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AWMF stellt frühe Nutzenbewertung infrage

Donnerstag, 25. Mai 2017

/WavebreakmediaMicro, stock.adobe.com

Berlin – Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesell­schaften (AWMF) hat dafür plädiert, die Methodik der frühen Nutzenbewertung zu überarbeiten. Obgleich das Verfahren grundsätzlich geeignet sei, um unnötige Kosten im Gesundheitswesen zu vermeiden, berge die derzeitige Methodik jedoch Schwächen, die Innovationen bremsen könnten, warnte AWMF-Präsident Rolf Kreienberg.

In einem bei der AWMF-Delegiertenkonferenz in Frankfurt vorgestellten Positions­papier kritisierten die Fachgesellschaften beispielsweise, dass die Nutzenbewertung das Patientenwohl unzureichend berücksichtige. Trage ein neues Arzneimittel zu einer geringeren Krankheitsbelastung und einer höheren Lebensqualität bei, werde dies im bisherigen Verfahren nicht ausreichend erfasst. „Wir brauchen eine höhere Gewichtung von Funktionstests, Verbesserung bei Alltagsfunktionen oder belastenden Symptomen“, verwies Bernhard Wörmann, Vorsitzender der AWMF-Ad-hoc-Kommission „Nutzen­bewertung“.

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Gemeinsam mit rund 20 Vertretern medizinischer Fachgesellschaften hatte er die 224 bis Ende 2016 abgeschlossenen Verfahren analysiert und dabei unterschiedliche methodische Mängel ermittelt. Dazu gehört beispielsweise das Ungleichgewicht der Bewertungen zwischen den verschiedenen Fachgebieten, „das nicht allein durch Unterschiede in Design und Qualität der zugrundeliegenden Studien zu erklären ist“, kritisierte Wörmann.

So habe der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) knapp der Hälfte (45 Prozent) der untersuchten Medikamente aus den Bereichen Onkologie, Infektiologie oder Pneumo­logie keinen Zusatznutzen bescheinigt; in der Diabetologie, Neurologie oder Ophthal­mologie lag die entsprechende Quote dagegen bei fast 90 Prozent. Nach Einschätzung der Kommission ist dies vor allem in der unterschiedlichen Bewertung der Studienend­punkte begründet.

Kritisch sehen die Experten zudem das Verfahren der Preisbildung, das heute weder rechtssicher noch transparent sei. „Die von der Ad-hoc-Kommission analysierten Entwicklungen stellen den langfristigen Wert des Verfahrens in Frage, wenn nicht methodisch nachgebessert wird“, bilanzierte AWMF-Präsident Kreienberg. © hil/sb/aerzteblatt.de

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