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Medizin

Cannabis: „Low-Dose“-THC hält Altern des Gedächtnisses (bei Mäusen) auf

Dienstag, 9. Mai 2017

M.Doerr & M.Frommherz GbR stock.adobe.com

Bonn – Die Behandlung mit Tetrahydrocannabinol (THC) in einer niedrigen Dosierung, die keine Rauschwirkung erzielt, hat in Experimenten an Mäusen die Alterungsvorgänge im Hippocampus aufgehalten und das Gedächtnis der Tiere „verjüngt“, was die Forscher in Nature Medicine (2017; doi: 10.1038/nm.4311) auf epigenetische Einflüsse des CB1-Agonisten zurückführen. Bei jüngeren Tieren hatte die Behandlung eher eine gegen­teilige Wirkung.

Seit der Entdeckung der Cannabinoid-Rezeptors CB1 und CB2 und seiner endogenen Liganden wird über die Aufgaben im Gehirn gerätselt. Der Nachweis von CB1-Rezeptoren im Hippocampus deutet darauf hin, dass die endogenen oder therapeutisch oder zum Drogenkonsum zugeführten CB1-Agonisten eine Wirkung auf das Gedächtnis haben.

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Andreas Zimmer vom Institut für Molekulare Psychiatrie der Universität Bonn vermutet schon seit längerem, dass die Cannabinoide das Altern der Gedächtnisstrukturen beeinflussen. Zu den merkwürdigen Phänomenen gehört, dass genmodifizierte Mäuse, denen die CB1-Rezeptoren fehlen, im jungen Alter ein besseres Gedächtnis haben, dass dieses aber im Alter deutlich schneller nachlässt als bei normalen Mäusen.

In ihren aktuellen Experimenten haben die Bonner Forscher Mäusen (mit CB1-Rezeptoren) eine Medikamentenpumpe implantiert, die dem Gehirn der Tiere beständig eine niedrige THC-Dosis verabreichte. Dies verhinderte nicht nur, dass das Gedächtnis mit dem Alter nachließ. Alte Tiere konnten sogar in den Zustand von zwei Monate jungen Mäusen zurückversetzt werden, berichten die Forscher. Bei jungen Mäusen verschlechterten sich dagegen die Ergebnisse im Morris-Wasserlabyrinth, in dem sich die Tiere die Position einer unsichtbaren Plattform in einem Wasserbecken merken müssen.

Die spätere Untersuchung der Gehirne zeigte, dass die niedrig dosierte THC-Behandlung die Synapsendichte im Gehirn von älteren (nicht aber jüngeren) Tieren erhöhte, was die Forscher auf die vermehrte Bildung einer Reihe von Genen zurückführen. Auch hier scheint es so, als würde THC bei den älteren Tieren die Genexpressionsmuster jüngerer Tiere wieder herstellen.

THC könnte dies durch eine Wirkung auf Histone erzielen, die im Zellkern Gene „verpacken“ und damit beeinflussen, welche Gene abgelesen werden können und welche nicht. Ein sogenannter Histon-Acetyltransferase-Hemmer, der die Aktivierung der Gene stoppt, hat denn auch eine verjüngende Wirkung von THC auf das Gedächtnis älterer Mäuse verhindert. 

Die Forscher wollen im nächsten Schritt in einer klinischen Studie untersuchen, ob THC auch beim Menschen Alterungsprozesse des Gehirns umkehren und die kognitive Leistungsfähigkeit wieder steigern kann. Ein Erfolg ist keineswegs garantiert. Vor einigen Jahren wurde vermutet, dass THC den Untergang von Hirnzellen bei der Multiplen Sklerose verhindern kann. Eine daraufhin durchgeführte klinische Studie (CUPID) mit 498 Teilnehmern konnte diese Vermutung jedoch nicht bestätigen. Der hochdosierte Konsum von Cannabis ist in Studien mit kognitiven Störungen in Verbindung gebracht worden. © rme/aerzteblatt.de

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