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Krankenbett auf der Straße: Aktionstag für mehr Pflegepersonal

Freitag, 12. Mai 2017

Tag der Pflege: Demonstranten vor dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium in Berlin
Tag der Pflege: Demonstranten vor dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium in Berlin /dpa

Greifswald – Pflegekräfte aus Krankenhäusern und Altenheimen klagen über Personal­mangel und schlechte Arbeitsbedingungen. Am Tag der Pflege fordern sie bundesweit mehr Stellen und mehr Geld.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Nord hatte zum Beispiel in Städten entlang der Ostseeküste zu einem Aktionstag für mehr Personal in Krankenhäusern und in der Al­tenpflege aufgerufen. Verdi wolle den dramatischen Personalmangel und die extreme Arbeitsbelastung für die Pflegebeschäftigten nicht länger akzeptieren, erklärte der Ge­werkschaftssekretär Steffen Kühhirt. „Die Arbeit in der Pflege darf nicht krank machen“, forderte er.

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Zu wenig Zeit für die Patienten

Beschäftigte der Universitätsmedizin Greifswald schoben in ihrer Mittagspause ein Kran­kenhausbett mit einer Patientenpuppe auf die Straße und hefteten Zettel mit ihren For­de­rungen daran. Wie eine Verdi-Sprecherin sagte, beklagen die Mitarbeiter vor allem, zu wenig Zeit für die Patienten zu haben. Zudem gehe die Arbeit vielfach über ihre körperli­chen Kräfte. In Rostock demonstrierten Pflegemitarbeiter in einem kleinen Straßenthea­ter die unterschiedlichen Personalschlüssel in ihrer Branche in Europa. Während in Deut­schland eine Pflegekraft auf 10,5 Patienten komme, seien es in den Niederlanden 5, in Norwegen 3,8 Patienten. Weitere Demonstrationen und Kund­gebungen gab es in Stralsund, Wolgast und Wismar.

Bundesweit fehlen nach Gewerkschaftsangaben an deutschen Krankenhäusern rund 162.000 Stellen, davon 70.000 in der Pflege. Deshalb fordert Verdi von der Bundesre­gierung eine Regelung für eine gesetzliche Personalbemessung sowie ein Sofortpro­gramm für 20.000 Stellen. Vergütung und Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen müssten deutlich verbessert werden, um genügend gut ausgebildete Fachkräfte zu be­kommen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte die zügige Umsetzung der Schulgeldfreiheit in der Altenpflegeausbildung. „Der im Landespflegeausschuss gefasste Beschluss über die Abschaffung des Schulgeldes in der Altenpflegeausbildung bleibt ohne Zeitangabe und dadurch unverbindlich“, sagte der Verbandsvorsitzende Friedrich Wilhelm Bluschke. In neun Bundesländern sei die Altenpflegeausbildung bereits kostenlos. In Mecklenburg-Vorpommern zahlen die Auszubildenden monatlich 150 Euro Schulgeld. Die Schulgeld­frei­heit wäre eine Maßnahme gegen den Fachkräftemangel sowie eine Aufwertung des Altenpflegeberufs.

In Bayern fehlen pro Nacht knapp 3.000 Pflegekräfte

Auch Pflegekräfte in Bayerns Kliniken stoßen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi in den Nachtschichten an ihre Belastungsgrenze. Laut Hochrechnungen der Gewerkschaft fehlen in Krankenhäusern Nacht für Nacht etwa 2.850 Pfleger. „Personelle Unterbeset­zung und Arbeitsüberlastung im Pflegedienst gefährden nicht nur die Gesundheit der Pflegekräfte, sondern sie stellen auch längst eine Gefährdung der Patienten dar“, be­tonte der Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Soziales in Bayern, Robert Hinke. Insgesamt würden 21.000 zusätzliche Krankenhausmitarbeiter im Tages- und Nacht­dienst benötigt.

Verdi fordert zum Tag der Pflege am 12. Mai bundesweite Mindeststandards, um der Per­sonalnot in den Kliniken zu begegnen. Die bisherigen Pläne der Bundesregierung zu ver­bindlichen Untergrenzen gingen nicht weit genug. „Gehandelt werden muss sofort“, kriti­sierte Hinke in einer Mitteilung. Von 2019 an soll das geplante Gesetz die „pflege­sen­siti­ven Bereiche“ reglementieren. Bei einer Kundgebung in Augsburg wollen Beschäf­tigte hetue auf den Notstand aufmerksam machen. Weitere Aktionen kündigte die Gewerk­schaft für Juni an. © dpa/aerzteblatt.de

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