bestimmung des TSH-Wertes generell bei allen Schwangeren durchzuführen ist. Nicht empfohlen werde diese als Routineuntersuchung bei Kindern, gesunden Männ­ern und Frauen (außerhalb der Schwangerschaft) unabhängig vom Lebensalter. Die DGE verwies auf ihre Choosing-Wisely-Empfehlungen, die neben der TSH-Bestimmung auch weitere wichtige Aussagen zur Hormonanalytik und diagnostische Verfahren beinhalten. © hil/aerzteblatt.de

Themen:
LNS
LNS

Fachgebiet

Kennen Sie unsere Fachgebiet-Newsletter?

  • Dermatologie
  • Diabetologie
  • Gastroenterologie
  • Gynäkologie
  • Infektiologie
  • Kardiologie
  • Neurologie
  • Onkologie
  • Ophthalmologie
  • Pädiatrie
  • Pneumologie
  • Psychiatrie
  • Rheumatologie + Orthopädie
  • Urologie

Stellenangebote

    Weitere...

    Archiv

    NEWSLETTER