Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege sind das A und O

Donnerstag, 1. Juni 2017

Berlin – Dass das Pflegepersonal in Deutschland vielfach überlastet ist, ist nicht neu und hinlänglich bekannt. Gestern stellten Experten im Bundestag wiederholt klar, dass die Arbeitsbedingungen deutlich und dauerhaft verbessert werden müssen. Anlass war eine öffentlichen Anhörung des Gesundheitsausschusses über einen Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Den Experten zufolge kommt es durch Personalmangel zu einer Arbeitsverdichtung, in der Folge zu Konflikten am Arbeitsplatz und in vielen Fällen zur Aufgabe des Jobs, was das Personalproblem wiederum verschärft. Die Experten merkten aber auch an, dass es auf dem Arbeitsmarkt zu wenige Pflegefachkräfte gibt, die in Krankenhäusern, Alten­heimen oder Pflegediensten angestellt werden könnten.

Personalbemessungsgrenzen thematisiert

Die Grünen-Fraktion erklärte in ihrem Antrag, trotz des Personalmangels fehlten wirk­same gesetzgeberische Initiativen, um die prekäre Lage in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern nachhaltig zu lösen. Dringend entwickelt, erprobt und eingeführt werden müssten bundesweit verbindliche Personalbemessungsregelungen für Krankenhäuser sowie die ambulante und stationäre Pflege. Die Zahlung tarifvertraglich vereinbarter Gehälter müsse erleichtert werden.

Nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz müssen zur Verbesserung der Lage langjährige Fehlentwicklungen korrigiert werden. Die derzeit geplanten Personal­untergrenzen für pflegesensitive Bereiche im Krankenhaus seien nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“.  Bundeseinheitliche Personalschüssel sollten zügig eingeführt werden. Für Pflegeheime und Krankenhäuser müssten im Sinne der Patienten und Pflegebedürftigen sofort wirksame Initiativen ergriffen werden.

Mehr Ärzte, weniger Pflegekräfte

Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) machte deutlich, dass die Pflege im Krankenhaus seit mehr als 20 Jahren „einen erheblichen Aderlass“ verkraften muss. In dieser Zeit habe es einen gigantischen Umverteilungsprozess zugunsten der Ärzte und zuungunsten der Pflegekräfte gegeben. Die Gesamtpersonalkosten für Ärzte an Krankenhäusern seien seit 2005 um 80 Prozent gestiegen, für das Pflegepersonal hingegen nur um rund 25 Prozent.

2013 seien erstmals die Gesamtpersonalkosten für Ärzte an Kliniken höher ausgefallen als die für das gesamte Pflegepersonal. Zudem weise die Bundesagentur für Arbeit schon seit Jahren in fast allen Teilen Deutschlands einen „leer gefegten“ Arbeitsmarkt aus. Ein Vertreter der Deutschen Krankenhaus­gesellschaft (DKG) hielt dagegen, seit 2007 steige die Zahl der Pflegestellen wieder an. Heute seien rund zehn Prozent mehr Pflegekräfte an den Kliniken angestellt als vor zehn Jahren.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) forderte „eine Antwort darauf, wie eine qualitativ begründete Pflege und Betreuung bei der absehbaren demo­grafischen Entwicklung realisiert werden“ könne. Wichtig seien gute Arbeitsbedingun­gen und eine angemessene Vergütung für die Pflegefachkräfte. Dies sei jedoch Aufgabe der Einrichtungen beziehungsweise der Tarifpartner.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV-Spitzenverband) wies darauf hin, dass bis Mitte 2020 ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur einheit­lichen Personalbemessung in Pflegeeinrichtungen entwickelt und erprobt werde. Was die Krankenhäuser betreffe, seien „undifferenzierte übergreifende gesetzliche Perso­nal­vorgaben“ für alle Bereiche abzulehnen. Entscheidungsspielräume der Kliniken müssten erhalten bleiben. In „qualitätskritischen Bereichen“ sollten jedoch Mindest­anforderungen an die Personalausstattung gestellt werden. In den Kliniken werde beim Pflegepersonal im Übrigen gespart, weil die Länder ihren Investitionsverpflichtungen nicht nachkämen. Unterstützt werde das Ziel, das Berufsbild in der Pflege attraktiver zu gestalten.

Nach Ansicht des Gesundheitsökonomen Stefan Greß von der Hochschule Fulda ist das Personalproblem zu gravierend, um eine Lösung erst 2020 anzubieten. Dieser lange Übergangszeitraum sei angesichts der schwierigen Personallage in den Pflegeeinrich­tungen, der damit verbundenen Belastungen für die Pflegekräfte und der daraus resultierenden Gefährdung der Pflegequalität „nicht akzeptabel“. Er forderte, dass „schnellstmöglich bundesweit verbindliche Personalbemessungsregelungen auch für die Langzeitpflege umgesetzt werden“. © hib/EB/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

06.12.17
Care-Slam: ZDF-Kabarettsendung lässt Pflegerin zu Wort kommen
Berlin – Poetry-Slam und Science-Slam werden seit etwa zwei Jahren durch eine dritte Kunstform ergänzt – den Care-Slam. Wie das Konzept funktioniert, zeigte gestern die Pflegerin Sabrina Maar in der......
04.12.17
Gastroenterologen: Bei Diskussion um Pflegekräftemangel medizinische Fachangestellte nicht vergessen
Ulm – Die medizinischen Fachangestellten (MFA) bei der Diskussion um den Pflegekräftemangel nicht auszuklammern, hat der Berufsverband der niedergelassenen Gastroenterologen (bng) in einem Brief an......
27.11.17
Marburger Bund fordert verpflichtende Personalstandards auf Intensivstationen
Berlin – Krankenhäuser müssen nach einer Forderung des Marburger Bundes (MB) verpflichtet werden, ausreichend Personal auf Intensivstationen vorzuhalten. „In den Kliniken werden zunehmend mehr......
24.11.17
Gericht: Ein Nachtpfleger für 60 Heimbewohner ist zu wenig
Cottbus – In einem Pflegeheim mit 50 bis 60 Bewohnern genügt es nicht, wenn ein einzelner Krankenpfleger die Nachtwache übernimmt. Das urteilte das Verwaltungsgericht Cottbus. Wie das Gericht heute......
23.11.17
Ministerin: Höhere Gehälter in der Pflege durch Steuern finanzieren
Mainz – Die oft sehr niedrigen Gehälter in Pflegeberufen könnten nach Ansicht der rheinland-pfälzischen Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) mit Steuermitteln aufgebessert werden. Es......
09.11.17
Fachkräftemangel im Gesundheitswesen am größten
Berlin – In Deutschland gibt es zahlreiche Branchen, in denen Unternehmen und andere Akteure nach Fachkräften suchen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung –......
08.11.17
Abwerbeprämien für Pflegepersonal nicht selten
Stuttgart – Die Krankenhäuser in Baden-Württemberg greifen zu immer drastischeren Methoden, um ihre Pflegestellen zu besetzen. Abwerbeprämien von mehreren Tausend Euro pro Kopf seien keine Seltenheit,......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige