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Politik

Diskussion um Maßnahmen gegen Impfgegner

Dienstag, 6. Juni 2017

/Gajus, stock.adobe.com

Berlin/Frankfurt/München – Ärztekammern und ärztliche Verbände haben die Entscheidung des Bundestages begrüßt, den Druck auf Eltern zu erhöhen, die ihre Kinder nicht impfen lassen. „Eltern sind dazu verpflichtet, den Schutz ihrer eigenen Kindern zu gewährleisten und Ansteckungen zu vermeiden – auch zum Schutz der übrigen Bevölkerung“, sagte der Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen, Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach.

Auch wenn sich Impfgegner argumentativ oftmals auf das Selbstbestimmungsrecht stützten, müsse abgewogen werden, inwieweit dieses Recht andere Menschen und ihre Gesundheit möglicherweise gefährde. „Daher ist der Ansatz grundsätzlich richtig, dass der Bundestag die Pflicht zur Impfberatung für Eltern jetzt verschärfen möchte“, so der Kammerpräsident.

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Mit dem Präventionsgesetz hatte der Gesetzgeber 2015 eine verpflichtende Impfberatung vor der Aufnahme eines Kindes in eine Kita eingeführt. Wer sich hart­näckig weigert, dem kann das Gesundheitsamt schon jetzt ein Bußgeld von 2.500 Euro auferlegen. Die Kitas müssen bislang die betreffenden Eltern allerdings nicht verpflich­tend an das Gesundheitsamt melden. Das soll sich jetzt mit dem „Gesetz zur Moderni­sierung der epidemiologischen Überwachung übertragbarer Krankheiten“ ändern, das der Deutsche Bundestag am 1. Juni beschlossen hat.

Von Impfberatung bis Personal­untergrenzen: Bundestag schnürt zwei Gesundheitspakete

Berlin – Kitas müssen Eltern, die keine Impfberatung für ihre Kinder nachweisen können, künftig an das Gesundheitsamt melden. Das und eine ganze Reihe von weiteren Änderungen sehen zwei umfangreiche Gesetzespakete vor, die der Bundestag gestern Nacht verabschiedet hat. (...)

Für einen Nachweis über eine Impfberatung beim Haus- oder Kinderarzt plädiert die Bayerische Lan­des­ärz­te­kam­mer. Aus ärztlicher Sicht könne man von unterlassener Hilfeleistung und von Vernachlässigung elterlicher Fürsorgepflicht sprechen, wenn einem Kind der Schutz vor impfpräventablen Erkrankungen vorenthalten werde, sagte dessen Präsident Max Kaplan. „Für einen ausreichenden Impfschutz der Patienten zu sorgen, ist eine wichtige Aufgabe unserer ärztlichen Tätigkeit“, appellierte er an die Ärzte. Daher sei der frühzeitige Beginn der Grundimmunisierung bei Säuglingen und Kleinkindern zeitgerecht durchzuführen.

Trotz der breiten Zustimmung dafür, Kinder zeitgerecht und umfassend zu impfen, sehen Politiker und Ärzte die Pflicht für Kitas, Impfverweigerer zu melden, kritisch. „Ob die Meldepflicht durch eine Kinderbetreuungseinrichtung der richtige Weg ist, muss man infrage stellen“, sagte der hessische Ärztepräsident Knoblauch zu Hatzbach. „Wir stehen bei den meisten Grundimmunisierungen sehr gut da“, sagte Ralf Moebus vom Landesvorstand des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Hessen.

Eine flächendeckende Impfberatung sei bereits gewährleistet. Ob eine zusätzliche Impfberatung bei kritischen Eltern wirklich zu einer Verbesserung der Impfquote führe, sei nicht abzuschätzen. Ulrike Havers-Dietrich von der Diakonie Hessen sieht zwei mögliche Kritikpunkte der Neuregelung: „Eine Meldepflicht erzeugt Arbeit, für die die Kitas nicht unbedingt ausgestattet sind.“ Außerdem belaste sie möglicherweise das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kita, so Havers-Dietrich.  

Sofern der Bundesrat dem neuen Gesetz zustimmt, wird es im Sommer dieses Jahr in Kraft treten. Aus der Länderkammer wurde jedoch bereits Kritik an dem Vorhaben laut, dass die Kitas die Eltern melden sollen. © hil/dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #560064
nocure
am Donnerstag, 8. Juni 2017, 16:56

Der Tellerrand ist manchmal schon sehr hoch für Poliiker

Siehe Ausland - kein Impfstatus kein Kleinkind- oder Kitaplatz. Punkt!
Da brauchst keinen Oberaufseher in der Kita, keinen Kinderarzt-Capo o.ä.. Auch keine fälschbare Bescheinigung von Kinderarzt, sondern eine Doku, welche vom Amtsarzt einsehbar direkt zu einer Beurteilung führt.
Die Deutschen haben bezüglich der Impfungen einen dermaßen großen "Hau weg", dass es ja im angloamerikanischen Sprachgebrauch schon lange "German Measles" heißt. Die gleiche Gruppe der Impfesotheriker hat aber überhauüt kein Problem mit Jap. Encepahlitis, Gelbfieber o.ä. Impfungen, da der Urlaub da unen schon unbedingt sein muß und die Impfung halt wichtig ist. Herr......
Avatar #108046
Mathilda
am Mittwoch, 7. Juni 2017, 15:32

Warum Instrumentalisierung der Kitas statt Einbindung in U-Untersuchungen?

Grundsätzlich finde ich es sehr richtig, dass Kitas Kindern die Aufnahme verweigern, wenn diese keinen vollständigen Impfstatus nachweisen können (von den wenigen nicht impfbaren Kindern abgesehen). Deshalb sollten Kitas auch nicht nur bei Aufnahme sondern regelmäßig den Impfstatus kontrollieren.
Für eine Sanktionierung der Eltern ist dies in meinen Augen aber der falsche Weg. Kinder im Kita-Alter werden regelmäßig zu U-Untersuchungen einbestellt; vor der Einschulung folgt die Einschulungsuntersuchung. Bei diesen Untersuchungen sollte der Impfstatus abgefragt und sofort eine Impfberatung durchgeführt und dokumentiert werden. Dann braucht es weder Meldung noch Sanktionierung.
Die weitergehende Frage ist lediglich: wie geht man dann mit den Kindern und deren Eltern um, die trotzdem die Impfungen ablehnen?
Meines Erachtens nach kommt man spätestens mit Inkrafttreten der Schulpflicht auch um eine Impfpflicht nicht mehr herum - es ist kaum erklärbar, wieso ungeimpfte Kinder zwar nicht in die Kita, dann aber doch in die Schule gehen dürfen.
LNS

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