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Politik

Pflegepersonal: Deutschland auf den hinteren Plätzen

Dienstag, 16. Mai 2017

Pflegekraft führt Verbandswechsel durch
/Viacheslav Iakobchuk, stock.adobe.com

Berlin – In deutschen Krankenhäusern werden im internationalen Vergleich sehr wenig Pflegekräfte beschäftigt. Das geht aus einer Untersuchung des IGES-Instituts „Pfle­­ge­per­sonal im Krankenhaus“ im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Demnach waren 2012 in Deutschland rechnerisch 19 Pflegekräfte (Vollzeitstellen) je 1.000 Fälle angestellt. Im Schnitt der OECD-Länder waren es fast 32. In Japan sind es sogar 53 Vollzeitpflegekräfte je 1.000 Fälle gewesen. „Im Vergleich zum Ausland ist die Pfle­ge­personalausstattung in deutschen Krankenhäusern also deutlich unterdurch­schnitt­lich“, heißt es in der Untersuchung. Das gelte auch, wenn man die Zahl der Pfle­ge­kräfte auf die Belegungstage betrachte. Dann lande Deutschland sogar auf dem letz­ten Platz. Trotz­­dem hätten die Kliniken weiter Pflegepersonal abgebaut, erläutert die Un­tersu­chung. Dem­nach habe es 2015 rund 3,4 Prozent weniger Pflegepersonal gegeben als im Jahr 2000.

Zugleich stieg laut IGES und Bertelsmann mit verkürzten Liegezeiten der Patienten die Be­­lastung der Pflegekräfte. Während eine Pflegevollkraft in einem allgemeinen Kranken­haus 2003 statistisch 57,3 Behandlungsfälle zu betreuen hatte, seien es 2015 schon 64 gewesen. Die Untersuchung weist aber auch darauf hin, dass die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte über alle Krankenhausarten hinweg und regional sehr unterschiedlich ist. Während in Hamburg 2015 auf jede Pflege-Vollzeitstelle knapp 55 Behandlungsfälle ka­men, waren es in Niedersachsen gut 63. Auch in Nordrhein-Westfalen und Berlin ist die Arbeitsintensität mit 62 Behandlungsfällen überdurchschnittlich hoch, während sie in Baden-Württemberg (57) und Hamburg (55) am niedrigsten liegt.

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Von 2003 bis 2015 stieg darüber hinaus die Anzahl der von einer Pflegekraft durch­schnitt­lich zu betreuenden Behandlungsfälle in allen Bundesländern mit Ausnahme von Mecklenburg‐Vorpommern und Schleswig‐Holstein an. Deutlich über dem Schnitt (von +11 Prozent) lagen Berlin (+24 Prozent), Niedersachsen (+20 Prozent), Bremen (+19 Prozent) und Sachsen-Anhalt (+16 Prozent), schreibt die Stiftung.

Dennoch hohe Patientenzufriedenheit

Die Zufriedenheit der Patienten sei trotz der angespannten Lage „erstaunlicherweise immer noch hoch“, geben IGES und Bertelsmann an. Die wachsende Belastung der Pfle­gekräfte habe anscheinend „nicht unmittelbar“ zur Unzufriedenheit der Patienten mit der Pflege im Krankenhaus geführt. Die Stiftung verweist dabei auf Befragungsdaten der Weissen Liste von fast 350.000 Patienten. Diese beurteilten demnach die pflegerische Betreuung im Jahr 2014 grundsätzlich als gut, wobei Patienten in Nordrhein-Westfalen und Bremen etwas weniger zufrieden waren. In Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern war die Zufrie­den­heit am höchsten.

Die Bertelsmann-Stiftung mahnt angesichts der Untersuchung Handlungsbedarf an, be­vor sich die „angespannte Per­so­nalsituation vieler Kliniken“ negativ auf die Patien­tenzu­friedenheit und die Versor­gungs­qualität auswirke. Gesetzlich festgeschriebene Perso­nal­­untergrenzen in speziellen Krankenhausabteilungen sind nach Auffassung der Stif­tung genauso notwendig, wie darauf zu achten, dass Untergrenzen nicht als Standard­werte interpretiert werden und andere Fachabteilungen, in denen solche Grenzen nicht gelten, nicht darunter leiden. © may/EB/aerzteblatt.de

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