Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

NSAID: Herzinfarktrisiko nimmt schon in der ersten Woche der Einnahme zu

Donnerstag, 11. Mai 2017

Hollaweila stock.adobe.com

Montreal – Patienten, die wegen entzündlicher Erkrankungen mit einem nichtsteroidalen Antiphlogistikum (NSAID) behandelt werden, haben bereits in der ersten Woche ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Die Gefahr, die bezogen auf das Grundrisiko bei den meisten Patienten sehr gering sein dürfte, bestand laut der Publikation im britischen Ärzteblatt (BMJ 2017;357:j1909) für alle Substanzen ein­schließlich Naproxen.

Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass die Einnahme von NSAID das Risiko auf einen akuten Myokardinfarkt erhöht. Betroffen sind keineswegs nur die COX-2-Hemmer, dessen Vertreter Rofecoxib wegen dieses Risikos im September 2004 vom Markt genommen wurde. Auch Naproxen, das von allen NSAID den Typ 2 der Cyclooxygenase (COX-2) am schwächsten hemmt, ist betroffen. Die meisten Experten sind sich auch darin einig, dass nicht alle COX-2-Hemmer gleich stark betroffen sind.

Michèle Bally vom Forschungszentrum CRCHUM der Universitätsklinik Montreal und Mitarbeiter legen jetzt erneut vergleichende Zahlen vor. Sie beruhen auf den Daten von 61.460 Patienten, die mit den unspezifischen NSAID Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen oder den COX-2-Hemmern Celecoxib und Rofecoxib behandelt wurden. Für alle Substanzen wurden Odds Ratios von 1,20 bis 1,50 gefunden, was einen Anstieg um 20 bis 50 Prozent bedeutet, der allerdings auf das Ausgangsrisiko bezogen werden muss, das bei den meisten Menschen bei unter 1 Prozent liegt. Bei einer Odds Ratio von 1,50 liegt das absolute Risiko weiterhin bei weniger als 1,50 Prozent, was für die meisten Menschen ein vertretbares Risiko sein dürfte. 

Laut Bally sollten die Ärzte ihre Patienten dennoch darüber aufklären und im Einzelfall (etwa bei einem deutlich erhöhten Ausgangsrisiko) dürfte das Risiko die Therapie­entscheidung beeinflussen. Die Studie fand jedoch keinen Hinweis dafür, dass Naproxen, wie lange angenommen, frei von einem Risiko ist. 

Neu ist die Erkenntnis, dass das Risiko bereits in der ersten Woche der Anwendung ansteigt, so dass auch eine kurzfristige Verordnung nicht als unbedenklich eingestuft werden kann. Die Odds Ratios für einen Herzinfarkt in der ersten Woche betrugen für Celecoxib 1,24 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,91 bis 1,82), für Ibuprofen 1,48 (1,00-2,26) für Diclofenac 1,50 (1,06-2,04) für Naproxen 1,53 (1,07-2,33) und für Rofecoxib 1,58 (1,07-2,17). Das Risiko steigt mit der Dauer der Anwendung und der Dosis und war auch im ersten Monat nach dem Absetzen noch nachweisbar. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

04.07.17
Rückenschmerzen: Radio­frequenz-Neurotomie in Studie ohne Vorteile
Amsterdam - Die Radiofrequenz-Neurotomie, eine auch in Deutschland zunehmend populäre Behandlung von Kreuzschmerzen, hat sich in drei pragmatischen Studien in den Niederlanden als nicht oder kaum......
23.06.17
Schmerzmediziner wollen spezialisierte ambulante Schmerzversorgung
Berlin – In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) muss eine spezialisierte ambulanten Schmerzversorgung (SASV) verankert werden. Diese Forderung hat Joachim Nadstawek, Vorsitzender des......
14.06.17
Stockholm – Bei der Entwicklung von chronischen Schmerzen könnte die Umwandlung von sensiblen Nervenfasern in schmerzleitende Neurone eine wichtige Rolle spielen. Dies berichten Wissenschaftler um......
13.06.17
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den Hersteller Endo Pharmaceuticals unmissverständlich aufgefordert, das Präparat Opana ER vom Markt zu nehmen. Das Schmerzmittel mit dem......
13.06.17
Stuttgart – Hersteller von Schmerzmitteln dürfen nicht damit werben, dass zusätzlich beigefügtes Vitamin C das Immunsystem unterstütze. Mit solch einer Werbung weise der beklagte Hersteller eines......
09.06.17
Stuttgart – Rezeptfreie Schmerzmittel erfreuen sich großer Beliebtheit. Das ist das Ergebnis einer von der AOK Baden-Württemberg in Auftrag gegebene repräsentative Forsa-Umfrage. Danach greifen 21......
06.06.17
Fachgesellschaft fordert Schmerzindikator analog zum Hygienemangement
Berlin – Für chronische Schmerzpatienten stellt die Verlegung aus der Klinik in ein Pflegeheim, aber auch umgekehrt ein Risiko dar. Aufgrund mangelnden Informationsaustausches könnte die Versorgung......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige