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Ärzteschaft

Digitalisierung: Fernbehandlung als ärztliche Aufgabe selbst in die Hand nehmen

Donnerstag, 25. Mai 2017

Ulrich Clever /Gebhardt

Freiburg – Telemedizinische Anwendungen sind ein fester Bestandteil der Versorgung in Deutschland und in berufsrechtlicher Hinsicht unproblematisch. Bislang sah das Berufsrecht der Ärztekammern jedoch ein Verbot der sogenannten ausschließlichen Fernbehandlung vor. In Baden-Württemberg ist das seit Ende 2016 anders. „Modell­projekte, insbesondere zur Forschung, in denen ärztliche Behandlungen ausschließlich über Kommunikationsnetze durchgeführt werden“, sind dort nach § 7 Absatz 4 der Berufsordnung künftig erlaubt, sofern die Lan­des­ärz­te­kam­mer die Projekte genehmigt hat und evaluiert. In einem Modellprojekt erprobt die Lan­des­ärz­te­kam­mer daher jetzt die Fernbehandlung, ohne dass im Vorfeld dabei ein direkter Arzt-Patienten-Kontakt stattgefunden haben muss.

Ulrich Clever, Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg, berichtete vor dem Deutschen Ärztetag über die neu geschaffenen Möglichkeiten. Demnach ermöglicht das Modell beispielsweise die Anamnese und Befunderhebung per Telefon. „Wir wollen für unsere Kammermitglieder dieses Geschäftsfeld seriös und unter Wahrung der berufsrechtlichen Rahmenbedingungen sichern“, erklärte Clever. „Und wir wollen für unsere Patienten eine moderne und allzeit verfügbare Methode der Kontakt­aufnahme, der Beratung, der medizinischen und therapeutischen Hilfe schaffen.“

Unter Genehmigungsvorbehalt der Lan­des­ärz­te­kam­mer

Was dadurch vermieden werden solle, sei, „dass in Amerika, Indien oder London angerufen wird und keiner weiß, ob sich am anderen Ende der Leitung ein Arzt befindet, ob dieser richtig dokumentiert, ob er haftpflichtversichert ist, die Daten nicht an Big Data weiterleitet und das Patientengeheimnis verrät“. Deshalb gelte es, dies als ärztliche Aufgabe selbst in die Hand zu nehmen und unter dem Genehmigungs­vorbehalt der Lan­des­ärz­te­kam­mer die Tür einen Spalt weit zu öffnen.

Mehrere Modellprojekte für baden-württembergische Ärzte und Patienten seien in der Pipeline und würden von der Lan­des­ärz­te­kam­mer geprüft, berichtete der Kammer­präsident. Ein Kriterienkatalog der Lan­des­ärz­te­kam­mer soll dabei die Einhaltung von medizinischen Standards sowie von Datenschutz- und Qualitätsanforderungen sicherstellen. Die ausschließliche Fernbehandlung werde den Arzt nicht ersetzen, betonte Clever. Vielmehr sei diese auch ein Weg, Patientenbindung herzustellen. Unnötige Arztbesuche würden zudem eher herausgefiltert, es werde vorsortiert und triagiert werden.

Berufs­rechtliche Belange beachten

Der Deutsche Ärztetag hat die Durchführung von Modellprojekten zur Fernbehandlung begrüßt und die Bundes­ärzte­kammer aufgefordert zu prüfen, ob die (Muster)Berufs­ordnung für Ärzte um einen Zusatz ergänzt werden kann, wonach die Ärztekammern in besonderen Einzelfällen Ausnahmen für definierte Projekte mit wissenschaftlicher Evaluation zulassen können. Dabei müsse aber sichergestellt sein, dass berufs­rechtliche Belange nicht beeinträchtigt werden, forderten die Delegierten. Auch dürften Patienten nicht in vermeintlich einfachere und kostengünstige Lösungen gedrängt werden, sondern müssten der Fernbehandlung zustimmen. Die Möglichkeit des direkten Arzt-Patienten-Kontaktes sei zudem flächendeckend weiter zu gewähr­leisten. © KBr/aerzteblatt.de

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