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Politik

Krankenhausplanung: IQTIG erarbeitet neue Qualitätsindikatoren

Mittwoch, 7. Juni 2017

Für die endoprothetische Gelenkversorgung können künftig Qualitätsverträge zwischen Kliniken und Krankenkassen geschlossen werden. /Bergringfoto, stock.adobe.com

Berlin – Hinter den Kulissen arbeitet die Selbstverwaltung seit eineinhalb Jahren mit viel Energie daran, die zahlreichen Vorgaben aus dem Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) umzusetzen. Derzeit seien die Mitarbeiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) damit befasst, weitere Qualitäts­indika­toren zu definieren, die die Bundesländer bei ihrer Krankenhausplanung verwenden können, wie IQTIG-Leiter Christof Veit vor Kurzem auf einem Kongress der Stiftung Initiative Qualitätskliniken (SIQ!) in Berlin erklärte. Diese Indikatoren sollen es den Ländern ermöglichen, im Extremfall Krankenhäuser beziehungsweise einzelne Abteilungen aus dem Krankenhausplan herauszunehmen, die über einen längeren Zeitraum schlechte Qualität erbracht haben.

Den Auftrag dafür hatte der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) dem IQTIG in seiner Sitzung am 15. Mai erteilt. Dabei soll das IQTIG prüfen, ob sich aus den vorhandenen Richtlinien des G-BA zur Strukturqualität sowie aus den Mindestmengenregelungen planungsrelevante Qualitätsindikatoren ableiten lassen. Konkrete Umsetzungsvor­schläge sollen, soweit methodisch möglich, für die Mindestmengenregelungen für Leber- und Nierentransplantation vorgelegt werden. Das IQTIG ist beauftragt, seinen wissenschaftlichen Abschlussbericht bis April 2018 vorzulegen.

Qualitätsindikatoren überarbeiten

Ende 2016 hatte der G-BA nach Vorarbeiten des IQTIG erste planungsrelevante Quali­täts­indikatoren vorgelegt, die aus der sogenannten externen stationären Qualitäts­sicherung (esQS) entlehnt wurden. Anhand von zahlreichen Indikatoren wird in der esQS seit Jahren die in Krankenhäusern erbrachte Qualität gemessen. „Die Indikatoren der externen stationären Qualitätssicherung sind für die Zwecke der Krankenhaus­planung nur sehr eingeschränkt geeignet“, erklärte Regina Klakow-Franck, unpartei­isches Mitglied des G-BA, im Anschluss an die Maisitzung. Deshalb sei das IQTIG nun aufgefordert worden, neue planungsrelevante Qualitätsindikatoren zu entwickeln, die eine differenziertere, über die Feststellung einer unzureichenden Qualität hinaus­gehende Qualitätsbeurteilung ermöglichten und die für die Krankenhausplanung besser geeignet seien.

Bis 2019 zeit für neue planungsrelevante Qualitätsindikatoren

Auch die Bundesländer hatten die ersten planungsrelevanten Qualitätsindikatoren kritisiert, da diese zu unkonkret seien, um mit ihnen eine einheitliche Krankenhaus­planung nach Qualitätskriterien durchzuführen. „Unser Ziel war eine Qualitätseinheit­lichkeit, kein Qualitätsföderalismus“, betonte Jochen Metzner, Referatsleiter Kranken­hausversorgung im hessischen Sozialministerium, auf dem SIQ!-Kongress. Denn ein Qualitätsföderalismus sei nicht gut. Das sehe man zum Beispiel im Bildungssystem.

Die Länder könnten nicht 16 Mal definieren, was eine so unzureichende Qualität sei, dass sie nicht mehr erbracht werden dürfe, meinte auch Hamburgs Gesundheits­senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Nach der Kritik aus den Ländern hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) den Beschluss des G-BA mit einer Auflage zur Weiterentwicklung belegt. Die fortentwickelten Bestimmungen muss der G-BA dem­nach bis zum 31. Dezember 2019 vorlegen.  

Länder wollen auf Umarbeitung der Qualitätsindikatoren warten

Mit den vorliegenden Indikatoren sei schon ein großer Schritt gemacht worden, sagte der Staatssekretär im BMG, Lutz Stroppe. Da sie von den Bundesländern nicht so angewandt werden könnten, wie diese es benötigten, sei es aber nur ein Zwischen­schritt gewesen. Das BMG habe dem G-BA nun eine Nachfrist eingeräumt, in der „die Indikatoren nachgeschärft werden könnten“, wie Stroppe erklärte.

Metzner und Prüfer-Storcks betonten, dass Hessen und Hamburg auf diese nachge­besserten Qualitätsindikatoren warten und sie dann für ihre Krankenhausplanung einsetzen würden. Vor allem Prozessindikatoren seien dabei zu begrüßen, so Metzner.

Veit erklärte, dass sich in den vergangenen Monaten „unser Verständnis von Planungs­indikatoren stark verändert“ habe. Die Entwicklung von planungsrelevanten Qualitäts­indikatoren sei ein „kontinuierlicher Lernprozess“.  In der zweiten Runde werde es jetzt darum gehen, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, bei dem die Versorgungsqualität von bestimmten Versorgungsbereichen in ihrer Gesamtheit dargestellt werden könne. Dabei würden Prozessparameter zum Einsatz kommen.

Konzept für Zu- und Abschläge fertig

Veit berichtete auch, dass das IQTIG fristgerecht ein Konzept für Zuschläge und Abschläge infolge guter beziehungsweise schlechter Qualität vorgelegt habe, das sich derzeit im Stellungnahmeverfahren befinde. Bis zum Ende des Jahres werde eine Entscheidung des G-BA erwartet.

Schließlich hat der G-BA die ebenfalls im KHSG vorgesehenen Qualitätsverträge angestoßen. Dabei sollen Krankenkassen mit Krankenhausträgern Verträge abschlie­ßen, um die Qualität der Versorgung in einzelnen Bereichen zu erhöhen.

Qualitätsverträge in vier Leistungsbereichen möglich

Qualitätsverträge können künftig in diesen Leistungsbereichen festgelegt werden:

  • Endoprothetische Gelenkversorgung
  • Prävention des postoperativen Delirs bei der Versorgung von älteren Patientinnen und Patienten
  • Respiratorentwöhnung von langzeitbeatmeten Patientinnen und Patienten
  • Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfach­behin­derungen im Krankenhaus

„Ziel der Qualitätsverträge ist die Erprobung, inwieweit sich eine weitere Verbesserung der Versorgung mit stationären Behandlungsleistungen, insbesondere durch die Verein­barung von Anreizen sowie durch höherwertige Qualitätsanforderungen, erreichen lässt“, erklärte Klakow-Franck.

Hierzu habe der G-BA vier Leistungsbereiche ausge­wählt, für die besondere Qualitätsverbesserungspotenziale bekannt seien: Sei es, dass die Qualität der Indikationsstellung noch gesteigert werden könne, wie zum Beispiel bei der endoprothetischen Gelenkversorgung, oder dass es sich um die Versorgung von vulnerablen Patientengruppen handle, die bislang zu wenig im Fokus der Qualitäts­sicherung gestanden hätten.

Im nächsten Schritt vereinbaren der GKV-Spitzenverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft für die Qualitätsverträge die verbindlichen bundeseinheitlichen Rahmenvorgaben, um die vorgesehene Evaluierung nach dem Erprobungszeitraum zu ermöglichen. © fos/aerzteblatt.de

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