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Mehr vermutete, aber weniger festgestellte Behandlungsfehler

Dienstag, 30. Mai 2017

/Gennadiy Poznyakov, stock.adobe.com

Berlin – Die Zahl der ärztlichen Behandlungsfehler ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr von 4.064 auf 3.564 gesunken. Das geht aus einem Gutachten hervor, das der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) und der Medizinische Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) heute in Berlin vorgelegt haben.

In demselben Zeitraum stieg die Zahl der Gutachten zugleich von 14.828 auf 15.094 an, die der MDK nach einem Behandlungsfehlerverdacht durchgeführt hat. Mehr Patienten als im Vorjahr meinten demnach, einen Behandlungsfehler erlitten zu haben. Mehr Patienten als im Vorjahr lagen mit dieser Ansicht jedoch falsch: insgesamt etwa drei Viertel.

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Zwei Drittel der Behandlungsfehlervorwürfe bezogen sich auf Behandlungen im stationären Bereich, ein Drittel im ambulanten Bereich. Mit 33 Prozent bezogen sich die meisten Vorwürfe auf Fälle aus der Orthopädie und Unfallchirurgie, gefolgt von Fällen aus der Inneren Medizin und Allgemeinmedizin (12 Prozent) und der Allgemein- und Viszeralchirurgie (9 Prozent).

Gutachten zu mehr als 1.000 Diagnosen

„Eine hohe Zahl an Vorwürfen lässt jedoch nicht auf eine hohe Zahl an tatsächlichen Behandlungsfehlern schließen“, erklärte Astrid Zobel, Leitende Ärztin des MDK Bayern, heute bei der Vorstellung des Gutachtens. Es seien Gutachten zu mehr als 1.000 verschiedenen Diagnosen angefertigt worden.

In 40 Prozent der vom MDK bestätigten Behandlungsfehler wurde eine Maßnahme nicht durchgeführt, in weiteren elf Prozent wurde sie zu spät vorgenommen. In 39 Prozent der bestätigten Behandlungsfehler wurde eine Maßnahme fehlerhaft durchgeführt und in zehn Prozent wurde eine falsche Maßnahme angewendet, die entweder nicht indiziert oder kontraindiziert war.

Trotz erkennbarer Fortschritte müsse die Fehlerprävention in Deutschland systematisch weiterentwickelt werden, meinte der Leitende Arzt und stellvertretende Geschäftsführer des MDS, Stefan Gronemeyer. Die Einführung einer Meldepflicht von Behandlungsfehlern sei dabei ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Sicherheitskultur.  

Die Krankenhäuser stellten sich aktiv der Diskussion über die Qualität der Versorgung und auch über Fehler, kommentierte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft das Gutachten. „Es wäre aber auch angezeigt, dass die Kostenträger die Fehlerproblematik ins richtige Verhältnis setzen und damit nicht Verunsicherung betreiben, zumal die Quote rückläufig ist“, betonte Georg Baum. 2.585 Fehler im stationären Bereich bei etwa 40 Millionen durchgeführten Behandlungen ergäben eine Quote  von 0,01 Prozent.

Zwang der falsche Weg

Die Ärztekammer Berlin erteilte der Forderung des MDS nach einer Meldepflicht umgehend eine Absage. Die Annahme, die Meldepflicht würde die Sicherheitskultur in Kliniken und Praxen erhöhen, sei falsch. Das Gegenteil sei der Fall, erklärte Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin. „Fehler lassen sich prospektiv nur dann minimieren, wenn die Beteiligten sich aktiv, in einem angstfreien Klima einbringen und gemeinsam Lösungen umsetzen können“, begründete der Vorsitzende der Qualitätssicherungsgremien der Bundes­ärzte­kammer.

Er warf dem MDS vor, die Thematik nicht verstanden zu habe. „Mit einer Meldepflicht gegen Dunkelziffern angehen zu wollen, ist grotesk und würde einen klaren Rückschritt in der Entwicklung von Patientensicherheit und Sicherheitskultur in Deutschland bedeuten“, so Jonitz weiter. Die großen Erfolge für die Patientensicherheit in Deutschland seien auf eben diese konstruktiven Werte zurückzuführen. „Die beispielhafte Arbeit von freiwilligen Initiativen wie das Aktionsbündnis Patientensicherheit, CIRS-Medical oder CIRS-Berlin haben gezeigt, dass dies der richtige Weg ist“, betonte Jonitz. © fos/aerzteblatt.de

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