Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Hohe Erwartungen an Gesundheits­ministertreffen der G20-Staaten

Mittwoch, 17. Mai 2017

/science photo, stock.adobe.com

Berlin – Am 19. und 20. Mai treffen sich erstmals die Ge­sund­heits­mi­nis­ter der 20 führen­den Industrie- und Schwellenländer in Berlin zu einem Gesundheitsgipfel. Die Vor­bericht­­erstattung zeigt: Die Erwartungen an dieses Treffen sind sehr groß. Schwer­punkte der Kon­ferenz sollen die Verbesserung des Krisenmanagements bei infektiösen Krankheits­ausbrüchen und der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen sein.

„Die Welt ist noch nicht ausreichend auf Gesundheitsgefahren vorbereitet“, sagte Bun­des­gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) im Interview mit dem Deutschen Ärzte­blatt. Bei dem Gesundheitsgipfel will er daher eine Krisenübung mit seinen Amtskollegen und Vertretern von Weltbank und Welt­gesund­heits­organi­sation veranstalten.

Globale Lösungsansätze für die Probleme Antibiotikaresistenzen, Gesundheitskrisen wie Ebola sowie Angriffe auf Krankenhäuser fordert die Hilfsorganisation Ärzte ohne Gren­zen von dem Treffen. In den Diskussionen sollte es in erster Linie um die gesundheit­lichen Be­dürfnisse der Betroffenen gehen, nicht um potenzielle Risiken für reichere Länder, hieß es aus der Hilfsorganisation.

Schutz medizinischer Einrichtungen sichern

Wenn die G20 über die Stärkung nationaler und glo­ba­ler Gesundheitssysteme sprächen, dürften sie dabei die Zerstörung von Gesundheits­systemen nicht außer Acht lassen, schreibt zudem Joanne Liu, internatio­na­le Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, in einem offenen Brief an die G20-Gesund­heitsminister. „Wir for­dern die G20 auf, die UN-Resolution zum Schutz medizinischer Einrichtungen in die Praxis umzusetzen und Angriffe auf Krankenhäuser und deren Mitarbeiter zu stoppen“.

Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) – ein Zusammenschluss von 20 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und For­schungs­ein­rich­tungen – begrüßt die Initiative der Bundesregierung, Gesundheit erst­malig zu einem G20-Thema zu machen. Sie weist aber darauf hin, dass die wichtigsten Krankheiten, die weltweit die meisten vorzeitigen Todesopfer forderten, nicht auf der Tagesordnung stün­den.

DANK fordert die Bundesregierung darum auf, die Bekämpfung nichtübertragbarer Krank­heiten wie Herz-Kreislauf-Leiden, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegser­kran­­kungen auf die Agenda zu setzen. „Das Gesundheitswesen in Entwicklungs- und Schwel­l­enländern zu stärken, um künftige Epidemien besser zu bewältigen, ist zweifellos ein wich­tiges Anliegen“, sagte der Sprecher der Allianz, Dietrich Garlichs. Gleiches gelte für die Eindämmung von Antibiotikaresistenzen.

Nicht übertragbare Krank­heiten Todesursache Nummer eins

„Dennoch darf die Politik nicht aus den Au­gen verlieren, dass nicht übertragbare Krank­heiten inzwischen weltweit Todesursache Nummer eins sind, mit großem Abstand vor den traditionellen Infektionskrankheiten oder Infektionen durch multiresistente Keime“, beton­te Garlichs. Ebola und andere Infektions­krankheiten seien in Deutschland und Europa be­­kanntermaßen ein großes Problem, er­klärte er heute vor Journalisten in Berlin mit ei­nem zwinkernden Auge.

Die wichtigsten Risikofaktoren für nicht übertragbare chronische Krankheiten sind laut DANK Fehlernährung, mangelnde körperliche Aktivität, Tabak- und exzessiver Alkohol­kon­sum. Hier sollte die Bundesregierung laut der Allianz beim G20-Gesundheits­minis­ter­treffen ansetzen. „Es ist höchste Zeit, auf internationaler Ebene effektive Strategien zu ent­werfen“, sagte Manfred James Müller, Vorstandssprecher des Kompetenznetzes Adipo­sitas und Vertreter der Deutschen Adipositasgesellschaft. Geeignete Präventions­maß­nah­men seien eine Erhöhung der Tabak- und Alkoholsteuer, die Einführung einer Zucker-Fett-Salz-Steuer und eine tägliche Stunde Bewegung oder Sport in Kita und Schule, hieß es aus der Allianz. © hil/gie/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17.01.18
Bundestag setzt Gesundheitsausschuss ein
Berlin – Die Abgeordneten des Bundestages haben in ihrer ersten Plenumssitzung des Jahres 2018 die parlamentarischen Ausschüsse eingesetzt. Für die Abstimmung brauchte es genau zwei Minuten und drei......
04.01.18
Fahrplan für Sondierungsgespräche steht
Berlin – Der Fahrplan für einen neuen Anlauf zur Regierungsbildung steht offenbar fest: Für die Sondierungen zwischen Unionsparteien und SPD sind zwischen kommendem Sonntag bis zum folgenden......
29.12.17
Niedrigerer Zusatzbeitrag, zusätzliche Vorsorgeuntersuchung für Männer
Berlin – Wie in jedem Jahr greifen zum Jahreswechsel einige Reformen und Neuerungen. Das Gesundheitswesen bildet dabei keine Ausnahme. Die Änderungen reichen von einem leicht sinkenden Zusatzbeitrag......
18.12.17
Bayerische Landesärztekammer drängt auf Reformen
München – Auf die Dringlichkeit, politische Weichen in der Gesundheitspolitik zu stellen, hat die Bayerische Lan­des­ärz­te­kam­mer hingewiesen. „Angesichts zahlreicher Reformbaustellen im Gesundheitswesen......
18.12.17
Ärger um Sprachregelung für US-Gesundheits­behörde
Washington – Wissenschaftler haben der US-Regierung einen Maulkorberlass für das Center for Disease Control and Prevention (CDC) vorgeworfen. Forschungsvertreter reagierten am Wochenende empört auf......
18.12.17
US-Gericht stoppt Kostenstreichung von Verhütungsmitteln
Washington – Eine US-Bundesrichterin hat die Entscheidung der Trump-Regierung vorübergehend ausgesetzt, wonach der von Arbeitgebern bereitgestellte Kran­ken­ver­siche­rungschutz künftig keine kostenlosen......
12.12.17
Netzwerk Evidenzbasierte Medizin mahnt Maßnahmen gegen Fehlsteuerung im Gesundheitswesen an
Berlin – Maßnahmen gegen „offenkundige Fehlsteuerungen der Gesundheitsversorgung und Fehlanreize im System“ mahnt das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) an. „Die Eindämmung von Über-,......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige