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Medizin

Harninkontinenz: Suburethraler Bänder und künstliche Schließmuskel statt Nadelsuspension

Freitag, 12. Mai 2017

Inkontinenz, Blasenschwäche Toilette WC /vchalup AdobeStock.com
/vchalup, stock.adobe.com

Berlin – Noch vor wenigen Jahren wurde bei einer Harninkontinenz aufwendig operiert, wenn konservative Behandlungen nicht mehr ausreichten. Um die Belastungs­inkontinenz zu beheben, kann bei Frauen etwa der Blasenhals durch eine Schnitt­operation verlagert werden. Andere Möglichkeiten sind die Nadelsuspension oder eine Pubovaginalschlinge aus körpereigenem Gewebe. Heute stehen meist minimalinvasive Eingriffe als Alter­native zur Auswahl. Die Grundlagen dieser Therapie wurden bereits vor 25 Jahren in der Integraltheorie nach Petros beschrieben – der Wiederherstellung der Blasenfunktion durch die Rekonstruktion des lockeren Halteapparates.

Zahlen und Fakten zur Inkontinenz

Eine von drei Frauen hat in ihrem Leben das Risiko an einer Belastungsinkontinenz zu erkranken. Eine von neun Frauen erkrankt an einer Senkung ihres inneren Genitales (Prolaps). Zu den häufigsten Auslösern einer Belastungs- oder Dranginkontinenz sowie einer Prolapserkrankung bei Frauen zählen degenerative Veränderungen, Entzündungen, Geburtsschädigun­gen, Übergewicht sowie eine zunehmende Lebens­erwartung.

Bei Männern spielt neben dem Alter meist eine Operation der Prostata die bedeutende Rolle bei der Entstehung einer Harninkontinenz.

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Alternativen zur Nadelsuspension und Pubovaginalschlinge

Bewährt hat sich unter anderem der Einsatz suburethraler Bänder, etwa aus Polypropylen. Nur wenn eine ausrei­chen­de Spannung im Beckenboden vorhanden ist, kann er richtig funktio­nieren. „Die synthetischen Bänder, die mithilfe eines kleinen Schnittes beziehungsweise Einstichs in den Beckenboden eingesetzt werden, ersetzen die erschlafften Halte- und Stützbänder des Beckenbodens und stellen so die verlorengegangene Elastizität und Spannkraft wieder her“, erklärt Alfons Gunnemann, der auf dem 69. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Dresden zu diesem Thema referieren und das Inkontinenzforum begleiten wird. Ein Vorteil sei die lange Haltbarkeit und gute Verträglichkeit der Bänder. Allerdings ist zu beachten, dass mögliche postoperative Materialveränderungen, Gewebereak­tionen, die eingesetzte Implantationstechnik sowie patienteneigene Risikofaktoren die Ergebnisse beeinflussen können.

Neben dem Einbringen suburethraler Bänder kann den Betroffenen auch ein künstlicher Blasenschließmuskel helfen. Dieser kommt hauptsächlich bei Männern zum Einsatz. Hierbei kann der Mann mithilfe einer in den Hodensack eingebrachten Pumpe eine um die Harnröhre gelegte Manschette öffnen und schließen und so den Harnabfluss kontrollieren. Der künstliche Schließmuskel mache jeden Inkontinenten wieder trocken, ist Gunnemann überzeugt. „Er ist vor allem für Männer interessant, die am Tag mehr als 500 Milliliter Urin verlieren“, erklärt der Urologe vom Klinikum Lippe. Patienten müssten aufgrund der Komplexität dieser Maßnahme auch mit Komplikationen rechnen. „Akzep­tiert der Körper den künstlichen Schließmuskel, kann dieser durchaus lebenslang im Einsatz bleiben. Regelmäßige Kontrollen sind allerdings Pflicht. Das gilt auch für die suburethralen Bänder.“

Der 69. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie findet vom 20. bis 23. September 2017 in Dresden statt. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten gehören neben der Inkontinenz unter anderem auch die aktuellen Entwicklungen zum PSA-Screening und zum Active Surveillance beim Prostatakarzinom sowie Neuerungen bezüglich Diagnostik und Therapie aller urologischer Tumoren. © gie/aerzteblatt.de

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