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Gutachten schlägt Pflegevoll­versicherung vor

Dienstag, 23. Mai 2017

/DOC RABE Media, stock.adobe.com

Berlin – Die aktuelle Pflegeversicherung hat zwei grundlegende Fehler. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens des Bremer Gesundheitsexperten Heinz Rothgang im Auftrag der Initiative Pro-Pflegereform. Demnach trägt die Pflegekasse nur einen Teil der Kosten, so dass mehr als jeder dritte Pflegebedürftige auf Sozialhilfe angewiesen ist. Zudem unterscheiden sich die Leistungen der Pflegeversicherung danach, ob jemand ambulant oder stationär versorgt wird. Beide Defizite sind dem Gutachten zufolge allerdings lösbar.

Laut Rothgang wird die Pflegeversicherung dem Auftrag der Lebensstandardsicherung nicht gerecht. Um dem abzuhelfen schlägt er vor, die Pflegeversicherung in eine Vollversicherung umzuwandeln – mit einem deutlichen Anstieg der Versicherungsleistungen. Eine ausgabenneutrale Reformperspektive bestehe dagegen darin, die Leistungen der Pflegeversicherung zwar nach oben offen, individuell bedarfsgerecht zu gewähren, aber einen Sockelbetrag als Selbstbeteiligung zugrunde zu legen.

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Drei Szenarien für eine Reform

„Wenn dieser Eigenanteil zudem zeitlich begrenzt wird, ist es für Versicherte erstmals möglich, das eigene Finanzierungsrisiko abschließend zu beziffern und durch Sparen oder Abschluss einer Versicherung vorzusorgen“, heißt es in dem Gutachten. In diesem beschreibt der Gesundheitsexperte im weiteren drei Reformszenarien, die im Vergleich zum Status quo vorteilhaft wären:

  1. Aufhebung der sektoralen Fragmentierung bei pauschalen, gedeckelten Versicherungsleistungen.
  2. Beibehaltung der sektoralen Fragmentierung bei individuell bedarfsgerechten Versicherungsleistungen und einem zeitlich begrenzten Eigenanteils-Sockel.
  3. Aufhebung der sektoralen Fragmentierung bei individuell bedarfsgerechten Versicherungsleistungen und einem zeitlich begrenzten Eigenanteils-Sockel.

Laut Rothgang bieten die Szenarien 1 und 2 jeweils deutliche Verbesserungen gegenüber der aktuellen Ausgestaltung der Pflegeversicherung. „Dabei kann die vollständige Aufhebung des individuellen Kostenrisikos in Szenario 2 als wesentlicher Schritt betrachtet werden, der die Pflegeversicherung zu einer funktionierenden Sozialversicherung werden lässt“, so sein Fazit.

Szenario 3 könne die Forderungen der Reformperspektive vollständig erfüllen, bringe aber die höchsten praktischen Schwierigkeiten mit sich. Werde der Medizinische Dienst der Krankenkassen – wie derzeit diskutiert – unabhängiger, gäbe es aber eine Institution, die diese Aufgabe erfüllen könnte, so Rothgang. © hil/sb/aerzteblatt.de

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