NewsHochschulenÄrzte vernetzen sich im Kampf gegen Kindesmissbrauch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Ärzte vernetzen sich im Kampf gegen Kindesmissbrauch

Donnerstag, 18. Mai 2017

Frankfurt am Main – Am Universitätsklinikum Frankfurt am Main legen bundesweit die ersten Ärzte ihre Prüfung zu zertifizierten Kinderschutz-Medizinern ab. Sie wurden geschult, sexuellen Missbrauch und psychische, emotionale sowie körperliche Miss­handlungen an Kindern zu erkennen und zu verhindern. Die Prüfung erfolgt im Rahmen der neunten Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin (DGKiM), die am Wochenende in Frankfurt stattfindet.

„Wir müssen den Kinderschutz professionalisieren“, sagte Thomas Klingebiel, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik, heute. Betroffenheit allein reiche Kindern nicht, sie bräuchten standardisierte Abläufe im Gesundheitswesen, aber auch beim Jugendamt, der Polizei oder in der Justiz.

Das Klinikum hat daher eine interdisziplinäre Vorlesungsreihe für Ärzte, Polizisten, Erzieher, Anwälte und Sozialarbeiter eingerichtet. „Damit ist es uns gelungen, heute schon die auszubilden, die später einmal zusammenarbeiten werden“, sagte der Oberarzt der Kinderschutzambulanz und Co-Präsident der DGKiM, Marco Baz Bartels.

Anzeige

 

Ab 2019 oder 2020 werde dieser Teil der Kinderschutzmedizin in der Ausbildung verbindlich sein, sagte Matthias Kieslich, Leiter der Kinderschutzambulanz. „Wir hoffen, dass sie ihren Weg in den Alltag findet wie auch die Palliativmedizin.“

1.150 Fälle von Kindeswohlgefährdung beschäftigten die Ärzte seit Ende 2010 in Frankfurt. Die Dunkelziffer sei deutlich höher. Schädel-Hirn-Verletzungen, Schütteltrauma, Hämatome und Knochenbrüche, aber auch Vergiftungen und sexueller Missbrauch seien die häufigsten Diagnosen.

Kinderschutzmedizinern gehe es nicht nur um die Behandlung, sondern auch um die Zukunft der Kinder, erklärte Kieslich. Beim fachlichen Austausch mit dem Jugendamt oder der Polizei seien die Ärzte demnach zum Wohle des Kindes weitgehend von der Schweigepflicht befreit. Hessen hatte die Schweigepflicht im Kindergesundheitsgesetz 2007 aufgelockert. Der Bund folgte im Jahr 2012. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

19. Juli 2018
Köln – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ als „Facette der Menschlichkeit“ gewürdigt. „Die Beraterinnen hier machen einen hervorragenden Job“, sagte Merkel
Gewalt gegen Frauen oft ein Tabuthema
11. Juli 2018
Berlin – Das vor einem Jahr in Kraft getretene Gesetz gegen Kinderehen wird nach Ansicht der Organisation „Terre Des Femmes“ nicht einheitlich umgesetzt. Wie die Frauenrechtler heute mitteilten,
Gesetz zur Kinderehe darf nicht zur Makulatur werden
10. Juli 2018
Vereinte Nationen – Der UN-Sicherheitsrat hat den zunehmenden Einsatz von Kindern in bewaffneten Konflikten scharf verurteilt. In einer am Montag einstimmig verabschiedeten Resolution kritisierten die
UNO verurteilt Einsatz von Kindern in bewaffneten Konflikten
27. Juni 2018
Berlin – Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs sieht bei den Kirchen nach wie vor Strukturen, die sexuellen Kindesmissbrauch und den Schutz der Täter ermöglichen.
Sexueller Kindesmissbrauch: Kritik am Aufarbeitungswillen der Kirchen
25. Juni 2018
Düsseldorf – Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen (NRW) will in Kürze eine „länderübergreifende Initiative“ zum kinderärztlichen Informationsaustausch ausloten. Das hat Landesgesundheitsminister
NRW plant länderübergreifende Initiative gegen Kindeswohlgefährdung
22. Juni 2018
Philadelphia – Polizeieinsätze, die zum Tod eines unbewaffneten Afroamerikaners führen, haben negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von schwarzen amerikanischen Erwachsenen in dem
Tödliche Polizeieinsätze belasten Psyche der schwarzen US-Bevölkerung
18. Juni 2018
Berlin – Viele pflegende Angehörige in Deutschland fühlen sich nach einer neuen Studie massiv überlastet und zu wenig anerkannt. Ein großer Anteil empfindet gelegentlich Ärger und Wut; auch

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER