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Politik

Organspende: Ärzte und Politiker rufen zur Positionierung auf

Freitag, 2. Juni 2017

/shootingankauf, stock.adobe.com

Berlin – Jeder Einzelne in Deutschland sollte sich klar zur Organspende positionieren und seine Entscheidung dokumentieren. Mit diesem Appell haben sich Bundesärzte­kammer (BÄK), Lan­des­ärz­te­kam­mern und weitere Akteure aus der Gesundheitspolitik anlässlich des morgigen Tags der Organspende an die Bevölkerung gerichtet.

„Die 10.000 Patienten auf der Warteliste brauchen mehr Verbindlichkeit bei diesem Thema“, mahnte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery. Alle Menschen seien aufge­rufen, nicht nur die vielfältigen Informationsangebote zur Organspende zu nutzen, sondern auch den entscheidenden Schritt weiter zu gehen und ihre persönliche Ein­stellung zu dokumentieren oder mit Angehörigen zu besprechen. Montgomery verwies darauf, dass die Entscheidung wohlüberlegt sein müsse, aber am Ende getroffen werden sollte. „Den schwerkranken Menschen auf der Warteliste läuft buchstäblich die Zeit davon“, sagte er.

Verstärkte Aufklärung notwendig

„Jede und jeder von uns kann schon morgen in die Situation kommen, eine Organ­spende zu benötigen – sei es durch eine Krankheit oder einen Unfall. Deshalb müssen wir verstärkt aufklären, um mögliche irrationale Ängste und Vorurteile abzubauen“, betonte der Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, Erik Bodendieck. Jeder Mensch sollte sich bewusst für oder gegen eine Organspende entscheiden. Aber nur, wer ausreichend informiert sei, könne eine überlegte Entscheidung treffen.

„Nicht nur die Spender selber, auch die Angehörigen, die gegebenenfalls für einen Patienten entscheiden müssen, retten Menschenleben. Das sollte die Gesellschaft mehr als bisher würdigen“, unterstrich Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer West­falen-Lippe. Auch er rief dazu auf, dass die Menschen ihre Position zur Organspende rechtzeitig klären und vor allem auch dokumentieren. „In einer Situation des Abschied­nehmens von einem lieben Menschen, die für die Angehörigen ohnehin unvorstellbar schwer ist, nimmt ihnen ein ausgefüllter Organspendeausweis zumindest die Last der Entscheidung über eine Spende ab.“

Mehr Anerkennung gefordert

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) hatte bereits gestern an die Bundes­bürger appelliert, sich mit dem Thema zu befassen und einen Organspendeausweis auszufüllen. „Es geht darum, sich zu informieren, zu entscheiden und mit der eigenen Familie darüber zu sprechen“, sagte er. Mehr gesellschaftliche Anerkennung für Organ­spender und ihre Angehörigen wünscht sich der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Axel Rahmel. Die Organspende sei das größte Geschenk, das ein Mensch einem anderen hinterlassen könne. Der Patientenbeauf­tragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), dankte allen Organspendern und deren Familien für eine „großherzige Geste der Nächstenliebe“.

Nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage der Barmer ist die Bereitschaft in der Bevölkerung zur Organspende vorhanden. Auf die Frage, ob sie persönlich zur Organ­spende bereit seien, antworteten 30 Prozent „bestimmt“, „wahrscheinlich ja“ sagten weitere 21 Prozent und „eventuell“ erklärten 31 Prozent. Knapp jeder Fünfte sagte aber auch, er sei „wahrscheinlich nicht“ oder „bestimmt nicht“ zu einer Organspende bereit. Befragt wurden 1.000 Versicherte im Alter von 14 bis 64 Jahren. Der höchste Anteil an Organspendeausweisen findet sich demzufolge bei den 18- bis 25-Jährigen mit 46 Prozent, während sonst nur knapp jeder Dritte ein solches Dokument besitzt.

Nur ein Drittel hat einen Ausweis

Nach einer im vergangenen Jahr erstellten Umfrage der Bundeszentrale für gesund­heitliche Aufklärung haben lediglich 36 Prozent der Bundesbürger ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung dokumentiert. Die Zahl der tatsächlichen Organspenden hatte 2016 einen Tiefpunkt erreicht: Damals spendeten 857 Verstorbene ihre Organe. Die Anzahl der gespendeten Organe lag bei 2.867. Auf eine Million Einwohner gab es im deutschlandweiten Durchschnitt 10,4 Spender, was ebenfalls ein Tiefstwert ist.

Auf ein spezielles Feld, die Hornhauttransplantation, wiesen heute die Augenärzte hin. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) rief dazu auf, potenzielle Organ­spender und Gewebespender häufiger auch auf die Möglichkeit der Hornhautspende hinzuweisen. „Prinzipiell kommt fast jeder Verstorbene – egal ob er Brillenträger war oder an einer Erkrankung litt – als Spender infrage“, sagte Claus Cursiefen von der Sektion Kornea der DOG. Ausnahmen bildeten etwa Menschen, die eine Viruserkran­kung wie Aids oder Hepatitis hätten. Hornhäute, die sich nicht zur Spende eignen, können – wenn dafür ein Einverständnis des Spenders vorliegt – in wissenschaftlichen Studien verwendet werden, damit Augenkrankheiten in Zukunft wirkungsvoller behan­delt werden können.

An die Hornhautspende denken

„Unser wichtigstes Anliegen ist, die Bedeutung der Hornhauttransplantation für unsere Patienten hervorzuheben und ihren Stellenwert im Gesundheitssystem zu sichern“, betont DOG-Generalsekretär Thomas Reinhard. Dies solle auch dabei helfen, mehr Menschen für eine Hornhautspende zu gewinnen. Viele potenzielle Organspender würden die Möglichkeit der Hornhautspende nicht kennen, und Ärzte wiesen zu selten darauf hin, so Reinhard. „Wie bei Organen auch wird die erfolgreiche Methode der Hornhauttransplantation durch fehlendes Spendergewebe beschränkt.“

„Auch wenn es bei der Hornhauttransplantation nicht um Leben oder Tod geht, wie bei Patienten, die auf eine Niere oder Leber warten, ermöglicht uns dieser Eingriff, Patien­ten ihr Augenlicht und damit ein erhebliches Stück Lebensqualität zurückzugeben“, betonte Berthold Seitz vom Universitätsklinikum des Saarlands Homburg, Sprecher der Sektion Kornea der DOG. © dpa/may/aerzteblatt.de

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Practicus
am Samstag, 3. Juni 2017, 00:14

Es wird nur eines helfen

Ein zentrales Register für Organspender - und eine ganz simple Regelung: Nur wer als potenzieller Spender mindestens 1 Jahr eingetragen ist, hat Anspruch auf die Versorgung mit einer Organspender. Wer nicht als Spender eingetragen ist, erklärt damit die Ablehnung der Organspende auch für sich selbst. Wer aus medizinischen Gründen nicht Spender sein darf (zB Hepatitis o.Ä.), kann mit einer Ausnahmeregelung geschützt werden, natürlich auch Kinder.

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