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Ärzteschaft

Auftrag für Konzeptpapier zur Allgemeinmedizin

Mittwoch, 24. Mai 2017

Freiburg – Die Delegierten des 120. Deutschen Ärztetages haben Bundes­ärzte­kammer und die zuständigen Gremien aufgefordert, ein Konzept- sowie ein Positionspapier zur künftigen hausärztlichen Versorgung zu erarbeiten. Dieses Konzept soll eine Zukunfts­perspektive für die künftige Tätigkeit und die hausärztliche Versorgung aufzeigen.

Die sollen nach dem Willen der Delegierten von sieben Leitgedanken getragen werden: Zum einen soll es eine „stärkere Ausrichtung der hausärztlichen Versorgung auf die Betreuung und Behandlung chronisch kranker Patientinnen und Patienten“ geben. Ebenso sollen andere Berufsgruppen in die Teams von Hausarztpraxen integriert werden.

„Die hausärztlich geleiteten interprofessionellen Praxisteams stellen eine wegwei­sende Möglichkeit dar, die Praxisstrukturen breiter aufzustellen und andere Berufsgruppen stärker als bisher und zugleich koordiniert in die Versorgung einzu­beziehen“, heißt es in dem Beschluss. Außerdem sollen in dem Konzeptpapier die „intra- und interprofessionellen regionalen Versorgungsstrukturen“ weiterentwickelt werden, sowie die Zusammenarbeit mit Krankenhäusern.

Im Zuge dessen sollen auch die Kooperationen mit der Gesundheits-, Pflege- und Sozialberatung vor Ort ausgebaut werden. Dazu zählen auch E-Health und telemedi­zinische Strukturen. Die Gesundheitskompetenz der Patienten und ihres sozialen Umfeldes sollen gefördert werden. Zu dieser Zukunftsperspektive gehöre auch eine „Anpassung der Vergütungsstruktur an die veränderten Versorgungskonzepte“, heißt es in dem Beschluss.

Dieser Beschluss beruht auf vorhergehenden Diskussionen der Ärztetage in Kiel (2011) und Nürnberg (2012) sowie auf der Arbeit der Akademie für Allgemeinmedizin in der Bundes­ärzte­kammer. In diesen Gremien soll auch das Konzeptpapier erarbeitet werden.

In der Debatte zum Antrag hatten vor allem Vertreter der Fachärzte gefordert, den Antrag auf weitere Facharztgruppen auszuweiten. Überwiegend die Gynäkologen und Pädiater plädierten dafür. Viele Vertreter der Hausärzte argumentierten, dass mit dem Beschluss „die Fachärzte nicht zurückgesetzt werden würden“, erklärte Erik Bodendieck, Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer Sachsen. Auch Gerald Quitterer aus Bayern sieht in dem Papier „keine Monopolstellung für Hausärzte. Es ist eine Perspek­tive, die wir für die Zukunft brauchen“, erklärte er von den Delegierten.

Gemeinsam mit dem Beschluss wurde auch die Stärkung der Unabhängigkeit medi­zinisch-ärztlicher Entscheidungen für angestellte Ärztinnen und Ärzte gefordert. „Angestelltenverträge, die geeignet sind, die Unabhängigkeit der ärztlichen Entschei­dung einzuschränken, sind nicht akzeptabel“, erklärten die Delegierten. Auch wird in dem Antrag darauf hingewiesen, dass Anreize in Verträgen mit dem Ziel, die Behand­lungsentscheidungen zu beeinflussen, der Berufsordnung widersprechen. Die Delegierten sehen mit Sorge, dass sich in immer mehr Bereichen der ambulanten Versorgung „konzernartige Strukturen ausbilden, oft in der Hand renditeorientierter Unternehmen.“ Sie befürchten eine Einschränkung der freien Arztwahl in einzelnen Regionen, ebenso könnten sich jüngere Ärztinnen und Ärzte in einigen Regionen kaum noch niederlassen, da Arztsitze von Unternehmen aufgekauft werden. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordern die Ärztetags-Delegierten den Gesetzgeber sowie die Selbstverwaltung auf, „dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten“ und „die Größe solcher Strukturen zu begrenzen“. © bee/aerzteblatt.de

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