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Schlafprobleme: Subjektiv betrachtet schlafen die meisten Deutschen gut

Dienstag, 23. Mai 2017

 Büroschlaf, einnicken auf der Arbeit /gewitterkind, stock.adobe.com
30 Prozent der Deutschen nicken tagsüber oft oder gelegentlich ein – ein Zeichen für Übermüdung aus beruflicher Überforderung. /gewitterkind, stock.adobe.com

Berlin – Fast die Hälfte der Deutschen ist zufrieden mit ihrem Schlaf. Auf einer Skala von null bis zehn vergeben sie mindestens acht Punkte. Etwa 15 Prozent von 3.491 Befragten sind mit ihrem Schlaf unzufrieden, sie vergeben nur maximal vier Punkte. „Kein Grund für Alarmismus“ heißt es daher auch im Schlafatlas 2017, der heute in Berlin vorge­stellt wurde. Die parallelen Messungen mit einem Schlafsensor geben allerdings zu denken. Demnach überschätzen die Deutschen ihre Schlafqualität und -dauer deutlich. Besonders betroffen sind berufstätige Mütter und Manager.

Erstmals wurde zusätzlich zur subjektiven Umfrage eine Messung der Schlafqualität bei 222 Teilnehmern zu Hause durchgeführt. Es zeigte sich eine durchgängige Abwei­chung: Die Bevölkerung beurteilt ihren Schlaf subjektiv besser als der Sensor misst. So schätzen die Deutschen ihre absolute Schlafdauer im Schnitt auf 6:54 Stunden, die objektive Messung mit dem Schlafsensor ergibt aber eine reine Schlafzeit von nur sechs Stunden.  Die Differenz von 54 Minuten entsteht durch Wachphasen, an die sich die Probanden nicht erinnern. Zum Vergleich: Empfohlen werden sieben bis acht Stunden.

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Aus vergangenen Studien ist bereits bekannt, dass viele erwachsene Menschen zu wenig Schlaf bekommen. Auch die von RAND Europe 2016 zusammengetragenen Daten passen zu den neu vorgestellten Erhebungen des Schlafatlas. Laut RAND schlafen in Deutschland neun Prozent der Bevölkerung weniger als sechs Stunden am Tag, weitere 21 Prozent schlafen sechs bis sieben Stunden.

Schlafmangel kostet deutsche Wirtschaft jährlich 60 Milliarden Euro

Cambridge – Schlafmangel führt zu Fehlzeiten am Arbeitsplatz und zu einem Rückgang der Produktivität, was sich auf die Wirtschaftsleistung eines Landes niederschlägt. Eine Studie von RAND Europe, einem Ableger der kalifornischen Denkfabrik RAND, hat ausgerechnet, dass in Deutschland jährlich 200.000 Arbeitstage verloren gehen, was einer Wirtschaftsleistung von 40 Milliarden Euro oder 1,56 Prozent

Der Schlafsensor hat aber auch zusätzliche Erkenntnisse gebracht. Während die durchschnittliche Herzfrequenz der 222 Teilnehmer sich im Normbereich bewegte, lagen die Anteile des REM-Schlafs mit fast 20 Prozent und die des Tiefschlafs mit 17,2 Prozent unterhalb des Normbereichs von 25 und 20 Prozent. „Die Schlafprobleme zeigen sich am schrumpfenden Anteil an erholsamem Tiefschlaf“, sagt der Neurologe Peter Young von der Universität Münster. Der Anteil des Leichtschlafs am Gesamtschlaf beträgt nach Messungen des Schlafsensors im Schnitt bei 63 Prozent. Gesund sind jedoch 50 bis maximal 60 Prozent. Resultat: Die Deutschen schlafen leichter, als sie sollten.

Bemerkenswerte Fakten

  • Bremen: Lediglich neun Prozent können sich an ihre Träume erinnern, in ganz Deutschland tun dies immer­hin 15 Prozent.
  • Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Niedersachsen: Sie schlafen am längsten (7:12 Stunden)
  • Saarland und Brandenburg: Mit 28 Prozent singen hier die meisten Eltern Schlaflieder für ihre Kinder.
  • Hamburg: Sehr hoher abendlicher Kaffeekonsum mit 14 Prozent (bundesweiter Durchschnitt: elf Prozent)
  • Hessen: Die Hessen schnarchen am wenigsten (38 Prozent) von allen Deutschen (47 Prozent).
  • Sachsen und Berlin: Überdurchschnittlich oft stören finanzielle Sorgen den Schlaf (zwölf und 14 versus acht Prozent im Durchschnitt).
  • Baden-Württemberg: Vor dem Schla­fen­gehen schauen sie überdurch­schnitt­lich viel Fernsehen (89 versus 86 Prozent).
  • Thüringen: sehr niedriger Schlaf­mittel­konsum.
  • Nordrhein-Westfahlen: Hier wird vor dem Einschlafen am meisten gebetet (23 versus 20 Prozent)
  • Mecklenburg-Vorpommern: An ihre Träume erinnern sich 62 Prozent nie, der höchste Wert in Deutschland.
  • Bayern: Sechs Prozent geben an, mindestens dreimal die Woche Schlafmittel zu nehmen, der höchste Wert bundesweit (drei Prozent).
  • Sachsen-Anhalt: 46 Prozent fühlen sich vom Vollmond beeinflusst (Durchschnitt: 38 Prozent).

Abweichungen bei der Schlafdauer und -qualität zeigten sich darüber hinaus zwischen den Bundesländern. Den besten Schlaf hat Bremen, das mit 80,7 Punkten das Regionen-Ranking anführt, gefolgt von Rheinland-Pfalz (79,2) und dem Saarland (79,1). Die Bremer äußern die höchste subjektive Zufriedenheit mit dem Schlaf in ganz Deutschland. Sie schlafen länger als der Durchschnitt. Während 43 Prozent der Deutschen sagen, dass sie tagsüber ein Nickerchen machen, sind es in Bremen nur 33 Prozent. Das ist der niedrigste Wert. Zudem sehen die Bremer vor dem Einschlafen weniger fern, nutzen seltener ihr Smartphone und essen selten noch etwas. Bremen hat auch die wenigsten Einwohner mit nächtlichen Atemaussetzern, der sogenannten Schlafapnoe. Das spricht für einen entspannten Schlaf.

Am schlechtesten wird in Bayern (68,8 Punkte), Sachsen-Anhalt (68,7) und in Berlin (68,5 Punkte und letzter Platz) geschlafen. Nirgendwo fühlen sich die Deutschen nach dem Aufwachen matter als in Bayern. 43 Prozent der Bayern würden gerne länger schlafen (der höchste Wert in der Republik). Die Bayern haben den höchsten Schlaf­­mittelkonsum deutschlandweit und auch den größten Anteil an Schnar­chern. Etwa jeder Zweite legt sich oft oder zumindest gelegentlich tagsüber ins Bett – im Bundesdurchschnitt sind es nur 43 Prozent.

Das Schlusslicht Berlin leidet unter dem Großstadt-Malus. Die größere Lärmbe­läs­tigung, höhere Außentemperaturen und der größere Arbeitsstress in Metropolen wirken sich generell negativ auf den Schlaf aus. Die Berliner sind überdurchschnittlich unzufrieden mit ihrem Schlaf. Mit 14 Prozent werden in keiner anderen Stadt so häufig finanzielle Sorgen als Grund für Schlaf­probleme angegeben wie in Berlin. Bundesweit liegt dieser Wert bei acht Pro­zent.

© gie/aerzteblatt.de
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