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Ältere Menschen verschweigen Schmerzen aber nicht Funktionsein­schränkung

Montag, 5. Juni 2017

Schmerzen messen /bizoo_n, stock.adobe.com
/bizoo_n, stock.adobe.com

Jena – Möchte ein Arzt das tatsächliche Schmerzlevel eines älteren Patienten erfahren, führt die direkte Frage nach Schmerzen eventuell in die Irre. Bessere Hinweise könnte eine Frage nach Funktionseinschränkungen geben. Diesen Schluss ziehen Forscher um Claudia Weinmann vom Universitätsklinikum Jena aus einer Datenanalyse, die sie heute beim Euroanaesthesia Congress in Genf vorgestellt haben (Kongress-Poster).

Mit zunehmendem Alter beklagen sich Menschen immer weniger über starke Schmerzen nach einer Operation. Das konnte bereits eine Studie von 2014 zeigen. Diese Ergebnisse werden jetzt durch eine Datenanalyse aus dem Pain Out Register bestätigt. Jedoch gehen die Projektmanagerin Weinmann, der Anästhesist Winfried Meissner sowie der Informatiker Marcus Komann davon aus, dass ältere Patienten ihre tatsächlichen Schmerzen verschweigen. Denn fragt man diese nach Funktionsein­schrän­kungen, die durch Schmerzen verursacht werden, ist keine altersabhängige Reduktion zu beobachten.

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Auf der Schmerzskala nimmt mit steigendem Alter das angegebene Schmerz­empfinden stetig ab, von sieben Punkten auf der Selbsteinschätzungsskala im Alter von 20 Jahren bis etwa 5,8 Punkten im Alter von 90 Jahren (Numerische Ratingskala von 0/schwache Schmerzen bis 10/starke Schmerzen). Die Funktionseinschränkungen zeigen jedoch keine signifikanten Änderungen. Auch sie wurden auf einer vergleichbaren Skala von 0 bis 10 erfasst.

Die drei Forscher hatten die Daten von 2.390 Patienten nach einer Knieersatzoperation an 54 weltweiten Krankenhäusern ausgewertet. Das Register sammelt international Informationen über den ersten Tag nach einer Operation.

„Wie gut und wie schnell sich ein Patient nach einer Operation erholt, kann der Arzt besser anhand der funktionellen Einschränkung bewerten, als auf Basis der Frage nach der Schmerzintensität“, sagt Meissner. Das Autorenteam empfiehlt daher, dass sich Ärzte vor allem bei älteren Patienten eher an den Aussagen zur Mobilität als zu den Schmerzen orientieren sollten. © gie/aerzteblatt.de

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