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Ausland

Ministerin wegen Zahlen zur Kindersterblichkeit in Venezuela entlassen

Freitag, 12. Mai 2017

Caracas – Nach der Veröffentlichung von Zahlen über den Anstieg der Kinder- und Müttersterblichkeit hat der venezolanische Präsident Nicolás Maduro die Gesundheits­mi­nisterin des südamerikanischen Landes entlassen. Antonieta Caporale werde von ihren Aufgaben entbunden, teilte die Regierung gestern mit.

Erstmals seit über zwei Jahren hatte das Ministerium einen Bericht über die Gesundheits­­lage im Land veröffent­licht. Demnach stieg die Kindersterblichkeit zuletzt um 30,12 Pro­zent und die Mütter­sterblich­keit um 65,78 Prozent.

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Venezuela befindet sich in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Wegen des niedrigen Ölpreises und jahrelanger Misswirtschaft verfügt das Land kaum noch über Devisen. In den Supermärkten fehlt es an Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Die Krankenhäuser können kaum noch Medikamente beschaffen. Bei Demon­strationen gegen die sozialistische Regierung kamen in den vergangenen Wochen Dutzende Menschen ums Leben und Hunderte wurden verletzt. © dpa/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Dienstag, 16. Mai 2017, 00:03

Eigentlich nur eine Randbemerkung

für ein Land, was sich gerade im freien Fall befindet. Bemerkenswert ist diese Nachricht trotzdem, denn erstens handelt es sich um das Land mit den weltweit größten Erdölreserven, es könnte also eines der reichsten Länder der Welt sein. Zweitens sollte für eine linke Regierung in einem südamerikanischen Land die Kinder- und Müttersterblichkeit die höchste Priorität haben, und die Ministerin wurde geschasst, nicht weil sie gelogen, sondern weil sie die Wahrheit gesagt hat.

Wenn aber die venezolanische Regierung dieses Problem nicht mehr lösen, sondern nur noch totschweigen möchte, dann hat sie damit den allerletzten Rest an linken Idealen verraten und die letzte moralische Rechtfertigung verloren. Der Versuch des Machterhalts der herrschenden Clique ist reiner Selbstzweck und der verzweifelte Versuch, möglichst lang sich an der staatlichen Misswirtschaft zu bereichern. Auch wenn die Ölproduktion gefallen ist, aber eine Tagesproduktion von 2 Millionen Barrel Öl ergeben bei einem Preis von 50 $ je Barrel tägliche Deviseneinnahmen von ca. 100 Millionen Dollar.

Der Fall Venezuelas hat aber auch Bedeutung über die Ländergrenzen hinaus. Obwohl die Globalisierung viele Verlierer produziert, landen viele von denen bei den Demagogen vom rechten Rand. Die Schwäche der Linken liegt zu einem wesentlichen Teil darin begründet, dass es derzeit kein linkes Wirtschaftskonzept gibt, welches langfristig funktionieren könnte. Eine gewisse Umverteilung gehört zu allen modernen entwickelten Gesellschaften. Wenn diese Umverteilung aber zur Enteignung der Schichten führt, die den Reichtum erst erschaffen, dann wird über kurz oder lang die eigene Substanz aufgezehrt. Gute Absichten allein machen noch keine gute Politik, und ohne eine substantielle Weiterentwicklung der eigenen theoretischen Grundlagen wirken all die Gerechtigkeitsdiskussionen aus dem linken Lager nicht überzeugend. Dazu ist Venezuela ein zu abschreckendes Beispiel.
LNS

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