NewsVermischtesAlkoholkonsum junger Menschen rückläufig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Alkoholkonsum junger Menschen rückläufig

Donnerstag, 18. Mai 2017

Bei der Neuausrichtung der BZgA-Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit“ wurden Plakate,  Broschüren, Faltblätter erarbeitet. / BZgA

Berlin – Jugendliche und junge Erwachsene trinken weniger und auch später Alkohol. Den ersten Rausch erleben sie heute mit 16,4 Jahren. Im Jahr 2004 lag das Durschnitts­alter bei Jungs wie Mädchen noch bei 15,5 beziehungsweise 15,6 Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Der Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2016“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die bundesweit 7.003 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt hat. Laut dem erst kürzlich veröffentlichten Statistischen Jahrbuch der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) bleiben dei Deutschen dennoch in der Spitzengruppe beim Alkoholkonsum.

„Mitverantwortlich für den stetig sinkenden Trend beim Alkohlkonsum unter Jugend­lichen und jungen Erwachsenen ist die BZgA-Kampagne ‚Alkohol? Kenn dein Limit’“, ist Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, überzeugt. Immerhin kannten zwei Drittel der 12- bis 17-jährigen und fast 90 Prozent der 18- bis 25-jährigen Befragten die Kampagne. Das Konzept, das bei der jungen Generation anzukommen scheint, ist „vermeintlich witzig, mit einer Prise Ernsthaftigkeit“, erklärt Thaiss.

Anzeige

Zehn Prozent der 12- bis 17-Jährigen sagen, dass sie regelmäßig, mindestens einmal pro Woche, Alkohol trinken. Im Jahr 2004 waren es noch 21,2 Prozent. Aktuell geben 13,5 Prozent der Jugendlichen an, sich mindestens einmal im letzten Monat in einen Rausch getrunken zu haben (2004: 22,6 Prozent), wobei nach wie vor das Rausch­trinken bei männlichen 12- bis 17-Jährigen (16,5 Prozent) weiter verbreitet ist als bei gleichaltrigen Mädchen (10,3 Prozent).

Es gibt Gesetze, die nicht richtig angewendet werden. Bis 2020 müssen Länder und Kommunen mehr Verantwortung übernehmen. Sabine Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Auch bei den 18- bis 25-Jährigen zeigt sich eine positive Entwicklung: Der regelmäßige Alkoholkonsum ist rückläufig und liegt aktuell bei 30,7 Prozent. Mindestens einmal im letzten Monat haben sich 42,5 Prozent der männlichen und 22,6 Prozent der weiblichen jungen Erwachsenen in den Alkoholrausch getrunken. Dennoch liegt der Konsum weiterhin auf relativ hohem Niveau. Laut WHO ist Deutschland beim Alkoholkonsum ab 15 Jahren in der Spitzen­gruppe. Unter den 194 WHO-Mitgliedern kommt die Bundes­republik mit 11,4 Litern reinem Alko­hol pro Kopf und Jahr auf Platz 23.

Damit der Trend auch bei zukünftigen jugendlichen Generationen erhalten bleibt, wird die Kampagne jetzt in neuem Design und mit neuen Broschüren und Plakaten fortgesetzt. Fast 80 Millionen Euro hat der Verband der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) bereits in die Aufklärungsarbeit zur Alkohlprävention investiert. Volker Leienbach, Direktor des PKV, betonte aber, dass die Verantwortung nicht ausschließlich an die Politik abgegeben werde könne. Jeder Einzelne sowie die Eltern müssten ihren Teil beitragen.

Die Vision der Drogenbeauftragten für 2030

Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Mortler, zeigt sich erfreut über die sinkenden Zahlen. Es gibt jedoch eine Sache, die sie „maßlos ägert“. Nicht nur der Bund, auch Länder und Kommunen seien beim Thema Alkoholkonsum gefragt: „Es gibt Gesetze, die nicht richtig angewendet werden. Bis 2020 müssen Länder und Kommunen mehr Verantwortung übernehmen“. Die Rede ist von einem bereits beschlossenen Verkaufsverbot für Alkohol ab 22 Uhr und mehr Kontrollen.

Ein Appell richtet sie zudem an die öffentlich rechtlichen Medien. „Diese sollten mit guten Beispiel vorangehen und Alkohlwerbung zumindest reduzieren“, sagt Mortler. Vorstellbar wäre für sie auch eine Strategie zur frühen Intervention, wie sie in Portugal bereits Usus ist. „Jugendliche, die mit Cannabis erwischt werden, kommen innerhalb von 72 Stunden vor ein Gremium, das ernsthaft und nachhaltig diskutiert, wie es weiter geht“, erklärt Mortler ihre Vision für 2030. © gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Dezember 2018
Berlin – Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr 8,1 Millionen Menschen mit präventiven und gesundheitsförderlichen Maßnahmen erreicht. Das sind so viele wie nie zuvor, wie es im
GKV-Spitzenverband mit Rekordausgaben für präventive Maßnahmen
12. Dezember 2018
Berlin – Die Zahl der Jugendlichen mit Alkoholvergiftungen hat sich im vergangenen Jahr leicht um 2,6 Prozent verringert. Immer noch mussten aber mit 21.721 Fällen deutlich mehr als 21.000 Mädchen und
Weniger Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen
29. November 2018
Erfurt – Barmer, AOK Plus und das Thüringer Ge­sund­heits­mi­nis­terium wollen die Prävention und die betriebliche Gesund­heits­förder­ung besonders in kleinen und mittleren Unternehmen verbessern. Eine
Betriebliche Gesundheitsförderung soll in Thüringen ausgebaut werden
27. November 2018
New Haven/Connecticut – Eine Genvariante, die den Abbau von Ethanol zu Acetaldehyd beschleunigt, kann Menschen europäischer Herkunft die Freude am Alkoholkonsum vergällen. Dies kam einer genomweiten
Genvariante schützt vor Alkoholabhängigkeit
26. November 2018
Helsinki – Das Screening mit einem Guajak-basierten Stuhlbluttest hat in Finnland zur häufigeren Diagnose von Darmkrebserkrankungen im linken Kolon geführt. Der Vorteil war laut einer randomisierten
Darmkrebs-Screening: Stuhltest senkt Sterberate nur bei Männern mit linksseitigem Darmkrebs
23. November 2018
Seoul – Nach Krebserkrankungen und Todesfällen unter hunderten Arbeitern in seinen Chip- und Display-Fabriken hat sich der Technologieriese Samsung heute offiziell entschuldigt. Firmenpräsident Kim Ki
Samsung entschuldigt sich für Todes- und Krankheitsfälle
21. November 2018
Berlin – Auf die große Bedeutung der Prävention von Lebererkrankungen hat die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hingewiesen. „Viele Leberkrankheiten sind im Frühstadium gut behandelbar. Wer seine Leberwerte
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER