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Ärzteschaft

Physician Assistant: Ärztetag befürwortet Modell zur Delegation

Donnerstag, 25. Mai 2017

Theodor Windhorst /Gebhardt
Freiburg – Der 120. Deutsche Ärztetag in Freiburg hat das Delegationsmodell „Physician Assistant“ (PA) zur Arztentlastung und -unterstützung befürwortet, das die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) im Auftrag früherer Ärztetage erarbeitet haben. Das Modell soll nun in allen Landes­ärztekammern, in denen entsprechende Studiengänge existieren oder eingerichtet werden, als Grundlage für die Zusammenarbeit mit den Hochschulen dienen.

Beim PA handle es sich um einen medizinischen Assistenzberuf, der seit vielen Jahrzehnten vor allem in den USA und weiteren angloamerikanischen Ländern, seit etwa 15 Jahren auch in den Niederlanden, etabliert sei, heißt es zur Erklärung in dem Konzept. Der Arzt übertrage dem PA delegierbare Aufgaben und werde so für seine Kernaufgabe entlastet und unterstützt. Der PA sei dem ärztlichen Dienst unterstellt. Der Einsatzbereich liege derzeit in der stationären Versorgung.

Windhorst: „Ärzteschaft muss das Thema proaktiv angehen“

Seit mehreren Jahren werden auch in Deutschland Ausbildungen zum Physician Assistant angeboten. „In Deutschland gibt es seit 2008 an zehn überwiegend privaten Hochschulen und Fachhochschulen den Bachelor-Studiengang „Arztassistent“ (Physician Assistant)“, heißt es in einem Beschluss. „Bis dato wurden circa 300 Arztassistenten ausgebildet. 260 Studierende sind aktuell in diesen Studiengängen immatrikuliert. Derzeit gebe es insofern nur relativ wenig ausgebildete Arztassistenten. Die Zahl der aktuell eingeschriebenen Studierenden belege aber, dass die Qualifikation in Zukunft einen starken Zulauf haben werde. Dabei sei absehbar, dass ein zukünftiges Berufsfeld der Arztassistenten auch die Praxen von Vertragsärzten sein würden. 

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„Wir befinden uns in einem sehr schnell fahrenden Zug“, betonte der Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, Erik Bodendieck. Zurzeit sprössen überall im Land Hochschulen aus dem Boden, die eine Ausbildung zum Physician Assistant anbieten. Der Hintergrund des vorgelegten Konzeptes sei es, die darin beschriebenen Qualifika­tionen für PAs in die Ausführungsgesetze der Bundesländer zu bringen, um einheitliche Ausbildungsbedingungen zu erhalten.

Und Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, betonte, dass die Ärzteschaft dieses Thema proaktiv angehen müsse, um Einfluss auf die Inhalte der Ausbildung sowie auf das Niveau der Ausbildung nehmen zu können. 

Hochschulen sollen Vorgaben von BÄK und KBV freiwillig übernehmen

Hochschulen, die den akademischen Grad „Physician Assistant“ verleihen, sollen sich dem Konzept zufolge freiwillig dazu verpflichten, die genannten Vorgaben einzuhalten, die gemeinsam und einheitlich mit den Ärztekammern abgestimmt wurden. Zu diesen Vorgaben gehört dem Konzept zufolge die Durchführung des Studiums in Form von Präsenzstudiengängen oder, dass die in der Praxis erlernten Tätigkeiten mittels eines Logbuchs unter ärztlicher Aufsicht dokumentiert werden. Zudem sollen die Lehrveran­staltungen, außer bei Fremdgebieten wie dem Medizinrecht, von ärztlichen Dozenten durchgeführt werden. Die Ausbildung soll nur beginnen dürfen, wer zuvor eine drei­jährige Ausbildung zu einem Gesundheitsfachberuf erfolgreich abgeschlossen hat.

Explizit forderte der Deutsche Ärztetag den BÄK-Vorstand und die KBV dazu auf, „alles dafür zu tun, dass der Studiengang zum Arztassistenten kein grundständiges Studium wird“, also kein Studium, dass alleine berufsqualifizierend ist, „sondern eine akade­mische Weiterbildung auf einen vorhandenen Ausbildungsberuf wie Altenpfleger oder Krankenpfleger“. Denn ein grundständiges Studium würde einen zusätzlichen Gesund­heits­beruf in das System einführen und damit die Heterogenität weiter erhöhen – mit allen zu erwartenden Schnittstellen- und Kommunikationsproblemen.

Ärztetag: Diagnose und Therapie sind nicht delegierbar

Konkret werden in dem Konzept von BÄK und KBV als Aufgaben von Physician Assis­tants zum Beispiel die vorbereitende Erhebung der Krankengeschichte sowie ihre Dokumentation, die Einordnung typischer Laborbefunde, die Mitarbeit bei Endosko­pien, die Anlage und vorbereitende Auswertung von Langzeitblutdruckmessungen, das Legen peripherer Gefäßzugänge oder das Anlegen von Infusionen und die Applikation von Medika­men­ten genannt. Hinzu kommen das Vor- und Nachbereiten des OP- und des Instru­men­ten­tischs, das Vorbereiten und die Aufklärung zur Narkose, die zweite chirurgische Assistenz bei Opera­tionen oder die Durchführung einfacher Wundverschlüsse.

Physician Assistants sollen bei Notfallbehandlungen mitwirken, Ärzte bei der Erläute­rung von Diagnosen oder beim Compliancemanagement unterstützen oder Einwei­sungs­unterlagen strukturieren und dabei Unterlagen und Befunde vervollständigen. Sie sollen sich im Rahmen des Prozessmanagements um den Einkauf, die Lagerung und die Logistik kümmern oder klinische Verläufe dokumentieren, OP-Berichte oder Epi­krisen vorbereiten oder bei der DRG-Kodierung assistieren.

Zu den Leistungen, die der Arzt nicht an PAs delegieren darf, gehören dem Konzept zufolge die Anamnese, die Indikationsstellung, die Untersuchung des Patienten einschließlich invasiver diagnostischer Leistungen, das Stellen der Diagnose, die Aufklärung und die Beratung des Patienten, die Entscheidung über die Therapie und die Durchführung invasiver Therapien einschließlich der Kernleistungen operativer Eingriffe.

In diesem Zusammenhang lehnte der Deutsche Ärztetag erneut die Substitution ärztlicher Leistungen und Aufgaben durch nichtärztliche Gesundheitsberufe ab.

Mehr Dokumentationsassistenten führten zur Streichung ärztlicher Stellen

Kritik an Teilen des Konzeptes kam von Julian Veelken von der Ärztekammer Berlin. In dem Papier stehe, dass Ärzte durch die PAs mehr Zeit für die Patienten erhalten sollten. „Als in Krankenhäusern Dokumentationsassistenten eingeführt wurden, um die Ärzte zu entlasten, hat die Geschäftsführung in der Folge die Zahl der Ärzte reduziert“, gab er zu bedenken. „Das ist Betriebswirtschaft.“ Ein unter anderem von ihm gestellter Antrag, in dem bestimmte vorgesehene Tätigkeiten der PAs wie die zweite Assistenz bei Opera­tionen oder das Vorbereiten des OP-Berichts kritisch gesehen werden, wurde zur weiteren Befassung an den Vorstand der BÄK überwiesen. © fos/aerzteblatt.de

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