Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

USA: Steigende Unterschiede in der Lebenserwartung

Dienstag, 9. Mai 2017

stock.adobe.com

Seattle – Die durchschnittliche Lebenserwartung der US-Amerikaner ist seit Anfang der 1980er-Jahre um mehr als fünf Jahre gestiegen. Doch nicht überall leben die Menschen länger. In 13 Regierungsbezirken haben Neugeborene heute eine geringere Lebens­erwartung als ihre Eltern, berichten Epidemiologen in JAMA Internal Medicine (2017; doi: 10.1001/jamainternmed.2017.0918).

Die USA gehören zu den reichsten Ländern und das Gesundheitswesen ist eines der teuersten weltweit. Der Reichtum ist jedoch extrem unterschiedlich verteilt und mangels einer allgemeinen Versicherungspflicht haben die Menschen nicht überall Anteil am medizinischen Fortschritt. Dies trägt laut Christopher Murray vom Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle zu einer stark unterschiedlichen Lebenserwartung bei. 

Im Oglala Lakota County in South Dakota, wo sich ein Reservat für Indianer befindet, lag die durchschnittliche Lebenserwartung im Jahr 2014 bei 66,8 Jahren, vergleichbar mit Ländern wie Sudan (67,2 Jahre), Indien (66,9 Jahre) und dem Irak (67,7 Jahre).

Im Summit County in Colorado, einem beliebten Skigebiet mit einer zu 92 Prozent weißen Bevölkerung, leben die Menschen heute im Durchschnitt 86,8 Jahre. Dies war 2014 die weltweit höchste Lebenserwartung noch vor Andorra (84,8 Jahre) und Island (83,3 Jahre).

Die krassen Unterschiede in der Lebenserwartung sind nicht allein auf die unterschied­liche medizinische Versorgung zurückzuführen. Murray schätzt den Anteil in einer sogenannten Hauptkomponenten-Analyse auf 27 Prozent. Einen weitaus größeren Einfluss hatten „Verhaltens- und Stoffwechselfaktoren“ mit 74 Prozent sowie sozio­ökonomische und ethnische Faktoren mit 60 Prozent, wobei es zwischen den drei Komponenten Überschneidungen gibt.

In allen Regionen des Landes ist die Kindersterblichkeit seit 1980 gesunken. Auch die Unterschiede zwischen reicheren und ärmeren Regionen sind hier gesunken, was Murray auf staatliche Gesundheitsprogramme zur Betreuung von Kleinkindern zurück­führt. 

Für junge Erwachsene ist das Leben jedoch vielerorts gefährlicher geworden. Murray ermittelte für 11,5 Prozent der Bezirke einen Anstieg des Sterberisikos im Alter zwischen 25 und 45 Jahren. Gewalt und Perspektivlosigkeit (mit dem dadurch ausgelösten ungesunden Lebensstil) könnten dies erklären. Auch in der Altersgruppe zwischen 45 und 85 Jahren haben die Unterscheide im Sterberisiko zugenommen, berichtet Murray. 

Mehr Geld im Gesundheitswesen führt laut Murray nicht automatisch zu einem längeren Leben. Im Jahr 2014 haben die USA im Durchschnitt 9.237 US-Dollar pro Person für die Gesundheitsversorgung ausgegeben. In Australien, wo die Lebenserwartung mit 82,3 Jahren höher war als in den USA, waren es nur 4.032 US-Dollar pro Person. Und in Japan, wo Menschen im Durchschnitt 83,1 Jahre leben, betrugen die Pro-Kopf-Aus­gaben für das Gesundheitswesen nur 3.816 US-Dollar. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

04.12.17
Apothekenkette CVS will US-Kranken­versicherer Aetna schlucken
Woodsocket/Hartford – Die Drogerie- und Apothekenkette CVS will den Krankenversicherer Aetna für rund 69 Milliarden Dollar (58 Milliarden Euro) übernehmen. Eine entsprechende Einigung gaben die......
27.11.17
Tabakkonzerne in den USA starten Werbekampagne gegen das Rauchen
Washington – In den USA haben die Tabakkonzerne ihre von der Justiz angeordnete Werbekampagne gegen das Rauchen gestartet. „Rauchen tötet im Schnitt 1.200 Amerikaner – täglich“, heißt es in den sehr......
17.11.17
Opiatentzug: Naltrexon und Buprenorphin in Studie gleich gut wirksam
New York – Die Opioidkrise, die von der US-Regierung jetzt zu einem nationalen Notstand erklärt wurde, wird die Behandlung Hunderttausender Abhängiger erforderlich machen. Das National Institute on......
13.11.17
Pharmamanager soll neuer Ge­sund­heits­mi­nis­ter in den USA werden
Washington – US-Präsident Donald Trump hat den 50-jährigen Alex Azar als neuen Ge­sund­heits­mi­nis­ter der USA vorgeschlagen. Azar war unter George W. Bush bereits von 2005 bis 2007 stellvertretender......
10.11.17
USA verbieten alle Fentanyl-ähnlichen Medikamente
Washington – Als Reaktion auf die Schmerzmittelabhängigkeit von Millionen US-Bürgern hat das Justizministerium in Washington ein Verbot aller mit dem Mittel Fentanyl verwandten Medikamente......
09.11.17
Kalifornien schränkt Pestizideinsatz nahe Schulen ein
Sacramento – Im US-Staat Kalifornien wird der Einsatz von Pestiziden in der Nähe von öffentlichen Schulen und Kindergärten eingeschränkt. Wie die zuständige Umweltbehörde in der Landeshauptstadt......
27.10.17
Trump verhängt wegen Opioidepidemie Gesundheitsnotstand
Washington – US-Präsident Donald Trump hat angesichts eines massenhaften Missbrauchs von Heroin und anderen Opioiden in den Vereinigten Staaten einen nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Es......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige