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Ärzte vernetzen sich im Kampf gegen Kindesmissbrauch

Donnerstag, 18. Mai 2017

Frankfurt am Main – Am Universitätsklinikum Frankfurt am Main legen bundesweit die ersten Ärzte ihre Prüfung zu zertifizierten Kinderschutz-Medizinern ab. Sie wurden geschult, sexuellen Missbrauch und psychische, emotionale sowie körperliche Miss­handlungen an Kindern zu erkennen und zu verhindern. Die Prüfung erfolgt im Rahmen der neunten Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin (DGKiM), die am Wochenende in Frankfurt stattfindet.

„Wir müssen den Kinderschutz professionalisieren“, sagte Thomas Klingebiel, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik, heute. Betroffenheit allein reiche Kindern nicht, sie bräuchten standardisierte Abläufe im Gesundheitswesen, aber auch beim Jugendamt, der Polizei oder in der Justiz.

Das Klinikum hat daher eine interdisziplinäre Vorlesungsreihe für Ärzte, Polizisten, Erzieher, Anwälte und Sozialarbeiter eingerichtet. „Damit ist es uns gelungen, heute schon die auszubilden, die später einmal zusammenarbeiten werden“, sagte der Oberarzt der Kinderschutzambulanz und Co-Präsident der DGKiM, Marco Baz Bartels.

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Ab 2019 oder 2020 werde dieser Teil der Kinderschutzmedizin in der Ausbildung verbindlich sein, sagte Matthias Kieslich, Leiter der Kinderschutzambulanz. „Wir hoffen, dass sie ihren Weg in den Alltag findet wie auch die Palliativmedizin.“

1.150 Fälle von Kindeswohlgefährdung beschäftigten die Ärzte seit Ende 2010 in Frankfurt. Die Dunkelziffer sei deutlich höher. Schädel-Hirn-Verletzungen, Schütteltrauma, Hämatome und Knochenbrüche, aber auch Vergiftungen und sexueller Missbrauch seien die häufigsten Diagnosen.

Kinderschutzmedizinern gehe es nicht nur um die Behandlung, sondern auch um die Zukunft der Kinder, erklärte Kieslich. Beim fachlichen Austausch mit dem Jugendamt oder der Polizei seien die Ärzte demnach zum Wohle des Kindes weitgehend von der Schweigepflicht befreit. Hessen hatte die Schweigepflicht im Kindergesundheitsgesetz 2007 aufgelockert. Der Bund folgte im Jahr 2012. © dpa/aerzteblatt.de

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