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Medizin

Gentherapie der AMD in erster klinischer Studie erfolgreich

Mittwoch, 17. Mai 2017

Nurbek stock.adobe.de

Baltimore – Eine Gentherapie, die Retinazellen zu Produzenten eines Biologikums macht, hat in einer offenen Phase-1-Studie bei Patienten mit altersbedingter Makula­degeneration (AMD) vielversprechende Ergebnisse erzielt. Einziges Hindernis war laut der Publikation im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)30979-0) eine Immunität gegen das Hilfsvirus, das die Gene in die Retinazellen transportiert. Es handelt sich um die Variante eines Schnupfenvirus.

Die Standardbehandlung bei der feuchten Form der AMD besteht heute in monatlichen intravitrealen Injektionen von Antikörpern oder Fusionsproteinen, die den Wachstums­faktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) blockieren. Er ist für das pathologi­sche Wachstum von Blutgefäßen (Neovaskularisierung) verantwortlich, die zur Seh­störung führen. Die Injektionen in den Augapfel sind jedoch für den Patienten unange­nehm und mit einem gewissen Risiko (Infektionen, Katarakt) verbunden. 

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Eine Gentherapie, die Retinazellen zu Produzenten der Anti-VEGF-Medikamente macht, könnte die Patienten hier entlasten. Die Behandlung, die derzeit an US-Kliniken erprobt wird, besteht aus der einmaligen intravitrealen Injektion des Adeno-assoziierten Virus 2 (AAV2). Es handelt sich im eine Variante eines Adenovirus, das beim Menschen nur eine harmlose Erkältung verursacht.

Für die Behandlung wird das AAV2 mit einer Genfracht beladen, die es nach der Injektion ins Auge in den Retinazellen abliefert. Die Genfracht enthält die Bauanleitung für eine lösliche Variante des VEGF-Rezeptors 1 (sFlt-1). Die Helferviren laden die Gene in den Retinazellen ab, die danach kontinuierlich das Anti-VEGF-Medikament produzieren. Regelmäßige Wiederholungen wie bei der derzeitigen Standard­behandlung sind nicht vorgesehen.

Bisher wurden 19 Patienten mit feuchter AMD im Alter über 50 Jahre behandelt. Der Visus auf dem behandelten Auge war bei ihnen auf unter 20/200 abgefallen (um Gegen­stände zu sehen, die gesunde Menschen in 200 cm Entfernung sehen, mussten sich die Patienten auf 20 cm nähern). Da die Phase-1-Studie vor allem die Sicherheit der Thera­pie untersucht, wurden Patienten ausgewählt, die unter der Standardbehandlung keine Erfolgsaussichten mehr hatten. Nur für elf der 19 Patienten sah das Team um Peter Campochiaro von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore eine vage Chance auf eine Besserung der feuchten AMD.

Bei sechs dieser elf Patienten kam es tatsächlich zu einem deutlich Rückgang der intra­retinalen und subretinalen Flüssigkeit sowie zu einer Verbesserung des Visus. Bei den anderen fünf Patienten schlug die Behandlung nicht an. Campochiaro führt dies auf neutralisierende Antikörper gegen das Adenovirus zurück, die bei allen fünf Patienten gefunden wurden. Diese Patienten hatten vermutlich nach einer früheren Infektion eine Immunität entwickelt. Abwehrzellen im Auge könnten die Viren vernichtet haben, bevor diese ihre Genfracht in den Retinazellen abliefern konnten. 

Die Immunität könnte sich zu einem gewichtigen Nachteil der Gentherapie entwickeln. Insgesamt 60 Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung haben laut Campochiaro einen Immunschutz gegen Adenoviren. Um diesen Patienten die Therapie anbieten zu können, müssten die Forscher auf einen anderen Virushelfer ausweichen. Dies ist tech­nisch möglich. Die Gruppe müsste dann allerdings wieder von vorn mit ihren Studien beginnen, was bei klinischen Studien heute eine Verzögerung um mehrere Jahre bedeutet. 

Die Verträglichkeit der Gentherapie scheint jedoch gut zu sein. Nur bei zwei Patienten kam es zu Fieber und einer intraokularen Entzündung, die mit einem topischen Steroid erfolgreich behandelt werden konnte. © rme/aerzteblatt.de

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