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Medizin

Hepatitis C: Neue Dreier-Kombination nach Therapieversagen erfolgreich

Freitag, 2. Juni 2017

Marseille – Eine neue Kombination aus drei direkt wirkenden antiviralen Wirkstoffen (DAA) kann eine Hepatitis C fast immer auch dann ausheilen, wenn eine frühere DAA-Behandlung versagt hat. Dies zeigen die Ergebnisse aus zwei Phase 3-Studien, die bereits im letzten November auf der Jahrestagung der American Association for the Study of Liver Diseases in Boston vorgestellt und jetzt im New England Journal of Medicine (2017; 376: 2134-2146) publiziert wurden.

Eine Hepatitis C kann heute mit DAA (direct-acting antiviral) bei den meisten Patienten innerhalb weniger Wochen kuriert werden. Der Anteil der Therapieversager lag in den Studien bei unter 10 Prozent. Im klinischen Alltag könnte er etwas höher sein, da eine inkonsequente Einnahme zu Resistenzen führen kann. Für die Re-Therapie nach Versagen auf eine DAA-Therapie werden sogenannte „multi-target-Ansätze“ untersucht. Es handelt sich zumeist um Kombinationen mit drei Wirkstoffen, die alle einen unterschiedlichen Wirkungsmechanismus haben.

Die erste Kombination, die aufgrund der günstigen Ergebnisse in Phase 3-Studien demnächst eingeführt werden dürfte, besteht aus dem NS5B Inhibitor Sofosbuvir, dem NS5A-Inhibitor Velpatasvir und dem NS4A-Inhibitor Voxilaprevir. Der Hersteller ließ eine Fixkombination, bei der die Patienten täglich nur eine einzige Tablette einnehmen müssen, in zwei randomisierten Studien an weltweit mehr als hundert Zentren (mit deutscher Beteiligung) untersuchen.

An der POLARIS 1-Studie nahmen 414 Patienten teil, bei denen zuvor eine auf dem NS5A-Inhibitor basierende Therapie versagt hatte. Bei den 314 Teilnehmern der POLARIS 4-Studie waren zuvor DAA-Behandlungen ohne NS5A-Inhibitor erfolglos versucht worden. Die Patienten waren mit Viren der Genotypen 1 (der in Europa dominiert),  2 oder 3 infiziert. In beiden Studien war es bei etwa der Hälfte der Patienten bereits zu einer (kompensierten) Leberzirrhose gekommen. 

Wie Marc Bourlière vom Hôpital Saint-Joseph in Marseille und Mitarbeiter berichten, erzielte die 12-wöchige Therapie mit der Dreierkombination aus Sofosbuvir, Velpatasvir und Voxilaprevir in der POLARIS 1-Studie bei 96 Prozent der Patienten und in der POLARIS 4-Studie bei 98 Prozent der Patienten ein dauerhaftes virologisches Ansprechen (sustained virologic response, SVR), das in der Regel mit einer Ausheilung der Hepatitis C gleichzusetzen ist. Die Kombination aus Sofosbuvir plus Velpatasvir (also ohne Voxilaprevir) war in der POLARIS 4-Studie bei 90 Prozent der Patienten erfolgreich. 

Die häufigsten Nebenwirkungen der Dreierkombination waren Kopfschmerzen, Müdigkeit, Durchfall und Übelkeit. Weniger als 1 Prozent der Teilnehmer brach die Therapie wegen unerwünschter Ereignisse vorzeitig ab. 

Angesichts der Ergebnisse dürfte die Zulassung der Kombination, die der Hersteller in den USA und in Europa bereits beantragt hat, nur eine Frage der Zeit sein. © rme/aerzteblatt.de

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