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Medizin

Gonarthrose: Regelmäßige Steroid-Injektionen könnten Knorpel schädigen

Mittwoch, 17. Mai 2017

Sebastian Kaulitzki stock.adobe.com

Boston – Regelmäßige intra-artikuläre Injektionen des Steroids Triamcinolon haben in einer placebokontrollierten Studie die Beschwerden von Patienten mit einer entzündlichen Gonarthrose nicht gelindert. In der Magnetresonanztomographie (MRT) war laut der Publikation im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; 317: 1967-1975) jedoch ein vermehrter Abbau des Gelenkknorpels erkennbar.

Bei vielen Menschen mit Arthrose im Kniegelenk kommt es zu einem Gelenkerguss, der auf eine entzündliche Begleitreaktion, die Synovitis, zurückzuführen ist. Eine häufige Therapie besteht in der Injektion eines Glukokortikoids, das eine antientzündliche Wirkung hat. Glukokortikoide haben jedoch auch eine anti-anabole Wirkung, die den Gelenkknorpel, ohnehin ein Gewebe mit einem sehr geringen Stoffwechsel, schädigen könnte.

Eine randomisierte kontrollierte Studie am Tufts Medical Center in Boston hat deshalb nicht nur untersucht, wie sich die Behandlung auf die Beschwerden der Patienten auswirkt. Das Team um Timothy McAlindon ließ jährlich eine MRT des Kniegelenks anfertigen, um die Auswirkungen auf den Gelenkknorpel zu bestimmen.

An der Studie nahmen 140 Patienten teil, die unter chronischen Schmerzen litten und bei denen in einer Ultraschalluntersuchung ein Erguss im Kniegelenk nachgewiesen worden war. Die Patienten erhielten im Verlauf von zwei Jahren alle 12 Wochen eine intra-artikuläre Injektion, die bei der Hälfte der Patienten jeweils 1 ml Triamcinolon (40mg/ml), bei der anderen Hälfte nur eine Kochsalzlösung enthielt. Primärer Endpunkt waren die Veränderungen der Schmerzen und des Knorpelvolumens.

Bei den Schmerzen gab es im Verlauf der Behandlung und am Ende keine signifikanten Unterschiede. Auch in der Placebogruppe war es zu einer leichten Verbesserung von Schmerzen, Gelenksteifigkeit und Kniefunktion gekommen, die mit dem WOMAC-Fragebogen (Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index) erhoben wurden. 

Im MRT war jedoch unter der Steroidtherapie ein leicht beschleunigter Abbau des Knorpels erkennbar. Die mittlere Dicke ging zum 0,21 mm gegenüber 0,10 mm in der Placebo-Gruppe zurück. Die Differenz von 0,10 mm war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall on 0,03 bis 0,20 mm signifikant. Auch in einem Knorpelschaden-Index kam es mit 133,66 gegenüber 72,41 µm3 zu einer ungünstigeren Entwicklung. In den „harten“ MRT-Endpunkten Denudation, Knochenmarkläsionen oder trabeculäre Morphologie des Knochens gab es dagegen (noch?) keine sichtbaren Unterschiede.

Da die erste Nachuntersuchung erst vier Monate nach der ersten Injektion stattfand, könnte ein anfänglicher Nutzen der Therapie möglicherweise übersehen worden sein, gesteht McAlindon ein. Die Patienten durften auch ihre Selbstmedikation fortsetzen, was den Vorteil der Steroidinjektionen kaschiert haben könnte. Bekannt sei auch ein gewisser Placebo-Effekt. Dennoch liefert die Studie nach Ansicht von McAlindon keine Argumente für regelmäßige intra-artikuläre Steroidinjektionen, die auf Dauer dem Gelenk mehr schaden als nutzen könnten. © rme/aerzteblatt.de

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