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Medizin

Gentest bestimmt Indikation: FDA erlaubt Pembrolizumab bei allen soliden Tumoren

Donnerstag, 25. Mai 2017

ibreakstock stock.adobe.com

Silver Spring – US-Onkologen dürfen den Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab künftig als Therapie der letzten Wahl bei allen metastasierten soliden Krebsarten einsetzen, deren Zellen eine ausgeprägte Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) oder einen Mangel an DNA-Mismatch-Reparaturproteinen (dMMR) aufweisen. Es ist das erste Mal, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA den Einsatz eines Medikaments organübergreifend allein auf der Grundlage eines gemeinsamen Biomarkers zugelassen hat.

Bisher wurden Krebsmedikamente nur für Krebserkrankungen an bestimmten Orten, etwa Lunge oder Darm, zugelassen, und der Einsatz konnte auf bestimmte histologische Gewebetypen, etwa Adenokarzinom oder Plattenepithelkarzinom, beschränkt sein. Bei den neueren immunologischen Krebsmedikamenten sind die Organgrenzen in den letzten Jahren fließend geworden. Wichtig sind weniger der Entstehungsort und die histologischen Merkmale als die genetischen Eigenschaften.

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MSI-H und dMMR zeigen an, dass die Krebszellen die Fähigkeit zur DNA-Reparatur verloren haben. Die Folge ist nicht nur ein besonders aggressives Wachstum. Der Verlust der DNA-Reparatur führt infolge von Mutationen auch zur ständigen Entstehung neuer Antigene auf der Oberfläche der Krebszellen. Dies weckt die Aufmerksamkeit der zellulären Immunabwehr, die die Krebszellen anhand der Neoantigene als fremd erkennt. Tumore mit MSI-H und dMMR zeichnen sich häufig durch die Anwesenheit von infiltrierenden Lymphozyten aus. Die Aktivität dieser Zellen kann durch Checkpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab gestoppt werden. 

Tumore mit MSI-H und dMMR treten am häufigsten beim Kolorektalkarzinom, beim Endometriumkarzinom und bei gastrointestinalen Krebsarten auf. Beim metas­tasierenden Darmkrebs liegt der Anteil bei 5 Prozent. Seltener werden die Defekte bei Krebserkrankungen in Brustdrüse, Prostata, Blase oder Schilddrüse gefunden. Der Nachweis erfolgt mit speziellen Tests am Gewebe des Primärtumors.

Die Wirksamkeit von Pembrolizumab wurde an 149 Patienten mit 15 unterschiedlichen Krebsformen untersucht. Die Patienten hatten an fünf klinischen Studien teilge­nommen, in denen zunächst die Wirksamkeit bei bestimmten Tumorarten geprüft worden war. Den Prüfärzten fiel jedoch auf, dass Patienten mit MSI-H und dMMR unabhängig vom Ursprungsort die besten Ergebnisse erzielten. Laut FDA erreichten 39,6 Prozent der Patienten eine Teil- oder Vollremission, und bei 78 Prozent dieser Patienten hielt die Remission länger als sechs Monate an.

Dies veranlasste die FDA jetzt, die Indikation von Pembrolizumab auf die Behandlung von erwachsenen und pädiatrischen Patienten mit nicht resezierbaren oder metastas­ierten soliden Tumoren auszuweiten, unabhängig von ihrer Herkunft. Bislang war Pembrolizumab beim Melanom, beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs, bei Kopf-Halstumoren, beim Hodgkin-Lymphom und bei Urothelkarzinomen zugelassen.

Weitere Einzelheiten zu den Studienergebnissen wurden in Science (2017; doi: 10.1126/science.aan6733) veröffentlicht. Danach erzielt Pembrolizumab in einer Studie bei 66 von 86 Patienten, die an 12 unterschiedlichen Krebsarten litten, eine Remission. Darunter waren 18 Vollremissionen. Elf Patienten hätten die Medikamente abgesetzt und seien seit durchschnittlich 8,3 Monaten ohne Rezidiv.

Dung Le vom Kimmel Institute for Cancer Immunotherapy in Baltimore führen die Wirkung auf die Bildung von Neoantigenen zurück, die sich infolge der vermehrten Mutationen im Tumor auf der Oberfläche der Zellen bilden. Die Forscher schätzen, dass die Behandlung in den USA für 60.000 Krebspatienten infrage käme, sofern diese die Kosten für das Medikament Keytruda aufbringen können, die in den USA laut Presseberichten bei 156.000 US-Dollar pro Jahr liegen (In Deutschland zwischen 109.000 und 117.000 Euro)

© rme/aerzteblatt.de

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