NewsMedizinFersenschmerz: Extrakorporale Stoßwellentherapie besser als Ultraschall und Iontophorese
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Fersenschmerz: Extrakorporale Stoßwellentherapie besser als Ultraschall und Iontophorese

Freitag, 26. Mai 2017

Eine Reizung und Entzündung der Sehnenplatte in der Fußsohle kann zu Gewebsveränderungen und damit zu Fersenschmerzen führen. / SENTELLO, stock.adobe.com

Köln – Im November 2016 hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) seinen Vorbericht zum Nutzen einer Fersenschmerz-Behandlung mit extrakorporaler Stoßwellentherapie (ESWT) veröffentlicht. Die anschließend eingegangenen Stellungnahmen und die Auswertung einer weiteren Studie haben dessen Ergebnisse bestätigt: Laut dem jetzt veröffentlichten Abschlussbericht gibt es im Vergleich zu Scheininterventionen für den Endpunkt Schmerz einen Beleg und für den körperlichen Funktionsstatus einen Anhaltspunkt für einen Nutzen. Gegenüber aktiven Vergleichstherapien ist das Ergebnis jedoch durchwachsen.

ESWT: Eine schmerzhafte Behandlung

Stoßwellen sind stark gebündelte Druckwellen, die Schallwellen ähneln. Sie werden unter anderem zur Zertrümmerung von Nierensteinen eingesetzt. Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie wird in der Regel die schmerzhafteste Stelle am Fuß behandelt. Die Stoßwellen sollen die Zellen zur Bildung von Zytokinen anregen und den Zellumsatz erhöhen; das Bindegewebe soll dadurch schneller heilen.

Für gewöhnlich werden über ein bis zwei Wochen etwa drei bis fünf Sitzungen durchgeführt. Ab einer gewissen Intensität kann die Behandlung mit Stoßwellen schmerzhaft sein, sodass die Stelle vorher lokal betäubt wird.

Anzeige

Fersenschmerzen können sowohl beim Anlaufen als auch nach längeren oder stärkeren Belastungen auftreten. Verschwinden die Schmerzen nicht von selbst, kommen verschiedene Behand­lungen infrage, etwa Schuheinlagen, Dehnübungen, Medikamente oder Physiotherapie. Halten die Schmerzen länger an, kann eine ESWT helfen oder eine Operation.

In einigen Vergleichen zeigten sich Vorteile der ESWT, in anderen Nachteile oder aber keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen. Unklar bleibt, wie viel Energie nötig ist, um die positive Wirkung zu erzielen und zugleich die Nachteile der Behandlung zu minimieren.

Therapien im Vergleich

Umso wichtiger ist es, diesen Nachteil genau gegen die Vorteile der Behandlung abzuwägen. Das IQWiG hat insgesamt 29 Studien ausgewertet, in denen eine ESWT mit einer Scheinbehandlung, mit verschiedenen aktiven Therapien oder aber mit einer anderen ESWT-Variante verglichen wurde.

Aus den 15 Studien, in denen ESWT mit Scheinbehandlungen verglichen wurde, ergaben sich bei den patientenrelevanten Endpunkten Schmerz und körperlicher Funktionsstatus jeweils ein Beleg und ein Anhaltspunkt für einen Nutzen der ESWT. Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität gibt es dagegen keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen.

Bei zwei von sechs aktiven Vergleichstherapien ergaben sich Anhaltspunkte für einen höheren Nutzen der ESWT, und zwar gegenüber Ultraschall und gegenüber Iontophorese plus Einnahme schmerzstillender Mittel. Bei der Iontophorese nimmt die Haut Arzneimitteln mithilfe eines schwachen elektrischen Stroms auf.

Bei zwei weiteren aktiven Vergleichstherapien, nämlich Operation und Ultraschall plus Dehnübungen, fanden sich keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen. Im Vergleich zu Dehnübungen allein und gegenüber Glukokortikoid-Injektionen schnitt die ESWT schlechter ab, wobei ein Publikationsbias nicht ausgeschlossen werden kann: In beiden Fällen gibt es unveröffentlichte Studien.

Optimale Dosis bleibt unklar

Aus den sechs Studien schließlich, in denen verschiedene ESWT-Varianten getestet wurden, ließen sich keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen einer bestimmten Behandlungsweise ableiten. Bei vier dieser Studien wurden Varianten mit hoher und niedriger Gesamtenergiedosis verglichen.

Zwar zeigten sich in drei Studien statistisch signifikante Vorteile der jeweils höheren Gesamtenergiedosis. Aber die niedrigere Dosis war in diesen Fällen so klein, dass es sich womöglich um Scheinbehandlungen handelte. Daher kann aus diesen Untersuchungen keine Empfehlung für eine Behandlungsvariante abgeleitet werden. © gie/idw/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. September 2018
Brüssel – Die Ärzteschaft hat an die Europäische Kommission appelliert, ökonomische Interessen nicht über den Schutz der Gesundheit zu stellen. „Das jüngste Beispiel für diese Fehlentwicklung ist der
Ärzteschaft pocht bei harmonisierter EU-Nutzenbewertung auf Gesundheitsschutz
12. September 2018
Atlanta/Georgia – Chronische Schmerzen sind ein häufiger Beweggrund für einen Suizid. In einer US-Studie hatten fast 9 % der Menschen, die sich das Leben nahmen, chronische Schmerzen in der
Chronische Schmerzen eine häufige Suizid-Ursache
5. September 2018
Aarhus/Dänemark – Die Verordnung von Diclofenac hatte in einer Reihe von „emulierten“ klinischen Studien häufiger schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall zur Folge, als
Diclofenac: Studie bestätigt erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko
31. August 2018
Winston-Salem/North Carolina – Kann ein Opiat, das Schmerzen 100-mal stärker als Morphium lindert, frei von Risiken und Nebenwirkungen sein und sich sogar zur Behandlung einer Opiatabhängigkeit
Bifunktionales Opiat könnte gegen Schmerzen und bei Abhängigkeit helfen
30. August 2018
Ottawa – Angesichts des grassierenden Missbrauchs von Opioiden hat die kanadische Provinz British Columbia mehr als 40 Hersteller und Vertreiber der Schmerzmittel auf Schadenersatz verklagt. Bei der
Kanadische Provinz verklagt Unternehmen wegen Opioid-Überdosen
28. August 2018
Köln – Rund ein Jahrzehnt nach ihrer ersten Nutzenbewertung sind Nutzen und Schaden bei der Vakuumversiegelungstherapie (VVS) bei intendierter sekundärer Wundheilung weiterhin unklar. Zu diesem
IQWiG kritisiert Intransparenz bei Vakuumwundtherapien
22. August 2018
Essen – Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Wissenschaftler des IGeL-Monitors wollten jetzt wissen, ob der M2-PK-Stuhltest Todesfälle durch Darmkrebs verhindern kann,
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER