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HIV-Test für zu Hause: Bundesgesundheits­ministerium prüft Zulassung

Dienstag, 9. Mai 2017

Herkömmliches HIV-Schnelltest-Set
Herkömmliches HIV-Schnelltest-Set /Capethistle, stock.adobe.com

Berlin – In Deutschland könnten schon bald HIV-Tests für zu Hause legal sein. In Europa seien seit kurzer Zeit erstmals Schnelltests erhältlich, die wesentlich genauer und einfa­cher zu handhaben seien als frühere Tests, sagte Susanne Wackers, Referentin beim Bun­desgesundheitsministerium (BMG). Aktuell prüfe das BMG, ob dies zu einer Ände­rung der bisherigen Bewertung führen könne. Bislang dürfen HIV-Schnelltests in Deut­sch­land nur an Ärzte, medizinische Laboratorien und Einrichtungen wie Behörden ver­kauft wer­den. In Großbritannien und Frankreich sind sie auch für den Hausgebrauch legal.

Die Deutsche Aids-Hilfe hofft noch in diesem Jahr auf eine Zulassung für die Abgabe in deutschen Apotheken und ausgewiesenen HIV-Beratungsstellen. „Wir können mit diesem Test Menschen erreichen, die aus Scham oder Angst bisher den Weg zum Arzt oder zu einer Teststelle scheuen“, sagte Holger Wicht, Sprecher der Deutschen Aids-Hilfe in Ber­lin.

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Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, die Aids-Epidemie bis 2030 zu been­den. Die Aids-Hilfe will dieses Ziel für Deutschland früher erreichen. An diesem Freitag will sie eine neue Kampagne starten, die für möglichst frühe HIV-Tests wirbt. Ziel ist es, dass vom Jahr 2020 an in Deutschland niemand mehr an Aids erkrankt.

Viele Erkrankungen unentdeckt

Nach den jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) für 2015 wurde bei rund 3.900 Menschen in Deutschland erstmals HIV diagnostiziert. Bei rund 1.200 von ihnen liegt die Ansteckung allerdings viele Jahre zurück – dementsprechend fortgeschritten ist die Er­krankung des Immunsystems. Nach RKI-Schätzungen leben 12.600 Menschen unwiss­ent­lich mit dem HI-Virus. Die Mehrzahl von ihnen sind schwule Männer. Das HI-Virus trifft aber nach wie vor auch bi- und heterosexuelle Männer und Frauen.

„Oft ohne es zu wissen, können sie HIV an Sexpartner weitergeben“, sagt Wicht. „Sie bringen sich aber vor allem selbst um gute Behandlungschancen.“ Denn eine HIV-In­fek­tion lässt sich heute wie eine chronische Krankheit behandeln. Die durch HIV verursach­te Immunschwäche Aids aber kann immer noch tödlich enden.

„Viele Menschen gehen selbst bei eigenen Gedanken an eine HIV-Infektion nicht zum Arzt“, berichtet Wicht. „Und auch viele Hausärzte haben HIV bei Symptomen wie massi­vem Gewichtsverlust oder bestimmten Lungenentzündungen oft nicht als mögliche Ursache auf dem Schirm.“ Ein Arzt muss für einen HIV-Test rechtlich die Erlaubnis eines Patienten haben, wenn er zum Beispiel Blutwerte checken will. „Ärzte sind da aber meist zu wenig offensiv“, sagte Wicht. Viele scheuten die Frage nach HIV, weil sie ihren Patien­ten nichts unterstellen wollten.

Diese Lücke soll der Selbsttest schließen. Die Aids-Hilfe stand ihm anfangs skeptisch ge­genüber, weil die ersten Modelle für Laien schwer anzuwenden waren – und die Ergeb­nisse wenig zuverlässig. Inzwischen funktionieren die Tests, die bereits seit 2015 in Groß­britannien und seit 2016 in Frankreich in Apotheken für rund 25 Euro verkauft wer­den, wie ein Blutzucker-Check bei Diabetikern. Nach einem kleinen Pieks in den Finger wird der Blutstropfen auf ein Stäbchen aufgetragen. Nach kurzer Zeit zeigt sich das Ergebnis in Linienform. Bei zwei Linien liegt eine HIV-Infektion vor.

„In Frankreich sind 2016 bereits rund 145.000 Stück verkauft worden“, berichtet Michael Tappe von der Aids-Hilfe. Studien aus Australien, wo es den Selbsttest schon mehrere Jahre zu kaufen gebe, zeigten Erfolge. „Den haben viele Menschen gekauft, die sonst nicht zum Arzt gegangen wären“, ergänzt Tappe. Auch die Bundeszentrale für gesund­heitliche Aufklärung (BZgA) beobachte die Entwicklungen in Großbritannien und Frank­reich mit Interesse, sagte Sprecherin Marita Völker-Albert. Die Behörde sei in die Neu­be­wertung des Tests beim Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium mit eingebunden.

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist seit rund zehn Jahren weitgehend sta­bil. Sie nimmt aber nicht ab. 84.700 Menschen leben in Deutschland nach RKI-Schätzun­gen mit HIV. Seit 20 Jahren ist die Diagnose kein Todesurteil mehr. Medika­mente verhin­dern, dass Aids ausbricht. © dpa/aerzteblatt.de

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