NewsPolitikDrogenkonsumräume bleiben in Bayern tabu, Modellprojekt mit Naloxon
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Drogenkonsumräume bleiben in Bayern tabu, Modellprojekt mit Naloxon

Mittwoch, 10. Mai 2017

München – Trotz der hohen Zahl von Drogentoten in Bayern lehnt die Staatsregierung die Einrichtung von Drogenkonsumräumen weiter ab. „Bisher hat noch niemand seriös einen Nachweis führen können, dass Drogenkonsumräume die Zahl von Drogentodes­fällen senken“, sagte Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) heute im Landtag.

Nach dem jüngsten Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung gab es 2016 in Bayern mit 321 Opfern deutschlandweit die meisten Drogentoten. Die Landtagsfrakti­onen von SPD und Grünen nahmen das zum Anlass für Kritik an der Drogenpolitik der Staatsregierung. Sie bekräftigen erneut ihre Forderung nach Räumen, in denen Abhän­gige kontrolliert Drogen nehmen können und dafür zum Beispiel saubere Spritzen be­kommen. „Das mittlerweile über 30 Jahre alte Konzept der Drogenkonsumräume hat sich weltweit nicht durchgesetzt“, entgegnete Huml.

Sinnvoll sei es hingegen, Rechtsunsicherheiten von Ärzten zu beseitigen, die Drogenab­hängigen Ersatzmittel für harte Drogen verschreiben. Einer entsprechenden Änderung der Rechtsgrundlage werde der Bundesrat am Freitag zustimmen. „Ich gehe davon aus, dass dann wesentlich mehr Ärzte als bisher bereit sein werden, diese Behandlung anzu­bieten und sich so die manchmal kritische Versorgungssituation in Bayern mittelfristig verbessert“, sagte Huml.

Die SPD im Landtag erklärte heute, sie habe mit einem neuen Modellprojekt zumindest einen Teilerfolg im Kampf gegen die Drogentoten erzielt. Demnach hat der Bayerische Landtag in seiner heutigen Plenardebatte mit der CSU-Mehrheit einem Modellprojekt zu­gestimmt, in dem der Wirkstoff Naloxon durch geschulte medizinische Laien verabreicht werden kann.

Naloxon kann zur Verhinderung von akuten Drogentodesfällen eingesetzt werden. Es wirkt als Gegengift bei einer Überdosis Heroin. „Das Modellprojekt ist der ers­te Schritt in die richtige Richtung“, erklärte die Vorsitzende des Gesundheitsaus­schus­ses Kathrin Sonnenholzner (SPD). Sie hoffe, dass es nicht nur bei dem Modellprojekt bleibe. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

woewe
am Donnerstag, 11. Mai 2017, 00:13

menschenverachtende Drogenpolitik der CSU

Wie es zu erwarten war, denn Frau Bierordensträgerin Huml und ihre mitregierenden Politiker haben aus den Vorjahren NICHTS gelernt, absolut NICHTS - das ist so traurig, so MENSCHENVERACHTEND - obwohl Analysen der Drogenberichte der letzten Jahre bewiesen(!!!), dass die Drogenpolitik, die Prohibition selbst u.a. mit der Verweigerung der Fixerräume die URSACHE für die vielen Drogentoten ist, die jährliche Analyse der "Rauschgift"-Reports von Hans Cousto in seinem Drogerieblog, oder der ebenfalls seit einigen Jahren erscheinende Alternative Drogen- und Suchtreport.

Dabei braucht die SPD gar nicht so laut zu tönen, denn ihr Genosse Gall ging als Innenminister von BaWü ebenfalls so forsch vor und verbat sich sogar jegliche Diskussion zur Liberalisierung, denn "das setzte falsche Signale" :-(

Nachrichten zum Thema

17. August 2018
Washington – In den USA ist die Zahl der Drogentoten durch Überdosis im vergangenen Jahr um beinahe sieben Prozent gestiegen. Wie die US-Gesundheitsbehörde CDC mitteilte, starben 2017 71.568 Menschen
Zahl der Drogentoten in den USA gestiegen
16. August 2018
London – Sogenannte Nahtoderfahrungen, über die gelegentlich Patienten nach erfolgreicher Reanimation eines Herzstillstands berichten, wurden in einer randomisierten Studie in Frontiers in Psychology
Halluzinogen erzeugt Nahtoderfahrungen
8. August 2018
Ursberg – Die Staatsregierung in Bayern will Menschen mit Behinderung das Leben, Wohnen und Arbeiten erleichtern. Bei seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause im schwäbischen Ursberg beschloss das
Bayerns Kabinett beschließt weitere Unterstützung für Behinderte
7. August 2018
München – In Bayern sind zwar viele Mütter grundsätzlich mit der Qualität der Hebammenbetreuung zufrieden. Dennoch gibt es erhebliche Probleme, wie eine aktuelle IGES-Studie zur Hebammenversorgung im
Hebammenversorgung: Studie zeigt Defizite in Bayern auf
3. August 2018
München – In Bayern ist die Zahl der Masernfälle deutlich angestiegen. Aus Urlaubsländern wie Frankreich, Griechenland und Italien werden ebenfalls vermehrt Masernfälle gemeldet. Vor diesem
Masern in Bayern auf dem Vormarsch
31. Juli 2018
München – Für Menschen in psychischen Notlagen wird in den kommenden drei Jahren ein bayernweiter Krisendienst aufgebaut. Kern ist eine zentrale Telefonnummer, bei der sich Betroffene und deren
Krisendienst für psychische Notlagen wird in Bayern aufgebaut
25. Juli 2018
München – Per Volksbegehren will ein Bündnis aus Politikern, Pflegern, Juristen und Ärzten gegen den Pflegenotstand in Bayerns Krankenhäusern vorgehen. Von Donnerstag an sollen landesweit

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER