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Ärzteschaft

Ärzte befürworten hartes Vorgehen gegen Impfgegner

Montag, 29. Mai 2017

Berlin – Die Berliner Ärztekammer unterstützt Pläne der Bundesregierung gegen Impfmuffel. Ein verpflichtendes Impfgespräch vor der Anmeldung eines Kindes in der Kita sei eine richtige Maßnahme, sagte Kammerpräsident Günther Jonitz. Die Idee reiche aber nicht aus. Früher oder später werde Deutschland um die konsequente Einführung einer Impfpflicht nicht herumkommen.

Der Nachweis einer Impfberatung bei der Kita ist seit Inkrafttreten des Präventions­gesetzes Mitte 2015 Pflicht. Demjenigen, der sich hartnäckig weigert, droht schon jetzt eine Geldbuße in Höhe von 2.500 Euro. Die Kitas konnten bislang aber selbst entschei­den, ob sie Eltern, die keine Impfberatung belegen können, beim Gesundheitsamt melden. Am Donnerstag will der Bundestag beschließen, dass diese Meldung künftig Pflicht wird.

Immer wieder Todesfälle

Hintergrund sind unter anderem die steigenden Zahlen von Maserninfektionen, die weder für Kinder noch für Erwachsene harmlos sind. Am vergangenen Wochenende war es in Deutschland zum ersten Masern-Todesfall des Jahres gekommen. Eine 37 Jahre alte Frau in Essen starb an der Infektion.

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„Eltern gefährden nicht nur die Gesundheit der eigenen Kinder, sondern auch die Gesundheit der Kinder, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können“, betonte Jonitz. Eine Immunisierung sei eine Maßnahme mit bestem Nutzen und den geringsten Nebenwirkungen. Trotzdem gebe es zunehmend Eltern, die aus fundamen­ta­listischen oder objektiv nicht begründeten Ursachen ihre Kinder nicht impfen lassen wollten, sagte Jonitz dem SWR.

Die Bundesregierung will mit dem geplanten Schritt nicht nur Impfgegner erreichen. Es gehe vor allem um Familien, die Impfungen vergessen oder Beratungsbedarf haben, sagte eine Sprecherin des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums in Berlin. Zudem gebe es nicht nur Kinder, sondern auch viele Erwachsene mit Impflücken. „Da besteht natürlich auch die Hoffnung, dass man diese Erwachsenen mit einer Impfberatung erreicht, und dass die dann die Impfungen nachholen können.“

Eine Impfpflicht, wie sie gerade in Italien eingeführt wurde, hatte Ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) zuletzt ausgeschlossen. In Westdeutschland gab es bis in die 1970er- Jahre allein eine Impfpflicht gegen Pocken, um diese Krankheit auszurotten. In der DDR waren Impfungen dagegen Pflicht. Noch heute sind die Impfquoten in Ost­deutschland höher.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte sich in dieser Woche auch für Schutzimpfungen ausgesprochen. Nach einem Beschluss sollen Gerichte bei unterschiedlichen Auf­fassungen dem Elternteil die Entscheidung über Impfungen überlassen, der dafür ist, weil derjenige „mit Recht als besser geeignet angesehen“ werden könne. Orientie­rungsrichtlinie ist laut BGH die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts. © dpa/kna/aerzteblatt.de

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