Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Probiotika könnten Depressionen bei Reizdarmsyndrom lindern

Freitag, 2. Juni 2017

/plprod, stock.adobe.com

Hamilton – Depressive Patienten, die an einem Reizdarmsyndrom leiden, könnten mit­hilfe einer Probiotika-Therapie ihre psychischen Beschwerden lindern. So lautet das Ergebnis einer klinisch randomisierten Studie, die Forscher des Farncombe Family Digestive Health Research Institute um Premysl Bercik in der Fachezeitschrift Gastroenterology veröffentlichten (2017; doi: 10.1053/j.gastro.2017.05.003).

Ein Reizdarm geht typischerweise mit Blähungen, Durchfall und Schmerzen einher. Da die Symptome zu teilweise großen Belastungen im Alltag führen, leiden laut den Autoren viele Betroffenen unter depressiven Verstimmungen. Der Grund für die Symptome ist bisher unklar. Neben einem hypersensiblen enterischen Nervensystem werden auch Faktoren wie Immunreaktionen nach Gastroenteritiden oder bakterielle Fehlbesiedlungen des Darms diskutiert. Der bakteriellen Flora wird auch in der momentanen Leitlinie zum Reizdarmsyndrom eine wichtige Rolle beigemessen. So wird in der 2010 veröffentlichten Leitlinie unter anderem eine Empfehlung für eine Behand­lung mit Probiotika ausgesprochen.

Kleine Studienpopulation

In der aktuellen – kleinen Studie wollten die Wissenschaftler überprüfen, ob die Probiotika auch einen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Patienten ausüben. Sie rekrutierten 44 Patienten mit einem Reizdarmsyndrom für ihre Studie. Die Hälfte wurde über zehn Wochen mit Probiotika behandelt, die Bifidobacterium longum enthielten, während die andere Hälfte ein Placebo erhielt.

Es zeigte sich, dass nach sechs Wochen 14 Patienten der Behandlungsgruppe unter weniger depressiven Symptomen litten, gegenüber sieben Patienten in der Placebo-Gruppe. In zusätzlichen funktionellen MRT-Aufnahmen zeigten sich in der Gruppe der behandelten Patienten Änderungen der Amygdala-Funktion und des limbischen Systems, die unter anderem an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt sind. 

Die ersten Ergebnisse dieser kleinen Studie bewerten die Forscher als vielverspre­chend. Künftige Untersuchungen müssten aber noch zeigen, ob sich diese auch in größeren Patientenkollektiven bestätigen lassen. Die Ergebnisse würden außerdem noch einmal die wichtige Verbindung zwischen Darmflora und Psyche unterstreichen, hieß es aus der Arbeitsgruppe. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

01.12.17
Diabetes: Erhöhtes Risiko für Depressionen und Suizide
Berlin – Von 6,5 Millionen Diabetikern leiden schätzungsweise 800.000 Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression. „Ärzte erkennen die Depression jedoch nur in 30 bis 40 Prozent der......
28.11.17
Studie: Teenager leiden unter Depressionen ihrer Väter
London – Depressionen können von den Eltern auf die Kinder übertragen werden. Nachdem frühere Studien nur den Einfluss der Mütter beleuchtet hatten, zeigt jetzt eine Untersuchung in Lancet Psychiatry......
28.11.17
Umfrage zeigt Unwissenheit über Depressionen
Berlin – In Deutschland gibt es große Wissenslücken über Depressionen. Fast jeder Fünfte findet, dass sich Betroffene zusammenreißen sollten, ein weiteres knappes Fünftel hält Schokolade für ein......
25.11.17
Depression oder bipolare Störung? EKG hilft bei der Differenzialdiagnose
Chicago - Die Analyse der Herzfrequenzvariabilität in einem 15-minütigen EKG hat in einer Studie im World Journal of Biological Psychiatry (2017; doi: 10.1080/15622975.2017.1376113) die......
22.11.17
Wurmkur bei Darmkrebs: Parasiten noch nicht reif für die Darmtherapie
Duisburg-Essen – Vergleichende Studien belegen, dass Würmer bei Autoimmunerkrankten, die den Darm betreffen, helfen können. Leiden Patienten jedoch an entzündlichem Darmkrebs, schaden die Parasiten......
15.11.17
Gastroenterologen bleiben auf den Kosten für Einmalprodukte in der Endoskopie sitzen
Ulm – Widersprüchliche Bestimmungen und Abstimmungsdefizite zwischen Aufsichtsbehörden belasten gastroenterologische Praxen im Augenblick mit vermeidbaren Zusatzkosten. Das berichtet der Berufsverband......
27.10.17
Versorgung depressiver Patienten in der Hausarztpraxis
Köln – Bei der Versorgung depressiver Patienten in der Hausarztpraxis sind noch Defizite zu verzeichnen. Geht man von den selbstberichteten Beschwerden in einem Patientenfragebogen (Depression......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige