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Politik

Bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege sind das A und O

Donnerstag, 1. Juni 2017

Berlin – Dass das Pflegepersonal in Deutschland vielfach überlastet ist, ist nicht neu und hinlänglich bekannt. Gestern stellten Experten im Bundestag wiederholt klar, dass die Arbeitsbedingungen deutlich und dauerhaft verbessert werden müssen. Anlass war eine öffentlichen Anhörung des Gesundheitsausschusses über einen Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Den Experten zufolge kommt es durch Personalmangel zu einer Arbeitsverdichtung, in der Folge zu Konflikten am Arbeitsplatz und in vielen Fällen zur Aufgabe des Jobs, was das Personalproblem wiederum verschärft. Die Experten merkten aber auch an, dass es auf dem Arbeitsmarkt zu wenige Pflegefachkräfte gibt, die in Krankenhäusern, Alten­heimen oder Pflegediensten angestellt werden könnten.

Personalbemessungsgrenzen thematisiert

Die Grünen-Fraktion erklärte in ihrem Antrag, trotz des Personalmangels fehlten wirk­same gesetzgeberische Initiativen, um die prekäre Lage in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern nachhaltig zu lösen. Dringend entwickelt, erprobt und eingeführt werden müssten bundesweit verbindliche Personalbemessungsregelungen für Krankenhäuser sowie die ambulante und stationäre Pflege. Die Zahlung tarifvertraglich vereinbarter Gehälter müsse erleichtert werden.

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Nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz müssen zur Verbesserung der Lage langjährige Fehlentwicklungen korrigiert werden. Die derzeit geplanten Personal­untergrenzen für pflegesensitive Bereiche im Krankenhaus seien nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“.  Bundeseinheitliche Personalschüssel sollten zügig eingeführt werden. Für Pflegeheime und Krankenhäuser müssten im Sinne der Patienten und Pflegebedürftigen sofort wirksame Initiativen ergriffen werden.

Mehr Ärzte, weniger Pflegekräfte

Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) machte deutlich, dass die Pflege im Krankenhaus seit mehr als 20 Jahren „einen erheblichen Aderlass“ verkraften muss. In dieser Zeit habe es einen gigantischen Umverteilungsprozess zugunsten der Ärzte und zuungunsten der Pflegekräfte gegeben. Die Gesamtpersonalkosten für Ärzte an Krankenhäusern seien seit 2005 um 80 Prozent gestiegen, für das Pflegepersonal hingegen nur um rund 25 Prozent.

2013 seien erstmals die Gesamtpersonalkosten für Ärzte an Kliniken höher ausgefallen als die für das gesamte Pflegepersonal. Zudem weise die Bundesagentur für Arbeit schon seit Jahren in fast allen Teilen Deutschlands einen „leer gefegten“ Arbeitsmarkt aus. Ein Vertreter der Deutschen Krankenhaus­gesellschaft (DKG) hielt dagegen, seit 2007 steige die Zahl der Pflegestellen wieder an. Heute seien rund zehn Prozent mehr Pflegekräfte an den Kliniken angestellt als vor zehn Jahren.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) forderte „eine Antwort darauf, wie eine qualitativ begründete Pflege und Betreuung bei der absehbaren demo­grafischen Entwicklung realisiert werden“ könne. Wichtig seien gute Arbeitsbedingun­gen und eine angemessene Vergütung für die Pflegefachkräfte. Dies sei jedoch Aufgabe der Einrichtungen beziehungsweise der Tarifpartner.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV-Spitzenverband) wies darauf hin, dass bis Mitte 2020 ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur einheit­lichen Personalbemessung in Pflegeeinrichtungen entwickelt und erprobt werde. Was die Krankenhäuser betreffe, seien „undifferenzierte übergreifende gesetzliche Perso­nal­vorgaben“ für alle Bereiche abzulehnen. Entscheidungsspielräume der Kliniken müssten erhalten bleiben. In „qualitätskritischen Bereichen“ sollten jedoch Mindest­anforderungen an die Personalausstattung gestellt werden. In den Kliniken werde beim Pflegepersonal im Übrigen gespart, weil die Länder ihren Investitionsverpflichtungen nicht nachkämen. Unterstützt werde das Ziel, das Berufsbild in der Pflege attraktiver zu gestalten.

Nach Ansicht des Gesundheitsökonomen Stefan Greß von der Hochschule Fulda ist das Personalproblem zu gravierend, um eine Lösung erst 2020 anzubieten. Dieser lange Übergangszeitraum sei angesichts der schwierigen Personallage in den Pflegeeinrich­tungen, der damit verbundenen Belastungen für die Pflegekräfte und der daraus resultierenden Gefährdung der Pflegequalität „nicht akzeptabel“. Er forderte, dass „schnellstmöglich bundesweit verbindliche Personalbemessungsregelungen auch für die Langzeitpflege umgesetzt werden“. © hib/EB/aerzteblatt.de

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